Mi., 16.05.2018

Fenster-Streit: Herforder scheitert mit Klage gegen Denkmalschutz - mit Video Gericht stoppt Umbaupläne für Briten-Haus

Seit zwei Jahren liegt der Eisenträger im Garten von Ertan Colak und wartet auf den Einbau. Der 29-Jährige will aus den drei kleinen Fenster im Erdgeschoss ein Panoramafenster machen. Doch das Gericht hat seine Pläne für das denkmalgeschützte Haus gestoppt.

Seit zwei Jahren liegt der Eisenträger im Garten von Ertan Colak und wartet auf den Einbau. Der 29-Jährige will aus den drei kleinen Fenster im Erdgeschoss ein Panoramafenster machen. Doch das Gericht hat seine Pläne für das denkmalgeschützte Haus gestoppt. Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde

Herford (WB). Aus der Traum vom Panoramafenster: Das Verwaltungsgericht Minden hat am Dienstag die Klage eines Herforders abgewiesen. Der Eigentümer eines alten Briten-Hauses in der Goethestraße wollte aus drei kleinen ein großes Fenster machen. Doch der Denkmalschutz steht ihm im Weg.

Unverständnis beim Kläger

Ertan Colak sagte nach der Verkündung, er sei über das Urteil enttäuscht. »Ich kann nicht verstehen, weshalb eine Öffnung der Laibungen nicht möglich ist. Dadurch würde die Ansicht der Fassade nicht wesentlich verändert. Und auch auf die Statik hätte es keinen gravierenden Einfluss. Ich will nicht das Haus abreißen oder ein Flachdach errichten, sondern lediglich ein durchgehendes Fenster. So etwas gehört doch heute zu einem modernen Lebensstandard.« Der 29-Jährige verwies außerdem auf die energetischen Vorteile sowie den größeren Lichteinfall.

Vor dem Prozess: Ertan Colak im Gespräch mit seinem Anwalt Burkhard Zurheide. Noch steht nicht fest, ob sie in Berufung gehen. Foto: Moritz Winde

Das Gericht folgte seiner Argumentation nicht. Zwar sagte der Vorsitzende der 1. Kammer, Rolf-Lutz Weidemann, die Auflagen der Behörde könnten auf den ersten Blick kleinlich wirken, »aber beim Denkmalschutz gelten Maßstäbe, die vielleicht nicht sofort nachzuvollziehen sind. Das tut mir für Sie sehr leid.«

Streit schwelt seit zwei Jahren

 Seit zwei Jahren streitet Ertan Colak mit dem Herforder Denkmalamt. Die Verwaltung hatte seinen Antrag aufs Panoramafenster abgelehnt, kurz nachdem der junge Mann das 1949 erbaute Offiziershaus gekauft hatte. Etwa 100 ehemalige Besatzer-Häuser der Briten in der Goethe- und Eckermannstraße sowie in der Glatzer Straße wechselten 2016 ihren Besitzer. Sie stehen seit 2004 unter Denkmalschutz.

Esther Dietz, Juristin der Stadt, begründete am Dienstag noch einmal die Entscheidung: »Wir sehen die bestimmte Formgebung der Fenster als erhaltenswert an. Die Häuser sollen ihren Mustercharakter behalten. Ziel ist der Erhalt der siedlungstypischen Architektur, vor allem des einheitlichen Erscheinungsbildes.« Durch den geplanten Umbau sehe man einen zu starken Eingriff in die Substanz des Hauses. Sie betonte, dass jeder Käufer über die möglichen baulichen Veränderungen informiert worden sei. »Bei keinem anderen hat es Probleme gegeben.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5742801?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F