Fr., 29.12.2017

Marianne Heppner aus Löhne-Ort versteht sich auf das ostwestfälische Traditionsgericht Bei ihr gibt es das »Pickert-Diplom«

Marianne Heppner backt für ihr Leben gern Pickert: Sie serviert ihn gern mit Butter, Leberwurst und Rübenkraut. Gruppen können bei ihr auch das »Pickert-Diplom« ablegen.

Marianne Heppner backt für ihr Leben gern Pickert: Sie serviert ihn gern mit Butter, Leberwurst und Rübenkraut. Gruppen können bei ihr auch das »Pickert-Diplom« ablegen. Foto: Andrea Berning

Von Andrea Berning

Löhne (WB). »Kannste essen«, das höchste Lob eines Westfalen für ein leckeres Gericht, hat Marianne Heppner schon oft für ihren Pickert erhalten. Die Löhnerin, die ihr Leben lang in der Gastronomie gearbeitet hat, backt das traditionelle Gericht bis heute einmal in der Woche in der Gaststätte ihres Bruders: Immer montags ist sie im Bielefelder Seekrug am Obersee.

Dort, in einem schönen Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert, ist der Pickert so gefragt, dass es ihn stets mit mehr als zwölf verschiedenen Beilagen auf der Karte gibt. Das geht, weil der Pickert so »vielseitig einsetzbar ist«, wie die 70-Jährige findet:

»Servieren kann man ihn sogar mit Tomatensauce, wie Pizza oder mit Ananas, à la Hawaii«, sagt sie. Von Spanferkel mit Sauerkraut bis zu Spargel oder Grünkohlhaube – das ländliche Gericht, das früher auf den Bauernhöfen der Region aus den Kartoffeln zubereitet wurde, schmeckt stets.

Gehaltvolles Essen mit gut 600 Kalorien

Allerdings war es ja für die körperlich hart arbeitende Menschen gedacht, und ist daher mit gut 600 Kalorien kein Essen für Menschen, die gerade Diät halten. Und die Beilagen kommen ja noch dazu: Marianne Heppner selbst serviert gern die Kombination von Butter, Leberwurst und Rübenkraut – und die ist auch gehaltvoll.

Kartoffeln und Mehl, Milch, Eier und Backpulver oder Hefe – exotische Zutaten sind für den Pickert nicht notwendig. Das lernen auch die Teilnehmer, wenn Marianne Hepp­ner im Schildescher Seekrug zum »Pickert-Diplom« einlädt, einem beliebten Termin für Gruppenausflüge oder für Gäste zu runden Geburtstagen.

Die begeisterte Köchin aus Löhne-Ort, die auch gut Geschichten erzählen kann, schlägt dann bei den Treffen einen weiten Bogen: Sie berichtet Wissenswertes über die Kartoffel, die der »Alte Fritz« zum Volksnahrungsmittel machte, und erzählt eine gute Stunde lang auf unterhaltsame Weise Dönekes rund um das Traditionsgericht. Dann dürfen die Teilnehmer selbst Kartoffeln schälen und reiben – und gerne mal die Frauen gegen die Männer antreten.

Zum Kochunterricht gibt es ostwestfälischen Wortschatz gleich dazu

Ob dicker Hefepickert oder dünnerer Lappenpickert, der mit Backpulver erstellt wird: Wenn Marianne Heppner mit den Teilnehmern auch noch den ostwestfälischen Wortschatz (von »Kohldampf« bis »Dölmer«) aufgefrischt hat, darf am großen Buffet der Pickert mit allen Zutaten gekostet werden, die ihn so lecker machen. Den hat allerdings das Seekrug-Team gebacken.

Die von den Teilnehmern geschälten Kartoffeln dürfen für den Pickert nicht verwendet werden, denn das erlaubt der Gesetzgeber nicht. An der Zubereitung hat Marianne Heppner lange gefeilt. Bevor sie vor 18 Jahren anfing, ihren Bruder zu unterstützen, kam die Spezialität aus einer Pickertfabrik in Schildesche. Als diese schloss, mussten die Gastronomen selbst herausfinden, wie das Gericht am besten gelingt.

Pickert wird nach alter Tradition in der Eisenpfanne gebacken

Nicht zu verwechseln ist der Pickert mit Reibekuchen, denn der enthält kein Mehl. Woher das Wort Pickert stammt, kann man nur vermuten. Wahrscheinlich leitet es sich vom plattdeutschen »pecken« ab, was sich mit kleben oder ankleben übersetzen lässt. In der Regel wurde der Pickert auf der heißen Herdplatte gebacken, und wenn die Platte nicht heiß genug war, »peckte« er eben an.

Im Seekrug wird der Pickert nach alter Tradition in schweren Eisenpfannen gebacken. »Es geht aber auch zu Hause in der eigenen Pfanne«, macht Marianne Hepp­ner allen Hobbyköchen Mut. Sie selbst hat noch lange nicht die Lust verloren: »Wer seine Arbeit zum Hobby macht, arbeitet nicht viel«, ist ihr Leitsatz.

Dabei waren Marianne Heppner und ihr Mann Wolfgang, mit dem sie im vergangenen Jahr Goldene Hochzeit feiern konnte, immer fleißig. Gemeinsam betrieben sie an der Königstraße in Löhne das »Löwenbräu«, das dann zu »Heppners Bierstuben« und danach zum »Extrablatt« wurde. Anschließend hatten sie bis zum Jahr 2000 in Löhne-Ort die Gaststätte Hemke.

Aber Marianne Heppner freut sich doch, dass sie jetzt die Familientradition weitergeben kann. Ihre Enkelin Alicia Kuhlmann ist ebenfalls eine begabte Pickertbäckerin und steht ihr schon im Seekrug zur Seite.

Rezept für Pickert

Zutaten: ein Kilogramm geschälte, geriebene Kartoffeln (von einer mehligkochenden Sorte), ein Kilogramm Mehl (gern auch Vollkornmehl), acht Eier, ¾ bis 1 Liter Milch, 2 Teelöffel Salz, 2 Teelöffel Zucker, zwei Päckchen Backpulver.

Zubereitung: Eventuell die Flüssigkeit der geriebenen Kartoffeln reduzieren und die Eier hinzufügen. Das Mehl und die übrigen Zutaten ergänzen und gut vermengen. So viel Milch dazugeben, dass ein sämiger Teig entsteht, der sofort verarbeitet werden kann. Das Pickertrezept kann auch mit zwei Würfeln Hefe statt des Backpulvers zubereitet werden, die Hefe benötigt aber mehr Zeit zum Gehen.

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