Mo., 18.12.2017

Landesregierung will zweisprachige Bezeichnungen zulassen Plattdeutsch bald auf Ortsschildern

So könnten künftig die Ortseingangsschilder in Rödinghausen aussehen. Die Gemeinde (knapp 10.000 Einwohner) bemüht sich bereits seit dem Jahr 2012 darum.

So könnten künftig die Ortseingangsschilder in Rödinghausen aussehen. Die Gemeinde (knapp 10.000 Einwohner) bemüht sich bereits seit dem Jahr 2012 darum.

Rödinghausen  (dpa/WB). Herwede und Herford, Ränghiusen und Rödinghausen, Deppelt und Detmold: künftig soll es in NRW Ortsschilder auf Hochdeutsch und Platt geben können. Der Landtag will das bisherige Verbot aufheben.

Die Gemeinden sollen künftig auf den Ortschildern ihren plattdeutschen Namen ergänzen dürfen. Das sieht ein gemeinsamer Antrag der Landtagsfraktionen von CDU und FDP vor. Das Landesparlament berät am Mittwoch (10 Uhr) über die Zulassung solcher Schilder.

Etwa acht Millionen Menschen in Deutschland beherrschen nach Angaben der Antragssteller die niederdeutsche Sprache. »Vermehrt besteht vor Ort der Wunsch, diese kulturelle Vielfalt auch auf Ortseingangstafeln zu dokumentieren«, heißt es in dem Papier. NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) hatte bereits im Oktober angekündigt, sich für zweisprachige Ortsschilder einsetzen zu wollen.

Sprachforscher Georg Cornelissen vom Institut für Landeskunde in Bonn kann dem Vorhaben nur Gutes abgewinnen: »Wenn es darum geht, den Dialekt auf diese Art ins Bewusstsein zu rufen, ist das prima.« Vielen Menschen in NRW liege die Sprache sehr am Herzen.

»NRW ist sprachlich nicht zu toppen«

Die Mundarten im bevölkerungsreichsten Bundesland seien besonders vielfältig, erklärt der Experte. »NRW ist sprachlich nicht zu toppen.« Der Dialekt in der Eifel etwa sei für Menschen in Lippe gar nicht zu verstehen. Außerdem seien die Dialekte eigenständige Sprachen. Sie besitzen eine eigene Grammatik und einen eigenen Wortschatz.

Plattdeutsche Bezeichnungen auf den Ortsschildern könnten deutlich zur Verbundenheit der Menschen mit ihrer Region beitragen, meint auch Ulrich Backmann von der Fachstelle für Niederdeutsche Sprachpflege beim Westfälischen Heimatbund. »Das ist ein Stück Identität für uns.«

Die frühere schwarz-gelbe Landesregierung (2005-2010) und zuletzt auch die rot-grüne Regierung hatten zweisprachige Ortsschilder lange abgelehnt und argumentiert, dass solche Schilder für Autofahrer schwerer zu lesen seien. »Eine Einschränkung der Lesbarkeit oder eine Erhöhung der Unfallgefahr durch solche Schilder sind aus diesen Ländern nicht bekannt«, heißt es nun im Antrag der Regierungsfraktionen.

»Platt-Hochburg« Rödinghausen

Darüber ist man in der Gemeinde Rödinghausen (Kreis Herford) hoch erfreut: »Wenn die Ampel in Düsseldorf auf Grün steht, geht es schnell«, hatte Bürgermeister Ernst-Wilhelm Vortmeyer (SPD) nach Bekanntwerden der Idee versprochen. Innerhalb von vier Wochen könnten die Schilder mit der Doppel-Bezeichnung stehen.

Etwa 800 Euro könnte das laut Vortmeyer kosten. Die »Platt-Hochburg« Rödinghausen (knapp 10.000 Einwohner) hatte bereits 2012 beantragt, dass auf vier Ortsschildern unter dem Hochdeutschen Namen auch »Ränghiusen« zu lesen sein sollte. Eine Entscheidung über die Zulassung ist für den Mittwoch allerdings noch nicht geplant. Der Antrag müsse erst an den Hauptausschuss überwiesen werden.

Ob es für die Zulassung der zweisprachigen Schilder auch eines neuen Gesetzes bedarf, müsste die Landesregierung nach einer Zustimmung des Hauptausschusses prüfen.

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