Mi., 28.02.2018

Bogenbau im Hiddenhauser Holzhandwerksmuseum – aus Vorführung wird Workshop Auf den Spuren von Robin Hood

Am Tillbrett lässt sich anhand der Biegung des Werkstücks erkennen, welche Stellen noch zu bearbeiten sind.

Am Tillbrett lässt sich anhand der Biegung des Werkstücks erkennen, welche Stellen noch zu bearbeiten sind. Foto: Daniela Dembert

Von Daniela Dembert

Hiddenhausen (WB). Eigentlich wollte Benno Potthast nur zeigen, wie’s geht. Aber als am Sonntag vier Jungen voller Tatendrang im Holzhandwerksmuseum vor ihm standen, hat sich der Hobby-Bogenbauer kurzerhand dazu entschieden, aus seiner Vorführung einen Workshop zu machen.

Bis in den späten Nachmittag stand für die Teilnehmer Abziehen, Hobeln, Raspeln, Schleifen und immer wieder Kontrollieren des Werkstücks auf dem Programm. Aus Haselnussholz schnitzte jeder seinen eigenen Bogen. Anleitung gab es vom Fachmann, Hilfestellung für müde gewordene Arme leisteten zwischendurch die Eltern.

»Ich selbst verbaue auch andere Hölzer«, sagte Potthast mit Blick auf die Bogen, die er zur Ansicht mitgebracht hatte, und ergänzt: »Aber für Kinderbogen ist Haselnuss ein gutes Material, weil es biegsam ist, sich leicht bearbeiten lässt und nur wenig Aststellen hat.«

So wie einst Robin Hood

Tristan von Dallwitz hat sofort Feuer gefangen: »Das macht richtig Spaß. Ich habe das noch nie gemacht und dachte erst, wir dürften nur zuschauen.« Jetzt arbeitet der Zehnjährige an seinem eigenen Bogen – so wie einst Robin Hood.

Den etwa körperlangen Weidenast befreit er zunächst von Rinde und bearbeitet ihn mit einem Abzieh-Eisen so lange, bis das Holz schmal und biegsam ist. »Die Grifffläche darf nicht genau auf der Mitte der Bogenlänge sein, der untere Teil muss länger sein. Sonst wird es anstrengend, ihn zu halten«, erzählt Tristan.

An den Enden des Bogens werden mit Hilfe einer Raspel Kerben gesetzt, in die später die Sehne eingehängt werden soll. Immer wieder werden die Werkstücke über das Tillerbrett gezogen. An der leichten Biegung, die sie unter Zug bekommen, ist gut zu erkennen, wo noch Material abgetragen werden muss, um eine Gleichmäßigkeit zu erzielen.

Bogenbaukurs zum 30. Geburtstag

Für die Workshop-Teilnehmer gibt es kleine Pausen an frischer Luft. Mit Bogen, die Benno Potthast mitgebracht hat, darf auf ein Gummiwildschwein geschossen werden. »Ich schieße selber gern im 3D-Parcours auf lebensgroße Wildtier-Attrappen«, erzählt der Workshop-Leiter. Noch lieber allerdings baue er an den hölzernen Schusswaffen.

Angefangen habe alles mit einem Geburtstagsgeschenk, blickt der 57-Jährige zurück: »Zum 30. Geburtstag habe ich von meiner Frau einen Bogenbaukurs geschenkt bekommen. Etwas später habe ich dann richtig mit dem Bogenbau angefangen.«

Jürgen Kelle vom Holzhandwerksmuseum bemerkt: »Die Kinder sind mit Eifer dabei. So funktioniert ein Museum zum Anfassen.«

Die nächste Ausstellung beginnt am 11. März. Bis zum 29. April werden historische Herforder Straßenzüge als 1:100-Modelle zu sehen sein. Dann können Besucher auch einen Blick auf die Dauerleihgaben aus dem Nachlass des Drechslers Fritz Burghof werfen, die in einer Vitrine im Holzhandwerksmuseum ihren Platz gefunden haben.

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