Do., 17.05.2018

Aussschuss folgt Argumentation der Verwaltung Bergertor-Wehr: Bürgerantrag abgelehnt

Von Ralf Meistes

Herford (WB). Was passiert im Falle eines Jahrhunderthochwassers mit den Grundstücken an der Werre, nachdem das Bergertor-Wehr umgebaut worden ist? Mit dieser Frage hat sich der Bauausschuss beschäftigt.

Hochwasserschutz im Blick

Hintergrund war ein Bürgerantrag von Anwohnern. Eine Umgestaltung des Wehres am Bergertor dürfe nicht zu einer Verringerung des Hochwasserschutzes führen, forderten sie. Sie wollten, dass die Stadt in diesem Zusammenhang das Ludwig-Franzius-Institut (LuFI) der Uni Hannover als Gutachter engagiert.

Die Mitglieder des Bauausschusses lehnten dies mehrheitlich ab. Sie folgten der Argumentation der Stadtverwaltung, wonach Untersuchungen belegen, dass die geplanten Umbauvarianten »die Vorgaben des Hochwasserschutzes erfüllen und auch nach dem Umbau die Hochwassersicherheit gegeben ist«.

Anregungen der Bürger berücksichtigen

Zugleich machten Vertreter fast aller Parteien deutlich, dass die Anregungen der Anwohner im Planfeststellungsverfahren berücksichtigt würden.

Unter Jahrhundert-Hochwasser (auch 100-jährlicher Abfluss, kurz HQ100 genannt) versteht man die Pegelhöhe oder Abflussmenge eines Gewässers, die im statistischen Mittel einmal alle 100 Jahre erreicht oder überschritten wird. Für die Anwohner ging es mit ihrem Antrag um die Frage, ob eine der geplanten Umbauvarianten zu einer Verschlechterung des Hochwasserschutzes führt.

 

Umsetzung bis 2027

Man habe die günstigste theoretische Überprüfung beantragt, die auch nicht viel Zeit in Anspruch genommen hätte, argumentieren die Verfasser des Bürgerantrags. Zudem bestünde keine Eile, weil die Wasserrahmenrichtlinie erst bis 2027 umgesetzt werden müsse.

»Heute wird das Vorhaben noch mit 80 Prozent gefördert. Irgendwann werden wir als Stadt für den Wehrumbau keinen Zuschuss mehr erhalten«, sagte Herbert Even (Die Grünen). Insofern spiele der zeitliche Faktor sehr wohl eine Rolle. Sollte es Zweifel an den Plänen geben, werde man jedoch ein weiteres Gutachten anfordern. »Wir werden nicht mit ihrem Eigentum spielen«, versprach Even.

»Mir fehlen die Fakten«

Lothar Wienböker (Bürger für Herford) erklärte, ihm fehlten immer noch Fakten, um eine Entscheidung zu treffen. Deshalb bat er um Vertagung. Dies lehnte eine Mehrheit ab. Heinz-Günther Scheffer (Liste 2004) sprach von begründeten Sorgen der Anwohner. Werner Seeger (CDU) betonte, der Bauausschuss beschäftige sich seit 2012 intensiv mit der Wehr-Umgestaltung. »Ob wir den Wasserspiegel absenken oder nicht, ist noch völlig offen«, so Seeger.

Einige Anwohner hatten sich für die Umbauvariante 1 ausgesprochen. Dabei würde das jetzige Wehr abgerissen und der Querschnitt der Werre am westlichen Ufer um bis zu 22 Meter verbreitert werden. Das Wasser würde dann über ein flächiges Raugerinne fließen – also einem Wasserlauf, der ähnlich einem Gebirgsbach mit Steinen ausgelegt ist.

Unterschiedliche Varianten

Mit der von der Verwaltung favorisierten Variante 3a ist der Abriss des bestehenden Wehres und der Neubau eines etwa 20 Meter breiten, beweglichen Wehres geplant. Dieses Teilwehr kann bei Hochwasser geöffnet werden. Im westlichen Flussprofil ist ein Raugerinne geplant. Der Wasserspiegel der Werre müsste um 50 Zentimeter abgesenkt werden. Bei der Variante 3b, die deutlich teurer ist als 3a, kann auf eine Wasserspiegelabsenkung verzichtet werden.

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