Mi., 13.06.2018

Werburg-Verein setzt beim Museumsfest auf realistische Darstellungen Schluss mit Mittelalter-Klischees

Foto: Daniela Dembert

Von Daniela Dembert

Spenge (WB). Lebendig, nicht bloß theoretisch, soll der Eindruck sein, der vom Leben in Mittelalter und früher Neuzeit vermittelt wird. In diesem Sinne lädt der Werburg-Verein am kommenden Sonntag von 11 bis 17 Uhr zum Museumsfest auf dem Gelände des Werburg-Ensembles.

»In diesem Jahr, anlässlich des 550. Geburtstags der Werburg, haben wir uns ein Programm ausgedacht, das Erwachsene und Kinder gleichermaßen ansprechen soll«, informiert Dr. Werner Best, Vorsitzender des Museums-Vereins.

Altes Handwerk

Vorführungen alter Handwerkskunst liefern einen Einblick in den Arbeitsalltag mittelalterlicher Gewerke und geben eine Idee von den künstlerischen Fertigkeiten, die dahinter stecken. Ein Grünholzdrechsler wird mit seiner Wipp-Drehbank Stuhlbeine und Geländersprossen drechseln. Zusehen können Besucher bei der Flachsverarbeitung sowie beim Verspinnen von Rohwolle zu Garn. »Erstmalig haben wir auch Papierschöpfen im Programm«, sagt Werner Best.

Wer seine Erfahrungen in Sachen Handwerk und Kunst machen möchte, kann sich am Bau eines Fachwerkgebäude-Modells beteiligen. »Das besondere daran ist, dass das Ständerwerk zunächst liegend zusammengesetzt und dann aufgerichtet wird«, erzählt Hans-Peter Tietze. Außerdem wird es eine Schreibwerkstatt geben, in der das Zeichnen und Schreiben mit Federkiel und handgemischten Tinten probiert werden kann.

Historische Kampfkünste

Düster, hart und freudlos. So wird das Mittelalter häufig in Filmen dargestellt. »Dabei belegen historische Quellen auch eine farbenfrohe, fröhliche und humorvolle Seite des Mittelalters«, meint Nico Lüdike vom Verein »DreyWunder«, der sich mit der Rekonstruktion und dem Training historischer europäischer Kampfkünste beschäftigt. Mit einer zehn- bis zwölfköpfigen Gruppe wird der Bielefelder Verein am Sonntag mittelalterliche Waffen präsentieren und in Schaukämpfen erklären, wie diese in Zweikämpfen geführt wurden. Aus alten Quellen und wissenschaftlicher Sekundärliteratur schöpfen die Laienhistoriker Informationen, die helfen, Waffen, Kleidung und Rüstungen sowie Kampfabläufe authentisch nachzuempfinden.

»Wir räumen auf mit so manchem Klischee, das vor allem durch Filme vermittelt wird«, sagt Lüdike. Im 15. Jahrhundert sei es bei Kämpfen nicht um ausladendes Schwingen kiloschwerer Schwerter, sondern um schnelles, wendiges Agieren gegangen. Dem Verein liege eine realistische, nicht theatralische Darstellung am Herzen.

Geschicklichkeitsspiele

Ein Wettkampf anderer Couleur ist die Burgenolympiade. Kinder sind eingeladen, auf dem Außengelände Geschicklichkeits- und Spaßdisziplinen wie Lanzenweitwurf, Ringestechen und Erbsenwettspucken zu absolvieren. Wer alle Stationen durchlaufen hat, darf sich eine Medaille prägen.

Der Besuch des Museumsfests ist kostenlos, das Museum kann zum üblichen Eintrittspreis besichtigt werden. Das Werburg-Café ist von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

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