Do., 19.04.2018

Herforder Autorengruppe liest »gegen Rassismus und für ein schönes Leben« – mit Video Sieben auf einen Streich

Gemeinsam gegen Rassismus: Ralf Burnicki (von links), Christine Zeides, Norbert Sahrhage, Artur Rosenstern, Nicolas Bröggelwirth, Petra Czernitzki und Michael Helm gaben die Spenden des Abends an den Verein Asyl Spenge weiter, der sich für Flüchtlinge einsetzt.

Gemeinsam gegen Rassismus: Ralf Burnicki (von links), Christine Zeides, Norbert Sahrhage, Artur Rosenstern, Nicolas Bröggelwirth, Petra Czernitzki und Michael Helm gaben die Spenden des Abends an den Verein Asyl Spenge weiter, der sich für Flüchtlinge einsetzt. Foto: Thomas Klüter

Von Thomas Klüter

Spenge (WB). Zwei Frauen und fünf Männer gehören zur Herforder Autorengruppe und gemeinsam haben sie sich dem literarischen »Kampf« gegen Rassismus verschrieben. Erstmals waren sie jetzt alle zusammen auf einer Bühne und lasen in der Spenger Bücherei unter dem Titel »Mehr Licht – Gegen Rassismus und für ein schöneres Leben«.

»Veränderung fängt mit dem Denken an«, sagte Michael Helm. »Aber sie hört damit nicht auf.« Der Autor und Rezitator ist Teil der Herforder Autorengruppe und führte durch den Abend, an dem sich die sieben Literaten auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Thema Rassismus beschäftigten. Alle versuchten aber, mit Prosa und Lyrik Mut zu machen für Veränderungen und einen aufmerksamen Blick auf das tägliche Leben.

Nicolas Bröggelwirth beleuchtete die Dramaturgie der biblischen Entstehungsgeschichte mit einem, nein, wohl eher mit zwei Augenzwinkern und bewegte sich dabei geschickt zwischen Blasphemie und intelligentem Witz. Sein Fazit:»Gott liebt uns alle und vergibt uns die Sache mit dem Apfel«.
Lyrisch befasste sich die Hamburgerin Petra Czernitzki, die lange in Spenge gelebt hat, unter anderem mit den Scheiterhaufen der heutigen Zeit: »Ein Haufen gescheiterter Existenzen brennt auf dem Scheiterhaufen der gescheiterten Ehen«, las sie vor. »Die geschiedene Armut ist weiblich.«
Besonders eindrucksvoll rezitierte Michael Helm aus seinen Gesprächen mit Wolfgang Heinemann, einem Mitglied der jüdischen Gemeinde in Herford, der noch die alte Synagoge gekannt und hatte abrennen sehen. Helm zitierte aus den Erfahrungen mit den Nazis und den Erinnerungen aus dem Konzentrationslager. »Vorher dachte ich immer, dass so etwas nicht wieder passieren kann«, so Helm. Mittlerweile sei er sich da nicht mehr so sicher.

Eigene Migrationserfahrung

»Ich gehe den Weg zurück auf der Suche nach unserer Zukunft von gestern« las Artur Rosenstern aus seiner Geschichte »Falsche Zeit – falscher Ort«, die von seiner Mutter und ihm und von der Brüchigkeit von Träumen handelt. Der Autor kam 1990 aus Kasachstan nach Deutschland und weiß aus eigener Erfahrung, was Migration bedeutet.
Norbert Sahrhage aus Spenge präsentierte dann einen Auszug aus seinem Buch »Hellbergs letzte Fahrt«. Der Historiker und frühere Lehrer verwebt darin geschickt spannende Kriminalgeschichten mit geschichtlichen Fakten aus der Region.

Überraschende Wortverbindungen

Mit überraschend gestalteten Wortverbindungen las Ralf Burnicki seine politischen Gedichte vor. »Im ganzen Körper fließt nur böses Blut« hieß es da und aus Straßenlaternen werden »die Helfershelfer des Mondes«.
»Rassismus ist die Unfähigkeit zu hoffen«, las Christine Zeides vor und fasste damit irgendwie den Abend zusammen: »Lasst uns wieder hoffen.«

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