Di., 17.04.2018

Nabu-Diskussion: Wie lassen sich Rentabilität und Naturschutz vereinen? Landwirtschaft stößt an Grenzen

Friedhelm Diebrok (von links), Hermann Künsemöller und Gerhard Johann to Büren machen sich Sorgen um die Zukunft der Landwirtschaft und der Artenvielfalt. Bei einer Nabu-Infoveranstaltung suchten Landwirte und Naturschützer den Dialog.

Friedhelm Diebrok (von links), Hermann Künsemöller und Gerhard Johann to Büren machen sich Sorgen um die Zukunft der Landwirtschaft und der Artenvielfalt. Bei einer Nabu-Infoveranstaltung suchten Landwirte und Naturschützer den Dialog. Foto: Raphael Steffen

Von Raphael Steffen

Rödinghausen (WB). Landwirte und Naturschützer stehen oft in einem spannungsvollen Verhältnis zueinander. Mit Vorwürfen sind beide Seiten schnell bei der Hand, gesprochen wird lieber übereinander als miteinander. Der Nabu-Kreisverband hat nun versucht, zu vermitteln.

Zu einem Diskussionsabend im Gasthaus zum Nonnenstein konnte der Vorsitzende Friedhelm Diebrok Nabu-Mitglieder, Imker, Landwirte und Interessierte begrüßen. Sie lauschten den Referenten Gerhard Johann to Büren, seit 30 Jahren Landwirt im Nebenerwerb, und Hermann Künsemöller, engagierter Biobauer. »Wir wollen mit Landwirten, Verbrauchern und Politikern ins Gespräch kommen und uns um unsere Landschaft kümmern«, sagte Diebrok zur Begrüßung. Zu beklagen sei derzeit vor allem ein »riesiger Artenschwund unter Tieren und Pflanzen«. Vor allem das Bienensterben sei in aller Munde.

Landwirtschaft stößt an ihre Grenzen

Gerhard Johann to Büren setzte sich am Beispiel seines Hofes mit der Notlage vieler Bauern auseinander: Die Landwirtschaft stößt an ihre Grenzen«, sagte er. Bei niedrigen Preisen und hohen Pachtzahlungen bleibe vielen nichts anderes übrig, als Schädlingsbekämpfungsmittel einzusetzen, um Schädlinge wie den Rapsglanzkäfer oder den Gelbverzwergungsvirus zu stoppen und die Rentabilität zu erhalten. Die Sorge um die eigene Existenzgrundlage sei enorm. Das konnte Besucher Karl-Heinz Uthoff bestätigen: »Ein Jahr habe ich keine Mittel versprüht. Der Ertrag war unter aller Würde, das passiert mir nicht nochmal. Es wird immer vom Insektensterben gesprochen, aber die Pflanzen auf meinen Feldern sind randvoll davon.«

Biobauer Künsemöller verwies auf natürliche Mittel wie Sonnenblumenöl, musste aber einräumen: »In Intensivrapsregionen haben wir keine Chance. Der Schädlingsdruck ist zu hoch.« Gleichzeitig, so Johann to Büren, könne es nicht gut sein, wenn auf einer Million von 1,3 Millionen Hektar Gerstenanbaufläche Insektizide eingesetzt würden: »Wir haben kaum noch nistende Schwalben. Das hat mir ehrlich Angst gemacht.«

Pestizide im Fokus

Zurzeit stehen vor allem Neo­nicotinoide im Fokus, Pestizide, die Schädlinge abtöten, aber auch die Orientierung von Insekten behindern und so zum Bienensterben beitragen sollen. Hier bestehe große Gefahr, dass Landwirte bei Mischungen chemischer Mittel durcheinander kommen. Gerhard Johann to Büren: »Die EU hat für das Mittel Biscaya die zulässigen Grenzwerte in zwei Jahren hin und her geändert. Das kann doch nicht wahr sein.« Zudem würden immer mehr Schädlinge Resistenzen entwickeln – die Entwicklung und Zulassung neuer Wirkstoffe brauche aber oft 15 Jahre.

Einig war man sich, dass der Klimawandel zur Verbreitung von Schädlingen beitrage und überbordende Bürokratie allen das Leben schwer mache. Beispiel Grünstreifenprogramm: »Wer das einmal mitgemacht hat, hat die Faxen dicke«, sagte Künsemöller. Klar wurde beim Treffen: Es besteht weiter reichlich Gesprächsbedarf.

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