Mi., 14.02.2018

Dr. Dirk Ziesing lüftet das Geheimnis um Johann Heinrich Leefhalm aus Wallenbrück Dem Brustdurchschuss erlegen

Wie in vielen Heimatkirchen wurde 1816 auch in der Marienkirche Wallenbrück eine Gedenktafel für die Gefallenen der Befreiungskriege angebracht. Für die damalige Zeit eine völlig neue Form der Gedenkkultur.

Wie in vielen Heimatkirchen wurde 1816 auch in der Marienkirche Wallenbrück eine Gedenktafel für die Gefallenen der Befreiungskriege angebracht. Für die damalige Zeit eine völlig neue Form der Gedenkkultur. Foto: Gerhard Hülsegge

Von Daniela Dembert

Spenge/Bochum (WB). Für König und Vaterland starben aus dem Kirchspiel Wallenbrück Johann Heinrich Fürstenau, Johann Hermann Höner und Johann Heinrich Leefhalm. So steht es auf einer schlichten, hölzernen Gedenktafel in der Marienkirche in Wallenbrück.

Auf der Tafel nicht vermerkt: Es handelt sich um Gefallene der Befreiungskriege 1813-1815 gegen die Napoleonische Herrschaft. Bei den Wallenbrückern Höner und Fürstenau ist belegt, wo und wann sie verstarben. Zum dritten Gefallenen gab es bislang keine Informationen, jedoch ist unter dem Namen Platz für einen Nachtrag freigehalten worden. Und der könnte nun gefüllt werden.

Dr. Dirk Ziesing recherchierte

Denn der Hobbyhistoriker Dr. Dirk Ziesing, der sich seit mehreren Jahren mit den westfälischen Landwehr-Regimentern in den Befreiungskriegen befasst, hat für seine Arbeit aus mehr als hundert Gedenktafeln auch das Wallenbrücker Exemplar genauer in Augenschein genommen. »Die Tafeln sind 1816 auf Anordnung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. angefertigt und in den Kirchen angebracht worden. Das stellte ein absolutes Novum in der Gedenkkultur dar; nie zuvor fanden Menschen unabhängig ihrer Herkunft Erwähnung an den Kirchwänden«, erklärt Ziesing.

In den östlichen preußischen Provinzen hingen große, gusseiserne Tafeln, die aus Berlin geliefert worden seien, nicht selten mit Eichenlaub verziert. Verhältnismäßig klein und schmucklos sei dagegen die Wallenbrücker Ausführung. Für Westfalen waren die Gussmodelle vermutlich aufgrund des weiten Transportweges zu teuer, so dass vor Ort Holztafeln angefertigt worden sind, die alle unterschiedlich aussahen.

Der Zufall kam zu Hilfe

Das Schicksal von Johann Heinrich Leefhalm konnte Dr. Dirk Ziesing durch Zufall aufklären. Bei Recherchen fand er einen Eintrag im Kirchenbuch der Garnison Münster. Der besagt, Leefhalm sei dort am 11. Februar 1816 im Lazarett verstorben. Der junge Mann hatte etwa ein halbes Jahr zuvor als Landwehrmann im Regiment Minden-Ravensberg einen Brustdurchschuss erlitten, »war in heimatliche Gefilde zurückgekehrt und hat sich noch monatelang mit seiner Verletzung herumgequält, bevor er ihr erlag«, hat der promovierte Ingenieur jetzt herausgefunden.

Bei seinen Nachforschungen fand der Bochumer ebenfalls beurkundet, dass Leefhalm im Jahr 1790 in Enger getauft worden war. 1812 hatte er die sechs Jahre ältere Witwe Cathrine Marie Lümkemann geheiratet, Kinder sind nicht bekannt. »Damit war er einer der wenigen Ehemänner unter den Landwehrmännern, auf die die Bezeichnung ›Männer‹ größtenteils noch nicht zutraf«, weiß der Historiker.

Meist nur junge Rekruten

Die Landwehr habe sich größtenteils aus sehr jungen Rekruten zusammengesetzt, denn Väter und ältere Brüder seien schon in Schlachten vorangegangener Jahre eingesetzt worden. Daher gebe es auch nur wenige direkte Nachkommen dieser Gefallenen, berichtete der Experte im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

Kürzlich ist der dritte Band aus Ziesings Reihe über die Landwehr erschienen, außerdem ist der 60-Jährige häufig mit Themen-Vorträgen unterwegs. Spenge findet im Buch mehrfach Erwähnung, denn auch von hier haben sich Freiwillige gemeldet.

Allerdings gab es anscheinend keine Opfer zu beklagen, weshalb für Spenge keine Gedenktafel angefertigt wurde. »Ich möchte aber nicht ausschließen, dass in der Umgebung noch ein bisher unbekanntes Exemplar auftaucht«, meint Ziesing, der schon manche Tafel auf abenteuerliche Weise in Kirchtürmen, auf Dachböden oder in Kellern fand.

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