Do., 17.05.2018

Vögel nisten an altem Hotel in Herford – Bonitas-Neubau erst 2020 fertig Schwalben verzögern Ehrler-Abriss um Monate

Von Moritz Winde

Herford (WB). Hotel Ehrler und kein Ende: Eigentlich hätte der Abriss längst in vollem Gange sein sollen. Doch weil Schwalben unterm Dach nisten, wird daraus erst einmal nichts. Denn die stehen unter Schutz. Das bedeutet auch, dass sich der Bau des Bonitas-Pflegewohnheims verzögert.

Gebäude steht seit Jahren leer

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Im alten Hotel Ehrler steckt der Wurm: Jahrelang gammelt die Immobilie vor sich hin. Investoren kamen und gingen, zig Pläne wurden vorgestellt und verworfen.

Als kaum noch jemand an eine positive Entwicklung glaubt, kommt mit Lars Uhlen endlich einer, der nicht bloß Sprüche klopft, sondern die Sache durchzieht. Und dann machen ihm Schwalben einen Strich durch die Rechnung. Das ist bitter. Es ist richtig, dass Naturschutz über unternehmerische Interessen gestellt wird. Doch es bleibt zu hoffen, dass der Bonitas-Chef das Projekt nicht scheitern lässt. Das wäre sehr schade – nicht nur für Elverdissen.

So lange das marode und seit Jahren leer stehende Gebäude-Ensemble nicht aus dem Elverdisser Dorfkern verschwunden ist, kann logischerweise nicht neu gebaut werden. Sehr zum Ärger von Bonitas-Chef Lars Uhlen. »Ich bin sicher kein Vogelhasser und Naturschutz ist mir wichtig. Doch die Schwalben werfen den Zeitplan gehörig durcheinander. Und das kostet mich viel Geld.«

Den finanziellen Schaden durch die Vögel beziffert Uhlen auf zehn Prozent der Investitionssumme, die bei 2,6 Millionen Euro liegt. Denn die Höhe der Material- und Abbruchkosten seien nur für drei Monate fix gewesen. »Und auch die Baufirmen sind nur für eine kurze Dauer geblockt gewesen. Die nehmen natürlich jetzt andere Aufträge an – und ich muss mich wieder hinten anstellen«, bedauert Lars Uhlen. Es nerve ihn gewaltig, dass er seine Zusagen nicht einhalten könne. Die gesamte Kalkulation sei über den Haufen geworfen worden.

Uhlen hatte das 5000 Quadratmeter große Grundstück samt altem Hotel im Februar für eine halbe Million Euro gekauft. Der Vorbesitzer hatte sich derart mit der Verwaltung überworfen, dass er sogar geklagt hatte.

Im April hätte ursprünglich mit dem Abriss der Immobilie begonnen werden sollen. Im Juli sollten die Neubauarbeiten starten. Im Juni 2019 hätten die 18 Bewohner des ambulanten Wohnheims »Unser kleines Heim« einziehen sollen. Nun muss das Projekt, für das der Bauausschuss gestern Abend grünes Licht gab, bis zum Herbst ruhen. Erst dann ist die Brutzeit vorbei.

Eigentümer ist in der Pflicht

»Setzt sich der Eigentümer darüber hinweg und lässt das Haus trotzdem abreißen, droht ihm ein Ordnungswidrigkeitsverfahren«, stellt Stadt-Sprecherin Susanne Körner klar. Zwar liege die Abbruchgenehmigung von Seiten der Verwaltung vor.

Dennoch sei der Besitzer verpflichtet, zu schauen, ob in seinem Abbruchhaus keine schützenswerten Vögel nisten oder Fledermäuse wohnen. Körner: »Er muss einen entsprechenden Nachweis erbringen, dass das Haus leer ist. Der Abbruchunternehmer kann hier zum Beispiel nachschauen. Ist er nicht sicher, kann er sich an die Untere Landschaftsbehörde des Kreises Herford wenden. Die untersucht dann das Haus.«

Uhlen geht davon aus, dass das Pflegewohnheim nun erst im Frühjahr 2020 fertig sein wird. Und weil ja bekanntlich eine Schwalbe keinen Sommer macht, muss er an den Neubau eine Nistmöglichkeit für die Vögel schaffen.

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