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Fr., 23.06.2017

MINT-AG der Brede startet Wetterballon – Nachwuchsforscher werten Daten aus Vom Schulhof in die Stratosphäre

Kurz vor dem Start auf dem Schulhof: Ruben Fritsche (rechts) hält die Styroporkiste, in der sich eine Kamera und Messgeräte befinden. Augenblicke später fliegt diese an einem großen Ballon hängend bis in die Stratosphäre.

Kurz vor dem Start auf dem Schulhof: Ruben Fritsche (rechts) hält die Styroporkiste, in der sich eine Kamera und Messgeräte befinden. Augenblicke später fliegt diese an einem großen Ballon hängend bis in die Stratosphäre. Foto: Kai Hasenbein

Von Frank Spiegel

Brakel (WB). Wenn Schüler, Lehrer und Schulleitung gleichermaßen begeistert sind, dann steckt da zumeist etwas nicht Alltägliches dahinter. An den Schulen der Breden war das jetzt ein Projekt, bei dem es vom Schulhof 36 Kilometer aufwärts geradwegs in die Stratosphäre ging.

Die MINT-AG der Schulen der Brede hatte einen Wetterballon in die Erdatmosphäre geschickt. Seit Januar haben die Jungen und Mädchen das Projekt mit großer Begeisterung geplant, unterstützt von Birgit Niemann, die die AG leitet und Professor Stefan Wolf vom Hex-Lab der Hochschule OWL in Höxter, mit dem die Bredenschulen schon länger erfolgreich zusammenarbeiten.

Große Anspannung

Groß war die Anspannung, als der Ballon aufsteigen sollte. Da machte es niemandem der 20 Beteiligten etwas aus, schon um 4 Uhr aufzustehen.

Zwar hatte man alles genau geplant, als dann aber die vorher berechnete Menge Helium die Ballonhülle füllte, erschien das einigen zu wenig. »Es entbrannte eine Diskussion zwischen denjenigen, die der Berechnung Glauben schenken wollten und denen, die auf ihr Bauchgefühl hören wollten«, berichtete Professor Stefan Wolf. Birgit Niemann: »Wir haben uns dann in der Mitte getroffen.«

Tim Siebrecht (von links) Niklas Ussat, Taribo Tönnes, Lukas Güthoff und Friedrich Wenisch bergen die Kiste und den Fallschirm. Foto: Kai Hasenbein

Alles richtig gemacht

Und das war offensichtlich goldrichtig. Der Ballon stieg schnell auf, nach drei bis vier Minuten war er mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen.

Der Wind wehte ihn in südöstliche Richtung. In 36 000 Metern Höhe hatte sich das Helium wegen des geringen Luftdrucks so stark ausgedehnt, dass der Ballon platzte. Da befand er sich über Hann. Münden.

Und die MINT-AG-Beteiligten? Die saßen in einem Bus bei Witzenhausen in Hessen. »Durch eine Internetseite, die die Flugroute simulierte, war es möglich den ungefähren Landepunkt vorauszusagen«, erläuterte Birgit Niemann.

Die Situation war weiter angespannt. Zur Sicherheit waren zwei GPS-Tracker in der Styroporkiste unter dem Ballon untergebracht. Was, wenn diese versagen? In Witzenhausen angekommen, war kein Signal zu empfangen.

Schreckensszenarien

Was, wenn die Kamera und die Messgeräte bei der Landung zerstört werden? Dass der Ballon in einem hohen Baumwipfel landet, war ebenfalls ein Schreckensszenario. Für den Fall, dass er im Wasser herunterkommen würde, hatte Ruben Fritsche, Bundesfreiwilligendienstleistender an der Schule und maßgeblich mit der Vorbereitung des Projektes betraut, vorgesorgt: »Ich hatte Badehose und Schwimmbrille dabei.«

Die mussten aber nicht zum Einsatz kommen. Von einem knallroten Fallschirm gebremst war der Styroporkasten geradezu sanft in einem Weizenfeld bei Eschwege niedergegangen.

Und weil einer der beiden GPS-Tracker zur Erleichterung aller doch noch funktionierte, war der »Landeplatz« 80 Minuten später problemlos gefunden.

Mit Herzblut bei der Sache

»Die Schülerinnen und Schüler waren mit sehr viel Herzblut bei der Sache«, freut sich Professor Stefan Wolf über das Engagement. »Das war hoch emotional, als es darum ging, ob wir den Ballon wiederbekommen. Da konnte man Naturwissenschaft auch einmal von einer anderen Seite erleben.

Nun können die Jungen und Mädchen die gesammelten Daten – zum Beispiel Temperatur, in 11 000 Metern Höhe waren es 50 Grad Celsius unter Null, Luftdruck, GPS-Position – auswerten.

Johannes Oesselke – er zeichnete für die Kameraaufzeichnung verantwortlich – denkt darüber nach, das Projekt für eine »Jugend forscht«-Arbeit zu verwerten, eventuell mit weiteren AG-Mitgliedern. Das Projekt lief besser als erwartet. Die AG-Mitglieder hatten mit maximal 25 000 Kilometer Höhe gerechnet.

Vielseitiges Projekt

Auch Schulleiter Matthias Koch ist begeistert von dem Ergebnis. »Ich finde die Vielseitigkeit toll. Es war ja nicht mit dem Ballon getan. Es musste die Technik eingerichtet werden, Genehmigungen unter anderen vom Luftfahrtbundesamt mussten eingeholt und eine Versicherung abgeschlossen werden. Und auch die Finanzierung galt es zu sichern«, nannte er Beispiele.

Die MINT-AG der Bredenschulen ist in diesem Zusammenhang dSpace, der Benteler AG, der Sparkasse Höxter sowie dem Verein zdi Natur und Technik für das Sponsoring der Aktion dankbar.

Kommentare

Ein herrlichen Projekt und grandiose Bilder!

Schön ist auch, dass direkt zwei Tracker verwendet werden. Welcher Tracker wurde den schon auf solch einer Entfernung/Höhe getestet. Sehr spannendes Projekt für alle Beteiligten!

1 Kommentare

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