Mi., 27.12.2017

Hermann Multhaupt veröffentlicht sein neuestes Buch »Wunderwaffe« Krimi im Weserbergland

Der aus Herstelle stammende Buchautor Hermann Multhaupt hat in seinem Krimi die Kriegsjahre näher beleuchtet.

Der aus Herstelle stammende Buchautor Hermann Multhaupt hat in seinem Krimi die Kriegsjahre näher beleuchtet. Foto: Harald Iding

Von Sarah Schünemann

Beverungen/Paderborn (WB). Fliegerangriffe, Geheimaufträge und ein verschwundener Kreiskriegsleiter – Hermann Multhaupts neuer Weserkrimi vereint historische Grundlagen mit spannungsvoller Kriminalliteratur. Das Buch »Wunderwaffe« hat er in limitierter Auflage veröffentlicht.

Die Eisenbahn war in der Region ein wichtiges Transportmittel und in den Kriegsjahren oft Ziel von Tieffliegerangriffen. Foto: Archiv

Mit seinem »Weserkrimi« wagt sich der Redakteur und Autor Hermann Multhaupt an eine etwas andere Form des Schreibens. Seine mehr als 80 Bücher basieren zu Teilen auf historischen Dokumenten. Von Romanen bis zu irischen Segenswünschen – Multhaupts Spektrum ist groß.

Breites Spektrum

»Krimis habe ich in den 1970er-Jahren ein paar geschrieben, aber eher für Jugendliche«, meint er. Sein neuer Krimi spielt zur Zeit des Zweiten Weltkriegs im Kreis Höxter. Es sind die letzten Wochen des Krieges, in denen der Kreis stark unter Bombardierungen und Tieffliegerangriffen der Alliierten gelitten hat.

In einer Dorfgaststätte findet sich ein Kriegskreisleiter ein, der angibt an der ersehnten »Wunderwaffe« zu arbeiten, die den Krieg für Deutschland entscheiden soll. Die neugierigen Wirtsleute merken bald, dass in dem Koffer mit den angeblichen Geheimdokumenten statt der Unterlagen viel Geld liegt.

Als die Truppen der Amerikaner näherkommen, verschwindet der Kriegskreisleiter auf mysteriöse Weise. Man findet sein Auto an den vereisten Wegen der Weserauen, seinen Hut – die einzige Spur – im Schilf. Was passiert ist, klärt der Autor Multhaupt in seinem Buch »Wunderwaffe« Stück für Stück auf. Das überraschende Ende einer spannenden Geschichte regt mit einem moralischen Fingerzeig auch zum Nachdenken an.

Zweiten Weltkrieg miterlebt

Der in Herstelle geborene Autor Multhaupt hat als Kind selbst den Zweiten Weltkrieg miterlebt. »Viele Erinnerungen sind in Vergessenheit geraten, einige kommen jetzt mit den Jahren zurück«, betont er im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

Über seine Erlebnisse in und nach dem Zweiten Weltkrieg sowie die einiger anderer Menschen im Kreis schrieb er bereits in seinem Buch »Leberwurst aus Bucheckern«.

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm der Einmarsch der Amerikaner in seinem Heimatdorf Herstelle: Es war sein Geburtstag, und seine Mutter hatte einen Kuchenboden gebacken. Die Familie versteckte sich bei dem Eintreffen der Alliierten im Keller, und als sie von den Amerikanern gefunden und zurück in die Küche gebracht wurden, waren auf dem Kuchenteller nur noch Krümel. Seine Mutter war außer sich und schimpfte auf Deutsch mit den Amerikanern, die wahrscheinlich kaum ein Wort verstanden.

»Am Ende gaben sie mir dann eine Tafel Schokolade«, erinnert er sich.

Angst vor Luftangriffen

In der Zeit davor stand häufig die Angst vor Luftangriffen im Mittelpunkt ihres Lebens. Einen Tieffliegerangriff auf einen in Bad Karlshafen stehenden Zug hatte Multhaupt vom Fenster aus mit seinem Großvater beobachtet. »Es sah aus, als wenn sie direkt auf unser Fenster zusteuerten«, führt er aus.

Sein Buch widmet er auch deshalb »den unschuldigen Kindern und Jugendlichen«, von denen einige im Weserbergland durch die Bombenangriffe der Alliierten gestorben sind.

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»Dass eine Generation vor uns durch den Krieg so massiv gelitten hat – das darf nicht in Vergessenheit geraten. Wir sind die letzten Zeitzeugen.«

Hermann Multhaupt

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»Wir sind heute viel auf Konsum und Unterhaltung fokussiert. Dass eine Generation vor uns durch den Krieg so massiv gelitten hat – das darf nicht in Vergessenheit geraten. Wir sind die letzten Zeitzeugen«, begründet er sein Werk.

Es beruht auf historischen Dokumenten und Ausführungen, wie denen des Redakteurs Hans Bölte aus Höxter. Mit »In jenen Tagen« arbeitete Bölte in Ausgaben des WESTFALEN-BLATTES im Jahr 1955 die lokalen Geschehnisse gegen Ende des Zweiten Weltkrieges ausführlich auf. Diese Quelle mache das Buch und seine Geschichte um so authentischer, ist Multhaupt überzeugt.

Realität und Fiktion verwoben

Kleine Ausführungen neben der Hauptgeschichte geben das Leben, die Angst und Zukunftswünsche zu jener Zeit wieder. Multhaupt verwebt Realität und Fiktion zu einem überzeugenden Kriegs-Krimi im Höxteraner Kreis.

Er kann sich durchaus vorstellen, weitere Kriminalromane zu schreiben, die hier an der Weser spielen. Für sein jüngstes Werk habe er gerade einmal ein halbes Jahr gebraucht. »Ich hatte die Historie und erfand die Titelgeschichte dazu«, meint der 80-Jährige, der heute in Paderborn lebt.

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