Mi., 07.03.2018

Rathaus wartet auf Gutachten Wehr-Umbau: Sondersitzungen frühestens im April

Wird die Werre, wie hier bei der Sicherheitsüberprüfung, künftig tiefer gelegt? Die Sondersitzungen werden wohl nicht mehr im März stattfinden.

Wird die Werre, wie hier bei der Sicherheitsüberprüfung, künftig tiefer gelegt? Die Sondersitzungen werden wohl nicht mehr im März stattfinden. Foto: Moritz Winde/Archiv

Von Jan Gruhn

Herford (WB). Offenbar muss noch eine Menge Wasser die Werre hinabfließen, bis es eine Entscheidung in Sachen Wehrabsenkung am Bergertor gibt. Die eigentlich für März geplanten Sondersitzungen von Bauausschuss und Rat werden laut Baudezernent Peter Böhm frühestens im April stattfinden.

»Im Laufe dieses Monats sollten alle Unterlagen eingegangen sein«, erklärt Böhm. Erst, wenn alle Informationen vorliegen, wolle man wieder zusammenkommen. Derzeit wartet die Stadtverwaltung unter anderem noch auf das Gutachten über den Zustand des Wehres, für das der Wasserstand Ende Februar abgesenkt wurde. Bislang war man im Rathaus davon ausgegangen, die Sondersitzungen bereits in diesem Monat durchführen zu können.

»Im Moment ist sie eher schlecht«

»Da sollen dann auch die Bürger zu Wort kommen«, sagt Böhm. Zuletzt hatte sich vor allem der Herforder Kanu-Klub (HKK) mehrfach gegen eine Absenkung ausgesprochen. »Wir sind allerdings auch sehr daran interessiert, dass die Fachleute nochmal zu Wort kommen«, betont Böhm.

Mit Blick auf die Ökologie gibt es laut Gutachter Reinhold Barthel (60) allerdings nur eine Wahl. Er und seine Kollegen von der Ingenieurgesellschaft für Wasser- und Abfallwirtschaft (IWA) aus Bad Oeynhausen hatten im Vorfeld untersucht, wie an der Stauanlage größtmögliche ökologische Durchlässigkeit erzeugt werden kann. »Im Moment ist sie eher schlecht«, resümiert Barthel.

Absenkung bevorzugt

»Für die Fische ist derzeit am Wehr einfach Schluss.« Zwar gebe es aus Fließrichtung gesehen links die Fischtreppe. »Aber die wäre besser auf der anderen Seite.« Denn: Bedingt durch die Kurve, die die Werre kurz vor dem Wehr noch nehmen muss, verlaufe die zentrale Strömung auf der rechten Seite. »Und daran orientieren sich die Fische.« Den Eingang zur Treppe fänden also nur die wenigsten.

Aus ökologischer Sicht wäre es also optimal, die gesamte Anlage zu beseitigen, meint Barthel. Aber weil diese Option politisch eben nicht gewünscht sei, werde über die Kompromiss-Varianten 3a und 3b diskutiert. Wobei er aus fachlich-ökologischer Sicht erstere bevorzugen würde – die Variante mit Wasserstand-Absenkung um 50 Zentimeter.

Eine Variante ist deutlich teurer

Dadurch würde die Fließgeschwindigkeit erhöht und die Wasserqualität verbessert: Naturschutzverbände hatten in den vergangenen Monaten mehrfach dafür geworben – gegen den Protest einiger Hauseigner, die Angst vor Schäden an ihrem Eigentum infolge der Absenkung hätten. Allerdings wäre die Variante 3b mit etwa 4,5 Millionen Euro Baukosten deutlich teurer als 3a mit etwa 3,6 Millionen Euro.

Laut eines hydrologischen Gutachtens des Bochumer Ingenieurunternehmens CDM Smith wäre die Absenkung für die umliegenden Bauten allerdings kein Problem. Demnach wäre theoretisch sogar eine Absenkung um 0,625 Meter möglich.

Wann es eine Entscheidung gibt, bleibt vorerst offen. Allerdings warnte Baudezernent Böhm auch davor, die Debatte ins Unendliche abkippen zu lassen. »Wir müssen aufpassen, dass wir nicht immer das Gleiche diskutieren.« Böhm weiter: »Der Bürgermeister und ich verfolgen das Ziel, vor der Sommerpause eine Entscheidung von der Politik zu bekommen.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5571446?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F