Do., 15.02.2018

Prozess um Hanfplantage in Natzungen Hörten Nachbarn das »Gras« wachsen?

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Symbolbild Foto: dpa

Von Ulrich Pfaff

Borgentreich (WB). Es ist ein Fall mit vielen Facetten. Ein 31-Jähriger, der seit kurzem vor dem Landgericht Paderborn des Handels mit Betäubungsmitteln im großen Stil angeklagt ist, soll auch der Drahtzieher beim Aufbau einer Drogenplantage in Borgentreich-Natzungen gewesen sein.

Es geht hauptsächlich um Marihuana und Amphetamine. Der 31-Jährige soll der Kopf einer Bande sein, die aus der Wohnung eines Frührentners in der Detmolder Straße in Paderborn gedealt haben soll. Allerdings hat er sich aus der Sicht der Ermittler der Paderborner Kripo auch als »Unternehmer« im Anbau berauschender Grünpflanzen betätigt.

Als »Unternehmer« im Anbau berauschender Grünpflanzen betätigt

Zusammen mit einem Taxifahrer aus Paderborn und einem weiteren Mittäter soll er in einem alten Kotten eine Marihuana-Plantage betrieben haben. Zumindest kurzzeitig: Wie der Leiter der Ermittlungskommission, ein Drogenfahnder aus Paderborn, als Zeuge in dem Prozess sagte, gebe es eine Stromrechnung vom Anfang Mai bis Mitte Juli für das Gebäude. Immerhin 410 Kilowattstunden Strom seien in der Zeit dort verbraucht worden.

Es handele sich um »ein uraltes, baufälliges, unbewohnbares Bauernhaus«, sagte der Polizist – der Stromverbrauch sei insofern auffällig, weil dort niemand wohne. Der Paderborner Taxifahrer gilt als Käufer des Objekts: 12.000 Euro soll er bezahlt haben, die er aus Sicht der Polizei bei seiner klammen Finanzlage nicht selbst habe aufbringen können. Der 31-Jährige gilt als der Geldgeber, und er wird durch eine Aussage des Taxifahrers belastet.

Polizei: Mittäter bekam offenbar »kalte Füße«

Der Dritte im Bunde soll dafür gesorgt haben, dass die ganze Sache nach wenigen Wochen wieder abgeblasen wird. Bei ihm haben die Ermittler einen Zettel gefunden mit dem ominösen Wortlaut: »Wir wissen, was ihr da macht. Wir wollen nicht das gleiche haben wie in Bosseborn« – eindeutiger Hinweis auf eine Drogenplantage. Die Polizei geht allerdings davon aus, dass der Mittäter die Nachricht fingiert hat, weil er »kalte Füße« bekam.

Bei Durchsuchung werden keine Hanfpflanzen gefunden

Tatsächlich waren bei einer Durchsuchung im Oktober, drei Monate nach der Festnahme des 31-Jährigen, dort keine Hanfpflanzen mehr gefunden worden – aber 22 Euro-Paletten, eine relativ neue Stromverkabelung, Leuchtstoffröhren, Folienreste und frische Blumenerde. »Da gab es einen abgedeckten Bereich, in dem Marihuana-Pflanzen aufgezogen werden sollten«, schilderte der Polizist.

Der Prozess geht am 2. März mit neuen Zeugen weiter.

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