Mi., 14.02.2018

Manager Jochen Schmitt beschreibt in seinem Buch die Talfahrt der Herforder Brauerei Ex-Brauerei-Manager: »In zehn Jahren zum Krisenfall«

Jochen Schmitt war von 1986 bis 1998 Geschäftsführer im Bereich Marketing bei der Herforder Brauerei. In seinem Buch »Der Jaust« beschreibt der Ex-Manager die Talfahrt des einst erfolgreichen Unternehmens in Sundern.

Jochen Schmitt war von 1986 bis 1998 Geschäftsführer im Bereich Marketing bei der Herforder Brauerei. In seinem Buch »Der Jaust« beschreibt der Ex-Manager die Talfahrt des einst erfolgreichen Unternehmens in Sundern. Foto: Koteras-Pietsch

Von Karin Koteras-Pietsch

Hiddenhausen (WB). Vor zwei Wochen ist bekannt geworden, dass die Warsteiner Gruppe, zu der die Herforder Brauerei gehört, einen Kooperationspartner oder Käufer für das Unternehmen in Sundern sucht. Jetzt erscheint im Husumer Ihleo-Verlag ein Buch von Jochen Schmitt. In »Der Jaust« plaudert der Ex-Brauerei-Manager aus dem Nähkästchen – unter anderem auch aus dem Sunderaner.

Schmitt war bei diversen Brauereien in leitenden Funktionen tätig, so unter anderem bei der König-Brauerei Duisburg, bei der Privatbrauerei Rolinck Steinfurt und als Sprecher der Geschäftsführung der zur Radeberger Gruppe gehörenden Berliner Brauereien mit den Marken Berliner Pilsner, Schultheiss und Berliner Kindl. Von 1986 bis 1998 war er Geschäftsführer Verkauf/Marketing bei der Herforder Brauerei Felsenkeller.

2007 hatte die Warsteiner Gruppe die Herforder Brauerei übernommen. Der Standort Hiddenhausen sei in der jetzigen Form wirtschaftlich nicht mehr tragbar, hieß es Anfang Februar aus Warstein. Schmitt schreibt in seinem Buch, dass es bereits bei seinem Dienstantritt 1986 mit dem Ausstoß der Brauerei nicht mehr vorangegangen sei. Als Gründe nennt er zunehmenden Wettbewerb oder den Weggang des Braumeisters. Durch etliche Marketingmaßnahmen habe ein Ausstoßrückgang gestoppt werden können. Herforder sei sogar die Lieblingsmarke von Gerhard Schröder gewesen. Der Ex-Bundeskanzler sei bei einem Treffen mit Schmitt im Jahr 1988 voll des Lobes für das Bier gewesen.

Kneipen-Oskar und Glas des Jahres

Bei seinem Start in Ostwestfalen erlebte Manager Schmitt die Herforder Brauerei als »Hektolitermillionär«, wie er sie nannte. Für mehrere Hundert Mitarbeiter sei die Brauerei ein bedeutender Arbeitgeber und in der Stadt Herford wie in der Region eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Institution gewesen.

Der Autor erzählt vom Wettbewerb »Herforder Preis«, auch »Kneipen-Oskar« genannt, vom möglichen Aufstieg des Bieres in die Klasse der so genannten Premiumbiere oder vom neu entwickelten Herforder Pils-Glas, das den Preis »Glas des Jahres« gewann. Mitte der 90er Jahre, so beschreibt es Schmitt, seien Probleme aufgetreten, die die Zusammenarbeit in der Geschäftsführung belastet hätten. Neben Schmitt waren Bernd Uekermann (Einkauf und Personal) und Karl Fordemann (Technik) Geschäftsführer der Brauerei. »Die Zusammenarbeit in der Geschäftsführung wurde zusehends schwieriger, was besonders auch für das Verhältnis zwischen mir und dem Kollegen Bernd Uekermann galt«, schreibt Schmitt. Er schildert Uekermann als einen »skeptischen, häufig schlecht gelaunten und Neuerungen und Veränderungen gegenüber oftmals überkritischen Kollegen.« Er könne sich nicht erinnern, »dass in all den Jahren eine neue Idee oder Initiative bei ihm jemals lebhaftes Interesse, spontane Zustimmung oder gar Begeisterung ausgelöst hätte«.

Unstimmigkeiten in der Geschäftsführung

1997 sei das Jahr gewesen, als die Unstimmigkeiten in der Geschäftsführung weiter zugenommen hätten. Die Entwicklung sei eskaliert, als Uekermann von Schmitt die Entlassung eines leitenden Mitarbeiters erwartet habe. »Als ich die Entlassung ablehnte, war seine Antwort: ›Dann haben wir Krieg.‹«, schildert Schmitt in seinem Buch. Dieser »Krieg« endete damit, dass Schmitt »von Bord gehen musste«.

»In den folgenden Jahren«, so ist in Schmitts Buch weiter zu lesen, »brachten anhaltende Absatzverluste und Ertragseinbußen die Brauerei in immer größere Bedrängnis und schließlich in existenzielle Nöte.« 2002 habe eine Zeitung über die schwierige wirtschaftliche Situation der Brauerei und vom geplanten Abbau eines Drittels ihrer 300-köpfigen Belegschaft berichtet.

Geschäftsführer 2002 abberufen

Wie einer der Gesellschafter Schmitt später berichtet habe, seien Fordemann und Uekermann, »gefördert durch die Erkenntnis, dass die beiden Cousins nicht miteinander konnten, im Oktober 2002 von den Gesellschaftern abberufen worden«.

»Auch unter der Regie der auf zwei externe Manager reduzierten Geschäftsführung setzte sich die Talfahrt der Brauerei jedoch fort. 2007 wurde das Unternehmen, nur noch etwa halb so groß wie zu besten Zeiten, an die Warsteiner Gruppe verkauft. Nach dem langen Erfolgsweg der 1878 gegründeten Brauerei war das Unternehmen innerhalb von nur zehn Jahren zum Krisenfall und Übernahmekandidaten geworden«, ist in dem Buch zu lesen.

»Der Jaust« erscheint am 15. Februar

»Der Jaust« (Lausbube) ist die Biografie von Manager Jochen Schmitt. Der heute 76-Jährige wurde Anfang 1970 mit gerade mal 27 Jahren Leiter einer Baustoff-Abteilung mit 70 Mitarbeitern und 20 Millionen Mark Jahresumsatz. Mit 31 Jahren wurde er Verkaufsdirektor der König- Brauerei, Duisburg. Es folgten weitere Stationen und Jochen Schmitt wurde Autor. Sein jüngstes Werk »Der Jaust« wird morgen, Donnerstag, 15. Februar, in Steinfurt präsentiert. Zu haben ist das Buch »Der Jaust – Erinnerungen eines Erfolgsmanagers« für 9,95 Euro im Buchhandel oder direkt beim Ihleo-Verlag in Husum.

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