Mi., 16.05.2018

Streit im Vorstand – Chorleiter im März zurückgetreten – geplante Konzerte finden statt Stehen die Binnenschiffer vor dem Aus?

Es ist unklar, wie es mit den Binnenschiffern weitergeht: Bereits im März ist Hermann Bergmeier als Chorleiter zurückgetreten, nachdem er sich mit Schriftführer Rolf Siekmann zerstritten hatte.

Es ist unklar, wie es mit den Binnenschiffern weitergeht: Bereits im März ist Hermann Bergmeier als Chorleiter zurückgetreten, nachdem er sich mit Schriftführer Rolf Siekmann zerstritten hatte. Foto: Thomas Meyer

Von Jan Gruhn

Hiddenhausen (WB). Steht der Shanty-Chor Die Binnenschiffer vor dem Aus? Bereits Mitte März hat es zwischen dem mittlerweile zurückgetretenen Chorleiter Hermann Bergmeier und Schriftführer Rolf Siekmann gekracht. Nun versucht Vorsitzender Friedel Stockhecke (77), die Scherben zusammenzukehren.

Mit Tränen in den Augen habe seine Ehefrau vor drei Wochen gesagt: »Friedel, ich glaube unser Kind geht den Bach runter.« 25 Jahre lang war Stockhecke Chorleiter und Vorsitzender in Personalunion. Im September hatte er den Taktstock an Bergmeier weitergeben. Neun Monate später ist ungewiss, ob es den Chor am Ende dieses Jahres überhaupt noch gibt.

»Da streiten sich zwei Querköpfe«

Was war passiert? Während der Vorbereitungen für die Frühjahrskonzerte hatten sich laut Stockhecke Chorleiter Bergmeier und Siekmann so tief zerstritten, dass Bergmeier seinen Rücktritt verkündet hatte. »Die Details des Streites sind so banal, dass es sich gar nicht lohnt, sie auseinanderzupflücken«, erklärt Stockhecke.

Kommentar

Der Shanty-Chor ist eine Institution, die weit über den Kreis Herford hinaus bekannt ist. So etwas darf nicht aufgrund von persönlichen Eitelkeiten weggeworfen werden. Wenn den Beteiligten die Musik wirklich am Herzen liegt, dann müssen sie sich so lange an einen Tisch setzen, bis eine konstruktive Lösung gefunden ist. Ja, das ist anstrengend. Und mitunter leidet der eigene Stolz darunter. Aber das Publikum wäre dafür unendlich dankbar. Jan Gruhn

Dem Vernehmen nach soll es unter anderem um die musikalische Ausrichtung gegangen sein. Im Grunde handele es sich aber um einen persönlichen Konflikt. »Das Fazit der Chormitglieder ist: Da streiten sich zwei Querköpfe – und alle müssen darunter leiden«, sagt Stockhecke.

Der Vorsitzende betont allerdings: Die bereits geplanten Auftritte, wie zum Beispiel auf dem Herforder Hoekerfest oder auf der Reise nach Berlin am kommenden Wochenende, werden stattfinden. Bis in den Herbst hinein reichen die Engagements, bei denen die Binnenschiffer zugesagt haben. Dabei werde der zurückgetretene Bergmeier als Gastchorleiter zur Verfügung stehen.

Gerüchte über Abstimmung »absolut unwahr«

Zurzeit gehe ein tiefer Riss durch den Chor, erläutert Stockhecke. Kürzlich habe es deshalb eine Krisensitzung ohne die Streitparteien gegeben. Das Gerücht, es habe eine Abstimmung »für oder gegen einen Mitstreiter« gegeben, erklärt Stockhecke für »absolut unwahr«. Alle seien sich einig, dass es mit den Binnenschiffern weitergehen soll und muss.

Doch noch sieht die Zukunft düster aus: Spätestens im Juli müsse es eine Entscheidung geben, erklärt Stockhecke. »Dann gehen die ersten neuen Anfragen für die Weihnachtszeit ein.« Allerdings sehe es nicht so aus, als könne die Kluft zwischen Ex-Chorleiter und Schriftführer geschlossen werden.

Vorsitzender der Binnenschiffer: Friedel Stockhecke. Foto: Jan Gruhn

»Ich gebe mir auch selbst ein wenig die Schuld«, bekennt Stockhecke. Er hätte seinen Abgang als Chorleiter besser vorbereiten müssen. Zudem hätte in den vergangenen Monaten zusätzliche Unsicherheit geherrscht, nachdem der 77-Jährige eigenen Angaben zufolge seinen gänzlichen Rückzug angedeutet habe. »Ich werde jetzt alles versuchen, um den Chor zusammenzuhalten.« Dabei sei er auch zu Kompromissen bereit.

Hilft ein Machtwort?

Ob er ein Mann für ein Machtwort ist? »Ja, das bin ich.« Ob das in so einer Situation auf fruchtbaren Boden fällt, ist allerdings unklar. Eine Möglichkeit für die Zukunft wäre, dass ein Teil der Binnenschiffer unter neuem Namen eine neue Gruppe aufbauen könnte. »In diesem Fall wäre ich auch bereit, zu helfen«, sagt Stockhecke.

Durch seine langjährige Arbeit habe er schließlich viele Kontakte in der Shanty-Szene. Aber die Priorität sei es derzeit noch, die Binnenschiffer aufrecht zu erhalten.

Die Seniorenfeier beim Heimatverein Eilshausen am 20. Oktober, so steht es auf der Chor-Homepage, ist der vorerst letzte geplante Auftritt. Fragt man nach seinem derzeitigen Gefühl, dann könnte das für Stockhecke das letzte Kapitel »seiner« Binnenschiffer sein. Aber Aufgeben? »Nein, das will ich noch nicht.«

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