Do., 08.02.2018

Winterliche Foto-Impressionen von Gut Bustedt – 1987 waren es 27 Grad minus Als der Brandbach zur Kaskade gefror

Der Winter kann auf Gut Bustedt bizarre Formen annehmen: Im Januar 1987 gefror das Wasser des Brandbaches bei -27 Grad Celsius am Wehr zu einer Eiskaskade.

Der Winter kann auf Gut Bustedt bizarre Formen annehmen: Im Januar 1987 gefror das Wasser des Brandbaches bei -27 Grad Celsius am Wehr zu einer Eiskaskade. Foto: Sammlung Stuke

Von Hermann Stuke

Hiddenhausen (WB). Endlich ist der Winter da. Es friert, die Sonne scheint und ein zarter Hauch von Schnee liegt auf den Dächern von Gut Bustedt. So zaghaft wie in diesem Jahr, war Väterchen Frost nicht immer unterwegs. Ein Blick ins Archiv zeigt, welche Eis- und Schneemengen das Gut in früheren Jahrzehnten tragen musste.

Frost, Schnee und Eis können vor allem Autofahrern viel Verdruss bereiten. Es gibt aber auch echte Winterfreuden: die dicke Schneedecke, die alle Geräusche seltsam dämpft, eine weiße Glitzerwelt, ein behaglich weicher Untergrund, über den ein Schlitten federleicht hinweggleitet. Die alten Fotos vom Gut Bustedt und seiner Umgebung erzählen eher von dieser Seite des Winters.

Es muss ein schöner Anblick gewesen sein: Der ganze Innenhof von einer dicken weißen Decke überzogen. Vier Generationen der Familie Stockhaus haben sich darauf zum Foto platziert: Hermann Stockhaus (geboren 1843), sein Sohn Wilhelm Stockhaus, dessen Sohn Emil und der Jüngste, Horst (geboren 1937), hier zwei Jahre alt. Das Foto muss also 1939 entstanden sein. Für den Jüngsten gibt es einen Schlitten, für den Ältesten einen Korbsessel.

Vier Generationen lassen sich 1939 im Schnee ablichten: Hermann Stockhaus, Sohn Wilhelm, Enkel Emil und der Jüngste, Horst. Foto: Sammlung Stuke

Gutsherrengeist schwingt mit

Hermann Stockhaus war Pächter des Gutes seit etwa 1900. Am 30. März 1942 stirbt er. Im Totenbrief der Familie ergänzt der Besitzer des Gutes Bustedt die Mitteilung der Familie mit den Worten: »Auch wir betrauern den Tod dieses allzeit Getreuen herzlich – Friedrich, Graf zu Solms, Freiherr von Eller-Eberstein.« Da schwingt noch ein wenig vom alten Gutsherrengeist, wohl auch vom Zeitgeist mit. Sohn, Enkelsohn und Urenkel führten den Betrieb weiter, bis das Biologiezentrum eingerichtet wird.

1939 war es noch üblich, die Milch vom Gut an die Enger Straße (jetzt Löhner Straße) zu bringen. Dort wurde sie vom Lkw der Molkerei abgeholt. Ein Foto zeigt den kleinen Horst, der sich auf dem mit Milchkannen beladenen Schlitten ziemlich wohl zu fühlen scheint.

Blick durch den Torbogen

Zwei weitere winterliche Fotos entstanden 1952. Friedrich Siekmann aus Hiddenhausen, kurze Zeit verheiratet, fühlte sich durch den historischen Rahmen des Gutes Bustedt in winterlichem Weiß angeregt, seine junge Frau in idyllischer Umgebung abzulichten. Das erste wirft einen Blick durch den Torbogen in Richtung der alten Wassermühle. Die Zufahrt zum Gut konnte damals noch mit einem Tor verschlossen werden.

1952 fotografierte Friedrich Siekmann seine Frau am Tor des verschneiten Gutes. Foto: Sammlung Stuke

Das zweite erinnert daran, dass die Gräfte von der Familie Stockhaus wirtschaftlich genutzt wurde. Bei Frostwetter konnten die Wasserflächen betreten werden, um das Schilf zu mähen und zusammenzubinden. Der Größenvergleich mit Frau Siekmann zeigt, welche Länge die Schilfpflanze erreichte. Das Schilf wurde nach Rahden verkauft, um Rieddächer damit einzudecken.

Minus 27 Grad Celsius

In vielen alten Häusern in Hiddenhausen gibt es noch Schilfdecken. Das Schilf wurde an den Holzbalken festgenagelt und dann mit einem Putz überzogen.

Das jüngste Winterfoto wurde im Januar 1987 gemacht. Bei minus 27 Grad gefror das Wasser des Brandbaches zu einer prächtigen Eiskaskade. Der alte Mühlenteich war zuvor zugeschüttet worden. Westlich davon wurde ein neuer Stauteich angelegt. Eine etwa vier Meter hohe Mauer staute den Brandbach auf, dessen Wasser dann mit lautem Getöse in die Tiefe schoss. Hier entstand das Foto.

Der Teich verlandete

Die Wasserbauer hatten allerdings nicht bedacht, dass die Sedimente des Baches diesen Teich in wenigen Jahren verlanden lassen würden. Der Schlamm wurde einige Male ausgepumpt. Dann fand sich eine bessere Lösung, die man heute sehen kann. Man überließ den Teich sich selbst. Er verlandete. Das Wasser wird seitlich an der Staumauer vorbei mit sanfterem Gefälle nach unten geführt.

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