Fr., 29.12.2017

Burgtheater Dringenberg begeistert mit »Eine Überdosis Sex« Gag-Feuerwerk zündet punktgenau

Dr. Nicole Anderson (rechts) wundert sich ebenso wie die schwangere Sally (links) und Stieftochter Polly (2. von links) sowie Assistenzarzt Sebastian (3. von rechts) über das Auftauchen von Angie im Schwesternkostüm. Gatte Bernie ist sprachlos.

Dr. Nicole Anderson (rechts) wundert sich ebenso wie die schwangere Sally (links) und Stieftochter Polly (2. von links) sowie Assistenzarzt Sebastian (3. von rechts) über das Auftauchen von Angie im Schwesternkostüm. Gatte Bernie ist sprachlos. Foto: Frank Spiegel

Von Frank Spiegel

Bad Driburg (WB). Er hat eine liebenswert tüdelige Tante im Haushalt, duldet ein im Garten zeltendes Edel-Call-Girl und befindet sich – so sieht es jedenfalls seine Ehefrau – auf einer »sinnlosen Suche nach Selbsterfüllung«. Bernie Anderson hat es nicht leicht. Und das ist auch gut so.

Schließlich sind es diese und etliche weitere Irrungen und Wirrungen, die das Stück »Eine Überdosis Sex« zu höchst vergnüglichen drei Stunden in der Dringenberger Gaststätte Hausmann werden lassen.

Bauernschlaue Seniorin ist kurzsichtig

Dazu tragen insbesondere die Darsteller bei, denen die Rollen auf den Leib geschneidert scheinen. Matthias Sablotny brilliert in der Rolle des sinnsuchenden Bernie Anderson ebenso wie Silke Krelaus als dessen Gattin Nicole, die das Treiben ihres Gatten genervt aber oft sogar verständnisvoll erträgt – auch dank gelegentlich deutlicher Worte: Er: »Bin ich wirklich so unausstehlich?«; Sie: »Wenn Du es wirklich wissen willst: Ja.«

Perfekt besetzt ist auch die Rolle der Tante Dot mit Carmen Schmid. Ihr gelingt es, ihr deutlich älteres und gebrechlicheres Alter Ego durchgehend nicht nur herausragend darzustellen. Sie zündete auch jeden Gag der bauernschlauen Seniorin punktgenau – ein Spaß für alle Beteiligten zum Beispiel auch dann, wenn sie den Fuchspelz mit Fisch füttert, weil sie ihn für die Katze hält. Tante Dot ist kurzsichtig.

Regisseurin hat Rollen hervorragend besetzt

Alina Streitbürger als berechnendes Edel-Call-Girl Angie zu erleben ist ein ebenso ein großes Vergnügen wie Katja Peine als hochschwangere Sally. Die ergänzt ihren Text hochtheatralisch durch intensivste Wehen und erntet auch für diese so manchen Lacher.

Auch mit Jannik Bernard als Nachwuchsmediziner Sebastian, Alina Falke als Bernies Tochter Polly und Markus Beller als reichem Bill, den Angie mit der titelgebenden »Überdosis Sex« dahinraffen will, hat Regisseurin Ingrid Pape eine hervorragende Wahl getroffen. Als Running-Gag bereichert Marcel Falke das Stück, der in der Rolle eines Patienten immer in den unpassendsten Momenten um ein Attest bittet.

Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt

Sie erzählen die Geschichte des sich in einer Lebenskrise befindlichen Bernie Anderson. Der ist mit der Ärztin Nicole verheiratet und versucht sich als Maler und Schriftsteller – weitgehend erfolglos. Beide teilen sich das Wohnzimmer als Arbeitszimmer, weil in der Klinik, in der Nicole arbeitet, gebaut wird. Als plötzlich Angie auftaucht, die Bernie auf einem Wochenendseminar intensiv kennengelernt hat, um im Garten der Andersons mit dem reichen Bill zu zelten, nimmt das Unheil seinen Lauf. Hinzu kommen das Bedürfnis von Sally nach einer Wassergeburt, Tante Dots Marotten sowie Polly und Sebastian, zwischen denen sich eine Beziehung zu entwickeln scheint. Und am Ende ist es ausgerechnet Tante Dot, die von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt ist.

Fast alle Vorstellungen sind ausverkauft

Wie es dazu kommt, zeigt das Burgtheater Dringenberg noch einmal am Freitag, 29. Dezember, Samstag, 30. Dezember, Freitag, 5. Januar und Samstag, 6. Januar, jeweils um 19.30 Uhr. Um 17 Uhr beginnt die Vorstellung am Montag, 1. Januar. Sie ist auch die einzige, für die es noch Restkarten gibt. »Alle anderen sind ausverkauft«, berichtet Kathrin Mikus. Kurzentschlossene sollten aber dennoch ruhig ihr Glück an der Abendkasse versuchen. »Oft werden Karten noch kurzfristig zurückgegeben«, verrät sie.

Erst seit dem 1. November probt das Burgtheater Dringenberg für das Stück, das Ingrid Pape gemeinsam mit Silke Krelaus und Michaela Falke ausgesucht hat. »Dabei geht es darum, ein Stück zu finden, das mit den Schauspielern, die mitmachen wollen, optimal zu spielen ist«, berichtet Kathrin Mikus.

Nicht nur auf der Bühne wird hart gearbeitet

Aber nicht nur auf der Bühne wird hart gearbeitet. Im Hintergrund kümmert sich Rita Bernard um Frisur und Maske. Alexander Mikus, Manuela Falke und Andreas Falke zeichnen für den Bühnenbau verantwortlich.

Um Licht- und Tontechnik kümmern sich Markus Beller und Volker Mönnikes. Das Burgtheater hat in diesem Jahr eine eigene Tonanlage angeschafft, nachdem der Versuch mit einer geliehenen im vergangenen Jahr so gut angekommen ist.

An der Kasse sitzen Janik Bernard, Ruth Auge und Karin Thuns, als Souffleurinnen fungieren Linda Rüther und Cordula Beller.

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