Do., 14.06.2018

Luchs-Papa trotzt Narkose: Junges im Tierpark Herford kann nicht untersucht werden - mit Video Sieghard – ein zäher Hund

Benommen liegt Sieghard im Gras. Doch der Luchs ist einfach nicht klein zu kriegen – trotz mehrfacher Narkose.

Benommen liegt Sieghard im Gras. Doch der Luchs ist einfach nicht klein zu kriegen – trotz mehrfacher Narkose. Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde

Herford (WB). Er torkelt und taumelt, wankt und wackelt – doch K.o. geht er nicht. Selbst fünf Betäubungspfeile hauen Luchs-Papa Sieghard nicht um. Er bleibt wach – und gefährlich. Deshalb ist eine Untersuchung seines Babys nicht möglich.

Reingehen zu riskant

Diese Standhaftigkeit hat Tierarzt Dr. Wolfgang Holtmann noch nicht erlebt. Kopfschüttelnd blickt er durch den Maschendrahtzaun des Raubkatzen-Geheges im Herforder Tierpark. »Der hat doch mindestens drei Promille. Eigentlich müsste er längst schlafen«, sagt er beim Anblick des völlig geschwächten Luchses.

Junge oder Mädchen? Noch weiß niemand das Geschlecht des kleinen Luchses, der sich eng an Mama Dorothea schmiegt. Foto: Moritz Winde

Doch so lange das ausgewachsene Männchen nicht im Traumland ist, wäre es viel zu riskant, die Höhle des Löwen zu betreten. Holtmann: »Ein Luchs könnte einen Menschen ohne Probleme mit nur einem Biss töten.«

Mindestens drei Pfeile sitzen

Seit fast drei Stunden versuchen die Experten mittlerweile, Sieghard – benannt nach seinem Besitzer, Wellteam-Geschäftsführer Sieghard Schöneberg – zeitweise aus dem Verkehr zu ziehen. Zoo-Chef Thorsten Dodt hat dem Tier gerade die fünfte Narkose-Spritze mit dem Pusterohr ins Gesäß gefeuert. Bei mindestens drei Pfeilen hat die Injektion funktioniert.

Das Beruhigungsmittel zeigt deutlich seine Wirkung. Sieghard hat Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Das Problem: Kampfunfähig scheint er trotzdem nicht. Immer wieder rafft sich die etwa 30 Kilogramm schwere Katze auf, setzt einen Sprint an oder knurrt die Beobachter an.

Neuer Versuch am Freitag

Ganz klar: Sieghard will sein Kind vor den Fremden beschützen. Er kann nicht wissen, dass sie nichts Böses im Schilde führen, sondern den Nachwuchs lediglich auf Herz, Nieren und Geschlecht überprüfen wollen. Dr. Holtmann: »Der Luchs steht total unter Strom. Er ist voll Adrenalin. Noch mehr Betäubungsmittel können wir ihm nicht geben. Zu groß ist die Gefahr, dass der Körper das nicht mitmacht.«

Am Freitag gibt’s einen neuen Anlauf. Dann wird das Schlafmedikament im Fressen versteckt. Mit diesem Trick hat’s am Mittwoch bereits bei Mama Dorothea geklappt. Sieghard war zu schlau oder hatte keinen Appetit. Dodt: »Wir lassen ihn jetzt so lange hungern.«

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