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Do., 07.12.2017

Gasthof zum Eichenkrug schließt nach 143 Jahren seine Pforten Das letzte Bier wird gezapft

Ursula und Kurt Schwarze schließen am Abend des 8. Dezembers den Gasthof zum Eichenkrug. Seit Jahrzehnten hat das Ehepaar den Gasthof betrieben. Er stand hinter dem Tresen, sie war unter anderem für die Küche zuständig.

Ursula und Kurt Schwarze schließen am Abend des 8. Dezembers den Gasthof zum Eichenkrug. Seit Jahrzehnten hat das Ehepaar den Gasthof betrieben. Er stand hinter dem Tresen, sie war unter anderem für die Küche zuständig. Foto: Hilko Raske

Von Hilko Raske

Kirchlengern (WB). Das letzte Bier wird am Freitag, 8. Dezember, gezapft. Dann schließt der Gasthof zum Eichenkrug an der Hüllerstraße in Häver für immer seine Pforten. Damit geht ein Stück Ortsgeschichte zu Ende, das 1874 seinen Anfang nahm. Seit vier Generationen befindet sich das Gasthaus nämlich in Familienbesitz.

Für das Wirtsleute Kurt Schwarze (79) und Ehefrau Ursula (80) ist es ein Abschied mit einem weinenden und lachenden Auge. Immerhin hat der Eichenkrug ihr Leben geprägt. Aber nun sei man in einem Alter, wo man doch den Ruhestand genießen wolle, sagt Ursula Schwarze. Ihr Urgroßvater Heinrich Sundermeier war es, der vor 143 Jahren den Gasthof bauen ließ.

Gasthof, Bäckerei, Lebensmittelladen und Kohlehandlung

Damals allerdings gehörten dazu ein Kolonialwarenladen, eine Kohlehandlung, eine Bäckerei und der Flachsverkauf – also alles, was man auf dem Dorf eben so braucht. Das ursprüngliche Gebäude steht jedoch nicht mehr, erzählt Ursula Schwarze. »Als mein Vater 1945 aus dem Krieg zurückkam, wurde es abgerissen und alles neu gebaut.« Als ihr Großvater – er hieß ebenfalls Heinrich Sundermeier – 1961 einen Schlaganfall erlitt, sei man von Kirchlengern in den Gasthof gezogen. Zu dieser Zeit müssten auch die beiden Eichen gepflanzt worden seien, die noch heute den Eingang einrahmen. »Seitdem ich 15 war, habe ich immer zuhause mitgeholfen und gearbeitet«, erinnert sich die 80-Jährige. Vor 53 Jahren heiratete sie dann Kurt Schwarze. »Vorher habe ich zwar nicht in der Gastronomie gearbeitet – mir war aber immer klar, dass ich hier dann einsteige«, so der Ehemann. 1973 übernahm das Ehepaar. Zu diesem Zeitpunkt gehörte auch eine Tankstelle dazu. »Erst war es Texaco, später dann Dea.« Während sie für die Küche zuständig war, stand Ehemann Kurt hinter dem Tresen. Allerdings gehörten auch der Kohlenhandel und die Tankstelle zu seinen Pflichten. Anfangs habe man auch an allen Tagen ab 10 Uhr geöffnet gehabt – »Urlaub kannten wir damals nicht.«

Früher mehr Menschen in der Dorfkneipe

»Damals kamen noch weitaus mehr Menschen in die Dorfkneipe«, erzählt Kurt Schwarze. Nach der Arbeit ging es für viele erst einmal in den Eichenkrug. »Ein oder zwei Bier, dazu Wacholder. Und dann erzählten die Gäste, was sie so erlebt hatten, welche Probleme sie hatten.« Zudem gab es Gästezimmer. »Das waren zumeist Monteure und Handelsreisende. Einer kam bis zu acht Mal im Jahr aus Osnabrück, blieb immer für drei Tage. Der wollte abends immer ein großes Bier, rauchte seine Zigarre und ließ sich immer ein Rührei mit Zwiebeln auf Toast servieren«, erzählt Ursula Schwarze.

Ort vieler gesellschaftlicher Veranstaltungen

Der Eichenkrug war auch Ort vieler gesellschaftlicher Veranstaltungen. »Der Reiterball und Bauernball wurden hier veranstaltet, Familienfeste fanden hier statt, die Segler, Kegler, der Turnverein Häver und die meisten Parteien haben sich bei uns getroffen.« Und natürlich die Schützengesellschaft Kirchlengern. Die Schützen ließen sich im Eichenkrug jahrzehntelang zwischen Weihnachten und Neujahr Heringe munden. »Das nahm 1956 seinen Anfang. Mein Mutter bereitet zwischen 300 bis 350 Heringe vor, etwa 90 Schützen – alles nur Männer – nahmen in den ersten Jahren daran teil«, sagt Ursula Schwarze. Genauso beliebt seien ihre Schweinshaxen gewesen. »Allein in diesem Jahr habe ich 120 Stück davon gemacht.«

Einen Nachfolger haben die Schwarzes nicht. Sohn Torsten verunglückte 1998 tödlich. Er hatte die entsprechende Ausbildung gemacht, war unter anderem im Berggasthof Wilhelmshöhe und im Restaurant Wittekindsquelle tätig gewesen und wollte den Eichenkrug unbedingt weiterführen. Für das Ehepaar Schwarze war das ein schwerer Schlag.

Gasthof verkauft

Das Gebäude habe man nun verkauft, informiert Kurt Schwarze. »Wir wissen nicht, was daraus wird – aber bestimmt kein Gasthof. Vielleicht private Wohnungen.« Das Ehepaar selber will nun jedenfalls noch Bünde an die Wasserbreite ziehen.

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