Mi., 13.06.2018

Beverunger Schüler gestalten Ausstellung über die KZ-Gedenkstätte Buchenwald Eindrücke, die bleiben werden

Die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen der Sekundarschule im Dreiländereck haben drei Tage in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald verbracht. Ihre Erfahrungen und Eindrücke haben sie in Plakaten und Bildern verarbeitet. Die Ausstellung ist in der Sekundarschule zu besichtigen.

Die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen der Sekundarschule im Dreiländereck haben drei Tage in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald verbracht. Ihre Erfahrungen und Eindrücke haben sie in Plakaten und Bildern verarbeitet. Die Ausstellung ist in der Sekundarschule zu besichtigen. Foto: Alexandra Rüther

Von Alexandra Rüther

Beverungen (WB). Kann es zu viel Gedenken geben? Zu viel Erinnerung an Krieg, an die Opfer der Nationalsozialisten im Dritten Reich? Muss das sein? Mit einem klaren »Ja!« beantwortet Schulleiter Klaus Oppermann diese Fragen, als er gestern die Ausstellung »KZ-Gedenkstätte Buchenwald« an der Sekundarschule eröffnet.

»Es muss sein, denn es gibt keine deutsche Familie, die nicht den Vater oder Großvater oder Urgroßvater oder Onkel oder Großonkel oder Großmutter oder Großtante betrauern würde«, sagte Oppermann. Der Bruder seines eigenen Vaters sei für immer vermisst geblieben – er starb als 18-jähriger Soldat in Stalingrad. Nicht viel älter also als die Schülerinnen und Schüler aus dem zehnten Jahrgang, die – nach intensiver Vorbereitung im Unterricht – drei Tage in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald verbracht haben. Dieser Besuch hat einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Das zeigen die Plakate, die die Schüler mit großer Sorgfalt erarbeitet haben.

Drei Tage Nachdenken über Gewalt, Leid und Tod

So beschreiben etwa Melinda Rutko und Lina Schild den Alltag eines Häftlings – Hunger, Schläge und Folter waren an der Tagesordnung. Celine Babbel und Viktoria Böker haben sich der Kinder und Jugendlichen im Lager angenommen; 500 von ihnen konnten gerettet werden. Dominik Pape und Niko Robrecht beschreiben die harte Arbeit im Steinbruch, an der viele Männer nach wenigen Monaten starben.

Joline Hüske, Leonie Schulz und Jasmin Hartmann beschreiben den Pferdestall, der als medizinische Anstalt getarnt, eigentlich aber die Tötungsanstalt war. Hier geschah der größte Massenmord innerhalb des Konzentrationslagers. Carla Schulze und Roxanne Vössing berichten über das Bordell und die Prostitution im Lager, an der viele Frauen zugrunde gingen.

Die Plakate sind Ergebnis aus drei Tagen Nachdenken über Gewalt, Leid und Tod. An diesem Ort, der Bestandteil eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte ist, arbeiteten die Jugendlichen unter fachkundiger Betreuung durch besonders geschulte Mitarbeiter der Gedenkstätte. Ziel dieser Projektarbeit ist es, den jungen Leuten einen emotionalen Zugang zu den an diesem Ort begangenen Verbrechen zu ermöglichen. Dass das gelingt, zeigen auch Gespräche mit Schülern, die im vergangenen oder vor zwei Jahren in Buchenwald waren und noch immer beeindruckt sind von dem, was sie dort gesehen und vor allem gefühlt haben.

Ausstellung im Gebäude I der Sekundarschule

Klaus Oppermann dankte bei der Eröffnung der Ausstellung, die in den nächsten Wochen im Gebäude I der Sekundarschule zu sehen ist, den Klassenlehrern Anita Bollmann, Eberhard Gäse, Thorsten Hölting und Maria Schmidtke für die Vorbereitung im Unterricht sowie Judith Gockeln als Verantwortliche für die Gedenkstättenfahrt. Er wies zudem auf die Verpflichtung der heutigen Generation hin, die Erinnerung an diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit wachzuhalten und selbst »Zeuge« zu werden.

Eine Ausstellung wie die an der Sekundarschule macht das möglich. Das Besondere daran: Hier vermitteln Jugendliche ihre Eindrücke und machen sie so – gerade Jugendlichen – zugänglich.

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