Mo., 25.12.2017

Engel, Weihnachtsmann und hübsche Mädchen zieren historische Postkarten Weihnachtsgrüße aus der Kaiserzeit

Links: Der Weihnachtsmann lässt grüßen: Postkarte von Elise Fricke vom 24. Dezember 1908. Rechts: Bunte Engel schmücken diese Weihnachtspostkarte, die Anna Stork aus Herford 1905 an ihre Freundin Minna in Löhne schickte. Fotos: Sammlung Stuke

Links: Der Weihnachtsmann lässt grüßen: Postkarte von Elise Fricke vom 24. Dezember 1908. Rechts: Bunte Engel schmücken diese Weihnachtspostkarte, die Anna Stork aus Herford 1905 an ihre Freundin Minna in Löhne schickte. Fotos: Sammlung Stuke

Von Hermann Stuke

Hiddenhausen (WB). Im Kern geht es beim Weihnachtsfest um die »Frohe Botschaft«: Christus ist geboren, freut euch darüber. Im alltäglichen Weihnachtsrummel hat man den Eindruck, dass der Zusammenhang inzwischen aus dem Gedächtnis geraten ist. War das in der »guten alten Zeit« anders? Ein Stapel alter Postkarten aus der Kaiserzeit gibt Antwort darauf.

Da findet sich zum Beispiel eine Postkarte von Frieda und Ida Stork aus Bustedt, die 1914 an ihren Bruder Heinrich schreiben, der Soldat im Ersten Weltkrieg war. Sie vermittelt die christliche Botschaft deutlich über den Text und die Symbolik der dargestellten Kerze: »Es ist erschienen, die heilsame Gnade Gottes allen Menschen.« Die Geburt dieses besonderen Kindes ist das Licht in einer dunklen Welt.

Blumenbekränzte Mädchen

Die Postkarte, die Anna Stork aus Herford 1905 an ihre Freundin Minna in Löhne schickte, ist dagegen eher süßlich gehalten. Ein Mädchen mit Flügeln und überlangen Haaren, ein Engel, segnet ein Kind – vielleicht ist das Christkind gemeint – und einen Tannenbaum. Bunt ausgestattete Engel sind damals beliebte Motive für Weihnachts-, Oster- und Pfingstkarten.

Auch das Weihnachtsmann-Motiv wurde, wie die Postkarte von Elise Fricke vom 24. Dezember 1908 zeigt, für Grußkarten in der Kaiserzeit gewählt. Der Weihnachtsmann, irgendwie abgeleitet vom Nikolaus, in einem prächtigen Mantel, schüttet aus einem gefüllten Sack Geschenke vor den Kindern aus. Die blumenbekränzten Mädchen sammeln sie in einem Körbchen und in ihrem weiten Kleidchen. Da bleibt für viele Kinder ein Problem: Wer bringt denn nun die Weihnachtsgeschenke, das Christkindchen oder der Weihnachtsmann?

Wald und Natur

Auch der winterliche Wald gehört zu einem fröhlichen Weihnachtsfest. Eine Postkarte von 1909 mit Schlittenpartie in der Natur signalisiert Weihnachtsstimmung. Zusätzlich feiern, verborgen unter den Wurzeln alter Bäume, Zwerge Weihnachten. Motive aus Märchen und Sagen werden in die weihnachtliche Gefühlswelt ebenfalls gerne einbezogen.

Links: Liebreizend: Wilhelm Hamelmann aus Lüttich schickte diese Karte 1914 an Minna in Löhne. Rechts: Nationale Gefühle prägen diesen Weihnachtsgruß, abgesandt im zweiten Kriegsjahr 1915. Fotos: Sammlung Stuke

Es gab auch Weihnachtskarten mit erotischem Unterton, wie eine Karte aus dem Jahr 1914 zeigt. Sie hat eine französische Beschriftung und zeigt ein hübsches Mädchen mit Blumenstrauß. Diesen Gruß schickte Wilhelm aus Lüttich während des Weltkriegs an Minna in Löhne. Die Postkarte wurde also in Belgien gekauft. Wie viele Träume eines einsamen Soldaten verbergen sich dahinter?

Der Erste Weltkrieg

Ganz anders gelagert ist eine weitere Karte aus Kriegszeiten. Hermann Gehb sandte sie 1915 von Berlin aus zu seinem Freund Franz Schröder nach Hiddenhausen. Es ist das zweite Kriegsjahr, der Nationalismus hat sich des Weihnachtsgrußes bemächtigt. Das Schwarz-Weiß-Rot der Fahne steht für das Kaiserreich, Schwarz-Gelb für Österreich-Ungarn.

Jede Karte steckt voller Symbolik, sehr unterschiedliche Aspekte werden mit dem Weihnachtsfest – besser mit dem Weihnachtsgefühl – verknüpft. Damals wie heute. Auch in der Kaiserzeit stand der christliche Hintergrund nicht unbedingt im Mittelpunkt. Die Karten zeugen von einem deutlich emotionalen Zugang zum Fest, von der heutigen Konsumorientierung ist noch wenig zu merken.

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