Do., 08.03.2018

Verdi wirft Kolpingwerk Lohndumping in Herford vor – Paderborner Betreiber weist Vorwürfe zurück Streit um gerechte Bezahlung

Verdi kritisiert die Höhe der Bezahlung für die Mitarbeiter in der ZUE. Das Kolpingwerk weist die Vorwürfe zurück.

Verdi kritisiert die Höhe der Bezahlung für die Mitarbeiter in der ZUE. Das Kolpingwerk weist die Vorwürfe zurück.

Von Ralf Meistes

Kolpingwerk spricht von Falschaussage

Dort sollen sich 60 Mitarbeiter um bis zu 500 Flüchtlinge kümmern. Diese Mitarbeiter sind zu schlecht bezahlt, findet Verdi. Das Kolpingwerk wehrt sich gegen die Vorwürfe und spricht in einem Punkt sogar von einer Falschaussage.

Vergleich mit TVöD

Verdi-Sekretär Ortmann hat die Bezahlung der AVR Kolping Paderborn mit dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) verglichen und kommt zu dem Ergebnis, dass das Kolpingwerk bis zu 27 Prozent unterhalb des Niveaus des TVöD liege. Eine Berechnung, die der Erläuterung bedarf, befindet das Kolpingwerk.

»Wir haben die Ausschreibung für den Betrieb der ZUE für die kommenden zwei Jahre gewonnen. Danach wird die Bezirksregierung neu ausschreiben. Vor diesem Hintergrund sind wir verwundert, wenn die Gewerkschaft Verdi bei den Tarifen Betriebszugehörigkeiten von sechs Jahren und mehr miteinander vergleicht«, sagt Sascha Dederichs, Grundsatzreferent der Geschäftsführung beim Kolpingwerk.

»Begriff weisen wir zurück«

Für einen Sozialarbeiter oder Sozialpädagogen zahle die AVR Kolping Paderborn ein Einstiegsgehalt von 2800 Euro. Laut TVöD wären es 2950 Euro. »Bei den Erziehern zahlen wir Berufseinsteigern 2500 Euro. Im TVöD wären es 78 Euro mehr. Ich kann nicht verstehen, warum man deshalb von Lohndumping spricht. Diesen Begriff weisen wir zurück«, sagt Dederichs.

Grundlegend falsch sei die Aussage der Gewerkschaft, dass der Betrieb erst am 2. März mit der Arbeit begonnen hätte, um so den Mitarbeitern weniger Jahresurlaub zu gewähren. »Die komplette Belegschaft bekommt den kompletten Jahresurlaub«, stellt Dederichs klar.

»Weder angemessen, noch gerecht«

Verdi-Sekretär Ortmann bleibt bei seiner Kritik bezüglich der Bezahlung der Flüchtlingshelfer: »Die in den AVR Kolping Paderborn geregelte Bezahlung ist weder angemessen noch ist sie gerecht. Die Behauptung, man orientiere sich am TVöD halte ich zudem für falsch.«

Zudem prangert Ortmann eine Jahressonderzahlung in Höhe von nur 40 Prozent an, die AVR leiste. »Ein Wert, den wir in anderen Tarifverträgen, die übrigens mit Verdi ausgehandelt wurden, ebenfalls zur Geltung bringen«, antwortet das Kolpingwerk auf die Kritik.

Verfahren in Frage gestellt

Jenseits der Kritik am Kolpingwerk hält Verdi das gesamte Verfahren um die Zentralen Unterbringungseinrichtungen für mehr als fragwürdig. In der ZUE Herford habe sich zum dritten Mal der billigste Anbieter durchgesetzt. »Billig geht nur über schlechte Arbeitsbedingungen und Niedriglöhne«, beklagt Ortmann.

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