Do., 08.03.2018

Polizei im Kreis Höxter legt Kriminalitätsbericht 2017 vor – Kampf den Einbrechern Weniger Delikte, hohe Aufklärungsquote

Polizeidirektor Jürgen Koch (von links), KHK Karlheinz Schröder (Leiter Kriminalkommissariat 1, Höxter) und Kriminalrat Alexander Fenske (Leiter der Direktion Kriminalität) haben gestern die Zahlen und Fakten sowie Analysen für das abgelaufene Jahr vorgestellt.

Polizeidirektor Jürgen Koch (von links), KHK Karlheinz Schröder (Leiter Kriminalkommissariat 1, Höxter) und Kriminalrat Alexander Fenske (Leiter der Direktion Kriminalität) haben gestern die Zahlen und Fakten sowie Analysen für das abgelaufene Jahr vorgestellt.

Von Harald Iding

Höxter (WB). Kriminalrat Alexander Fenske könnte sich locker zurücklehnen und die reinen Zahlen für sich sprechen lassen. Denn es gab im Kreis mit 6375 Straftaten so wenig Fälle wie seit zehn Jahren nicht mehr. Bei der Aufklärungsquote (61,21 Prozent) haben die 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreispolizeibehörde sogar einen Rekordwert seit 1975 erzielen können. Für den erfahrenen Beamten Fenske steht trotz der positiven Entwicklung fest: »Wir müssen am Ball bleiben und es Tätern so schwer wie möglich machen – vor allem beim Wohnungseinbruch!«

Für Direktor Jürgen Koch (Abteilungsleiter Polizei) ist es eine starke gemeinschaftliche Leistung, die bei der Bekämpfung der Kriminalität und den vielen präventiven Maßnahmen erbracht worden ist. Er kommt daher zu einem klaren Fazit, was die Lebensqualität der Menschen anbetrifft: »Die Wahrscheinlichkeit, im Kreis Höxter Opfer einer Straftat zu werden, ist weiter sehr gering!« Dafür würde auch die »Kriminalitätshäufigkeitszahl« sprechen, die im Verhältnis zu je 100.000 Einwohnern berechnet und im Kreis (141.855 Einwohner) bei 4494 liegt. Das sind 41,46 Prozent weniger als der Landesdurchschnitt und 16,42 Prozent unter der Zahl des Regierungsbezirkes. 2995 tatverdächtige Personen (vorher 3071) wurden ermittelt.

Jedes Verbrechen und jeder Einbruch stellt eine Tat mit bitteren Folgen dar – gerade für die Opfer. »Daher bleiben der Opferschutz und die Betreuung durch geschulte Sachbearbeiter eine wichtige Aufgabe«, betonte Karlheinz Schröder, der das Kriminalkommissariat 1 in Höxter leitet.

Eine Zahl macht die Ermittler weiterhin betroffen: Es gab im zurückliegenden Jahr fünf Straftaten gegen das Leben. Ein Fall, den die Polizei erst gestern öffentlich machte, ist der einer jungen Mutter aus Steinheim. Schröder: »Im Sommer haben wir wegen eines versuchten Tötungsdeliktes ermittelt.« Eine hochschwangere Zuwanderin (22) sei im Juli von einer Anverwandten mehrfach brutal in den Bauch getreten worden – um so einen Schwangerschaftsabbruch zu erzwingen. »Diese Tat wurde uns leider erst einen Monat später, also im August 2017, angezeigt.« Dennoch nahmen die Beamten die Ermittlungen auf, um die Tat zu verfolgen. Das Kind und die Mutter hätten riesiges Glück gehabt. »Das Neugeborene kam später trotz dieses Angriffs gesund zu Welt«, so Schröder. Weitere schwere Fälle waren ein vollendetes Morddelikt in Bad Driburg, wo im April ein 33-jähriger Vater erst seine zwei Kinder (fünf und acht Jahre jung) mit einem Messer tötete und anschließend Selbstmord beging. Seine Frau und ein weiteres Kind überlebten die grausame Tat.

Die blutige Messerstecherei in Steinheim sowie die unfassbare Tötung einer 73-jährigen Seniorin in Lüchtringen), für die dessen 41-jähriger Sohn zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt, aber wegen Schuldunfähigkeit in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen worden ist, bleiben allen Beteiligten noch in Erinnerung.

Höxter führt Liste an

Bei den Wohnungseinbrüchen lag die Kreisstadt Höxter im vergangenen Jahr mit 84 Fällen auf dem negativen Spitzenplatz der Region – gefolgt von Warburg (20), Bad Driburg (14), Steinheim und Brakel (10), Beverungen (9), Borgentreich, Willebadessen und Marienmünster (5) sowie Nieheim mit zwei angezeigten Vorfällen. In der Summe waren es im Vergleich zu 2017 dennoch 11,4 Prozent weniger Wohnungseinbrüche (164 statt 185) – darunter zählen 53 (67) Tageswohnungseinbrüche. Taschendiebe hätten fast 30 Prozent weniger zugeschlagen (72 statt 102 Fälle) und auch die Sachbeschädigungen sind mit 19,6 Prozent (791 zu 984) spürbar zurückgegangen.

Die »Häusliche Gewalt« bleibt ebenso ein Sorgenkind. Sie habe sich zwar verringert (138 statt 159) und es hätten 60 (vorher 81) Rückkehrverbote beziehungsweise »Wohnungsverweisungen« von den Beamten ausgesprochen werden müssen. Solche Probleme in Familien und Beziehungen könnten aber ganz schnell aus dem Ruder laufen. »Wir müssen hier sehr sensibel vorgehen und frühzeitig eine Eskalationen verhindern. Das kann auch eng im Zusammenwirken mit anderen Behörden wie Jugendämtern erfolgen«, sagte Polizeidirektor Koch, der in diesem Jahr (Ende August) nach mehr als 40 Jahren Polizeidienst in den Ruhestand verabschiedet wird.

Auf der Agenda weit oben stehen bei der Kreispolizeibehörde Höxter alarmierende Entwicklungen wie der vermehrte Betrug an Senioren. »Täter geben sich am Telefon oder direkt vor Ort als Polizisten aus – um Straftaten zum Nachteil älterer Menschen zu begehen. Oft bringen sie ihre Opfer um ihr gesamtes Erspartes, manchmal sogar in fünf- bis sechsstelliger Bargeldhöhe.«

Neben der Bekämpfung der Einbrüche und Taten gegen ältere Bürger will die Polizei verstärkt mit konkreten Maßnahmen der gestiegenen Betäubungskriminalität einen Riegel vorschieben. Die Fallzahl lag 2017 bei 351 (unter anderem wegen Kokain, Heroin, Cannabis und Ecstasy). Davor waren es im Kreis noch 244 Delikte.

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