Mi., 13.06.2018

Herforder (44) handelte laut Schöffengericht aus Notwehr – Zeugin liefert keine entscheidenden Hinweise Bluttat im Treppenhaus: Verfahren eingestellt

Verteidiger Dr. Detlev Binder (rechts) bespricht sich vor der Verhandlung mit dem Angeklagten.

Verteidiger Dr. Detlev Binder (rechts) bespricht sich vor der Verhandlung mit dem Angeklagten. Foto: Jan Gruhn

Von Jan Gruhn

Herford (WB). Das Verfahren gegen einen Herforder (44), der vor etwa eineinhalb Jahren bei einem nächtlichen Streit an der Verdistraße zwei Personen verletzt hat, ist am Dienstag am Amtsgericht eingestellt worden. Aus Sicht von Richterin Alea Blöbaum reichte die Beweislage nicht für eine Verurteilung wegen Körperverletzung aus. Zudem war der Mann wegen Beleidigung und Nötigung angeklagt worden.

In der Nacht des 24. Dezember 2016 war es in einem Mehrfamilienhaus auf dem Stiftberg zum blutigen Ende einer Auseinandersetzung gekommen, die wenige Stunden zuvor in einer Spielhalle an der Komturstraße begonnen hatte. Der Angeklagte hatte bereits zugegeben, eine Angestellte beleidigt zu haben. Weil er sich im betrunkenen Zustand unter anderem an ein bereits besetztes Spielgerät gesetzt hatte, habe die Mitarbeiterin ihn angesprochen.

Streit eskaliert vor der Wohnungstür

Daraufhin soll er ausfallend geworden sein. Gemeinsam mit zwei männlichen Bekannten wollte die junge Frau an der Wohnung des Angeklagten gegen 1.20 Uhr eine Entschuldigung einfordern. Sie habe sich gedemütigt gefühlt, hieß es in der Verhandlung vor dem Schöffengericht. Als der Streit vor der Wohnungstür eskaliert sei, wurde die junge Frau – die auch als Nebenklägerin auftrat – schwer verletzt, ebenso einer ihrer Begleiter.

In den bisherigen Verhandlungen konnte nicht geklärt werden, ob es sich um einen Angriff seitens des Angeklagten oder doch Notwehr gehandelt hatte. Abhilfe sollte die Aussage einer Zeugin und damaligen Nachbarin schaffen, die den ersten Terminen zunächst ferngeblieben war. Der Grund: zu große Angst vor dem Angeklagten. Ein amtsärztliches Gutachten bestätigte, dass ein Zusammentreffen psychische, gesundheitliche Folgen für die 36-Jährige hätte – weshalb der Angeklagte während ihrer Aussage den Saal verlassen musste. »Er ist kein normaler Mensch«, sagte die Zeugin. Er habe ständig laut gefeiert, sie habe Angst um ihre Töchter (12/14) gehabt, erklärte sie ihre Probleme.

Zeugin liefert keine Hinweise

Zwar habe sie durch ihren Türspion zwei Männer im Hausflur beobachten können und wegen des lauten Streits die Polizei gerufen, sagte die Zeugin. Die Messerattacke selbst habe sie aber nicht beobachtet.

Wie Verteidiger Dr. Detlev Binder anstelle seines Mandaten erklärte, sei einer der Männer in die Wohnung eingedrungen und habe den 44-Jährigen in den Schwitzkasten genommen. Dieser habe daraufhin in Panik nach einem Küchenmesser gegriffen und auf den Angreifer eingestochen. Nach Ansicht der Richterin lieferten die abgegebenen Zeugenaussagen keine überzeugenden Beweise dafür, dass der Angeklagte einen der Männer in die Wohnung gezerrt habe – wie in der Anklageschrift aufgeführt.

Letztendlich einigten sich die Beteiligten darauf, das Verfahren einzustellen. Auch, weil der Angeklagte bereits drei Monate in Untersuchungshaft gesessen habe, womit die zugegebene Beleidigung abgegolten sei.

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