Do., 14.06.2018

Kassenärztliche Vereinigung nimmt Vlotho und Kalletal in die Förderliste auf Kampf gegen Hausärztemangel

Viele Kommunen sind akut vom Hausärztemangel bedroht. Wie in Vlotho sind viele Hausärzte fast im Rentenalter und es werden dringend Praxisnachfolger gesucht. Die Kassenärztliche Vereinigung hat Vlotho und Kalletal nun in ihre Förderliste aufgenommen.

Viele Kommunen sind akut vom Hausärztemangel bedroht. Wie in Vlotho sind viele Hausärzte fast im Rentenalter und es werden dringend Praxisnachfolger gesucht. Die Kassenärztliche Vereinigung hat Vlotho und Kalletal nun in ihre Förderliste aufgenommen. Foto: dpa

Von Joachim Burek

Vlotho/Kalletal (WB). Gute Nachricht für die Weserstadt und die benachbarte Gemeinde Kalletal: Angesichts des drohenden Hausärztemangels gerade im ländlichen Bereich hat die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) jetzt ihre Förderliste zur Verbesserung der hausärztlichen Versorgung um elf Städte, Stadtbezirke und Gemeinden erweitert. Aus der Region sind Vlotho und Kalletal mit dabei.

Um drohende Lücken in der hausärztlichen Versorgung noch wirkungsvoller zu bekämpfen, fördert die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe ab sofort unter anderem auch die Niederlassung in einzelnen Stadtbezirken, zum Beispiel in den Bielefelder Stadtteilen Senne und Sennestadt. Hausärzte, die in diesen Stadtbezirken eine Praxis übernehmen oder einen Kollegen anstellen, können bei der KVWL Kostenzuschüsse, Praxisdarlehen und Umsatzgarantien beantragen.

Neben diesen Stadtbezirken hat die KVWL ihr Förderverzeichnis aktuell um neun weitere Städte und Gemeinden erweitert: Danach kann jetzt auch in Vlotho und in der Gemeinde Kalletal die Übernahme eines hausärztlichen Versorgungsauftrages in Zulassung oder durch Anstellung gefördert werden.

Frühwarnsystem kündigt kommende Probleme an

In der entsprechenden Mitteilung erklärte Dr. Gerhard Nordmann, Vorsitzender der KVWL, dass die Kassenärztliche Vereinigung positive Erfahrungen mit der gezielten Förderung von Niederlassungen in von Unterversorgung bedrohten Regionen in Westfalen-Lippe gemacht habe.

Dr. Nordmann: »Das Förderverzeichnis basiert auf einem gut funktionierenden Frühwarnsystem, mit dem wir sehr genau erfassen können, wo sich unter anderem aufgrund der Altersstruktur der Ärzte Probleme ankündigen. Aber eines muss man auch ganz klar sagen: Es ist sicher nicht nur das Geld, das junge Mediziner motiviert, in einer ländlichen Region als Hausarzt tätig zu sein.«

Finanzielle Anreize können entscheidend sein

Der Arbeitsplatz für den Partner, die Schulen vor Ort, das kulturelle und sportliche Angebot, die Wohnsituation – viele Gründe spielten bei der Entscheidung, wo man als Arzt in der Praxis tätig sein möchte, eine Rolle. »Finanzielle Anreize können aber das berühmte Zünglein an der Waage sein, wenn sich ein Kandidat zwischen mehreren Optionen entscheiden kann.«

Wie drängend das Problem des drohenden Hausärztemangels im Kreis Herford ist, zeigt ein Blick in die Statistik: Nach Angaben des Landes beträgt der Altersdurchschnitt der Hausärzteschaft im Kreis Herford 57,4 Jahre, in Vlotho gar 59,3 Jahren. Und dies vor dem demografischen Hintergrund, dass im Jahr 2030 etwa 30.000 Menschen im Kreisgebiet älter als 65 Jahre sind.

Vlotho hofft auf Ansiedlung im Gesundheitszentrum

Vlothos Stadtentwickler Micheal Fißmer und Kalletals Bürgermeister Mario Hecker begrüßten daher gestern die Aufnahme in die Förderliste ausdrücklich. »Vlotho befindet sich unter anderem aufgrund der Altersstruktur seiner Hausärzte nach der Überprüfung durch das Land aktuell in der höchsten Förderstufe. Danach wird die Ansiedlung eines Allgemeinmediziners mit 50.000 Euro bezuschusst. Daher freut uns die Nachricht sehr, dass auch die KVWL uns in ihr Förderprogramm aufgenommen hat. Das ist in dieser Situation äußerst hilfreich«, sagte Michael Fißmer von der Stabsstelle Stadtentwicklung.

Die Stadt werde jeden Hausarzt, der sich in der Weserstadt ansiedele, unterstützen. Gerne sei auch eine Ansiedlung im städtischen Gesundheitszentrum am Sommerfelder Platz gesehen, sagte er.

Kalletal plant Gründung einer Gesundheitsstiftung

»Diese Entscheidung der KVWL kommt genau zum richtigen Augenblick«, sagte auch Kalletals Bürgermeister Hecker gestern auf Anfrage. Gerade erst seien im Rat Planungen zur Gründung einer Gesundheitsstiftung auf den Weg gebracht worden, um die ärztliche Versorgung im Kalletal zu verbessern. Dort praktizierten derzeit lediglich drei Hausärzte in Hohenhausen und zwei in Varenholz. Vor diesem Hintergrund ist geplant, sich mit den Ärzten in der Gemeinde zusammen zu setzen und aktiv zu werden.

Auch eine Kooperation mit dem Kreis Lippe und dem Klinikum in Lemgo sei in ersten Gesprächen bereits angedacht worden. Hecker: »Ideal wäre beispielsweise, Räumlichkeiten einer Praxis an die Rettungswache des Kreises in der Gemeinde anzugliedern. Das Klinikum hat dazu signalisiert, Unterstützung durch ein Pilotprojekt anzubieten, bei dem beispielsweise Röntgen- und Ultraschallbilder durch schnelle Datenübermittlung im Klinikum ausgewertet werden können.«

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