Mi., 14.02.2018

Erstmals Haftstrafe gegen Holocaust-Leugnerin Haverbeck rechtskräftig Jetzt soll sie hinter Gitter

Der letzte Prozess: Im November wurde Ursula Haverbeck in Detmold zu 14 Monaten Haft verurteilt, das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der letzte Prozess: Im November wurde Ursula Haverbeck in Detmold zu 14 Monaten Haft verurteilt, das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Von Christian Althoff

Vlotho (WB). Zum ersten Mal ist jetzt ein Urteil rechtskräftig geworden, mit dem die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck (89) aus Vlotho zu einer Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt worden war.

Markus Heusler, Sprecher der Staatsanwaltschaft Verden: »Sobald die Prozessakten zurück bei uns sind und einen Rechtskraftvermerk haben, werden wir der Frau eine Aufforderung zum Haftantritt schicken.« Das könne aber noch einige Wochen dauern.

Unter Holocaust versteht man den nationalsozialistischen Völkermord an etwa sechs Millionen europäischen Juden. Haverbeck wurde schon in etlichen Prozessen wegen Leugnens dieser Taten verurteilt. Aber noch nie war sie so dicht dran, auch tatsächlich ins Gefängnis zu müssen.

Schlusswort als Vortrag genutzt

Das Amtsgericht Verden (Niedersachsen) hatte die Frau 2016 zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt . Haverbeck hatte in mehreren Beiträgen der in Verden verlegten Zeitschrift »Stimme des Reiches« behauptet, das Konzentrationslager der Nationalsozialisten in Auschwitz sei kein Vernichtungslager gewesen, sondern ein Arbeitslager.

Ihr Schlusswort in dem Prozess nutzte sie für einen halbstündigen Vortrag über die »Auschwitz-Lüge«. Haverbeck ging gegen das Urteil in Berufung, und das Landgericht Verden reduzierte die Strafe auf zwei Jahre Gefängnis – allerdings ohne Bewährung. Gegen dieses Urteil ging die Vlothoerin in Revision zum Oberlandesgericht Celle. Das habe aber keinen Rechtsfehler in dem Urteil entdecken können und die Revision jetzt verworfen, sagte Sprecherin Jessica Laß gestern.

Ärztliche Bescheinigung könnte Inhaftierung verhindern

Ursula Haverbeck kann ihrer Inhaftierung jetzt nur noch entgehen, wenn ein Arzt ihr Haft­unfähigkeit bescheinigt. Allerdings strahlt sie bei ihren Auftritten vor Gericht eine solche Vitalität aus, dass zumindest äußerlich keine körperlichen Einschränkungen zu bemerken sind. Sie fährt auch trotz ihres hohen Alters noch Auto.

Haverbeck wurde nach eigenen Angaben am 8. November 1928 als Ursula Wetzel geboren. Sie studierte in den 50er Jahren Politik, Pädagogik und Philosophie. 1969 heiratete sie Werner Georg Haverbeck, der von 1929 bis 1932 in der Reichsleitung des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes und von 1933 bis 1934 in der Reichsleitung der NSDAP tätig war.

»Collegium Humanum« gegründet

Später sympathisierte er mit der Friedensbewegung, wurde 1979 Berater von Egon Bahr (SPD) und dozierte an der Fachhochschule Bielefeld. Das von den Eheleuten Haverbeck gegründete »Collegium Humanum« war ursprünglich in der Umweltbewegung aktiv, wandte sich in den 80er Jahren dem Rechtsextremismus zu und wurde 2008 verboten.

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