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Sa., 02.09.2017

Claus-Martin Bartelheimer entwickelt spezielles Exemplar für schwer erkrankten Patienten Riesenschuh für mehr Lebensqualität

Claus-Martin Bartelheimer, Orthopädie-Schuhtechnikermeister, zeigt den Riesenschuh, der in seinem Betrieb angefertigt wird und an dem noch die Keilsohle fehlt, im Vergleich zu einem Schuh für Erwachsene in normalen Maßen und einem Kinderschuh.

Claus-Martin Bartelheimer, Orthopädie-Schuhtechnikermeister, zeigt den Riesenschuh, der in seinem Betrieb angefertigt wird und an dem noch die Keilsohle fehlt, im Vergleich zu einem Schuh für Erwachsene in normalen Maßen und einem Kinderschuh. Foto: Sonja Gruhn

Von Sonja Gruhn

Löhne  (WB). So, wie es sehr große Menschen gibt, gibt es auch sehr große Schuhe. Deshalb ist ein Schuh selbst in Größe 51 für den Löhner Orthopädie-Schuhtechnikermeister Claus-Martin Bartelheimer eigentlich keine Besonderheit. Doch der Schuh, den er derzeit herstellt, hat mit einer Länge von 35 Zentimetern und einer Breite von 17,5 Zentimetern außergewöhnliche Maße.

Die Orthopädie-Schuhtechnik Bartelheimer an der Königstraße fertigt seit mehr als 20 Jahren orthopädische Maßschuhe. Einen solchen Auftrag hatte der Betrieb jedoch noch nie auf dem Tisch. Und auch der Vorlieferant, der die Lederschäfte nach Maß und Kundenauftrag fertigt, habe unter mehreren 10 000 Paar Schuhen noch keinen vergleichbaren Schaft hergestellt. Doch dieses Mal gilt es, einen besonderen Patienten zu versorgen.

Schaft muss in der Weite verstellbar sein

»Es handelt sich um einen 52-jährigen Mann, der an Diabetes Typ 2 leidet und neben Übergewicht inzwischen jede Menge Folgeerkrankungen hat«, sagt Claus-Martin Bartelheimer. Eine davon sei ein Nierenschaden, durch den sich Wasser besonders in dem rechten Bein staut. Deshalb muss beispielsweise der Schaft des stiefelähnlichen Schuhs mit Klettband weitenverstellbar sein. Click-Verschlüsse sorgen für leichtere Handhabung nach der Einstellung. »Das Wasser ist aber nur ein Teil des Problems«, sagt der Inhaber des Fachgeschäftes.

Poröse Knochen benötigen Unterstützung

»Durch die Krankheit werden die Knochen übermäßig durchblutet und die Stoffe, die sie versorgen, werden ausgeschwemmt, so dass die Knochen porös werden.« Der Patient leide an einer sogenannten Diabetischen Osteoarthropathie (DOAP). »Die Therapie dafür ist eine Ruhigstellung, eigentlich durch einen Gips«, sagt Bartelheimer. Dies gestalte sich aber einerseits durch den wechselnden Umfang des Unterschenkels als auch durch eine mit dem Krankheitsbild einhergehende Neuropathie, die ein eingeschränktes Empfinden für Druck und Schmerz zur Folge hat, schwierig.

»Der Gips müsste alle zwei Wochen abgenommen werden. Doch ist beim Anlegen schon an einem Zeh Druck entstanden, kann er stark geschädigt werden, ohne dass der Patient das bemerkt.« In solchen Fällen werde eine aus zwei Teilen bestehende Orthese aus Carbon angepasst, die auch dieser Patient bereits hatte. Doch für den wechselnden Umfang des Unterschenkels zwischen 48 und 66 Zentimeter war dies keine Lösung.

Carbon-Orthese mit Polstern wird eingesetzt

Deshalb entwickelte Bartelheimer einen Schuh, der im Schaft verstellbar ist. »Auch dort wird eine Carbon-Orthese eingesetzt. Dazu fertigen wir noch Polster in verschiedenen Größen, also dickere und dünnere, an«, sagt der Fachmann. An dem Schaft des Lederschuhs, der im fertigen Zustand etwa 2,5 Kilogramm wiegen wird, ist im Wadenbereich außerdem ein elastisches Neopren-Polster eingesetzt, um Abschnürungen zu vermeiden.

Aber auch damit ist es nicht getan, denn während die Länge des Schuhs noch im Rahmen ist, fällt besonders das Volumen auf. »Der Patient hat einen Charcot-Fuß. Normalerweise hat ein Fuß ein Gewölbe. Dieses ist bei dem Mann aber nach unten durchgebrochen«, sagt Bartelheimer. Dabei handelt es sich ebenfalls um eine typische Folgeerkrankung bei Diabetikern. Entsprechend benötigt der Schuh ein gewisses Volumen.

Aufbau des Schuhs ist eine Herausforderung

»Es ist schon eine Herausforderung, eine Strategie für den Aufbau und eine Kalkulation für das Material zu erstellen«, sagt Bartelheimer. Mehr als 3000 Euro wird das Paar Schuhe, von dem der linke wesentlich schlanker ausfällt, die Krankenkasse kosten.

»Ohne diesen Schuh kann der Patient keinen Schritt laufen. Er wird auch noch ein Paar spezielle Badeschuhe zum Schwimmengehen bekommen.« Eine weitere Herausforderung für den Fachmann.

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