Fr., 29.06.2018

350 Jahre Katharinenkapelle: Ökumenischer Gottesdienst auf dem Rosenberg Eine »Ersatz-Dorfkirche«, die verbindet

Freut sich auf die gemeinsame Feier an einem »besonderen Ort«: Pastor Detlef Stock in der Katharinenkapelle in Gehrden. Hinter ihm ist auf einem Rudolphibild die Namensgeberin der Kapelle zu sehen: Katharina von Alexandrien, kniend vor dem Jesuskind im Schoße Marias.

Freut sich auf die gemeinsame Feier an einem »besonderen Ort«: Pastor Detlef Stock in der Katharinenkapelle in Gehrden. Hinter ihm ist auf einem Rudolphibild die Namensgeberin der Kapelle zu sehen: Katharina von Alexandrien, kniend vor dem Jesuskind im Schoße Marias. Foto: Timo Gemmeke

Von Timo Gemmeke

Gehrden (WB). Was viele Kirchen vergeblich versuchen, hat die Katharinenkapelle in Gehrden geschafft: Sie ist ein Ort gelebter Ökumene – und so soll auch ihr 350-jähriges Bestehen gefeiert werden.

Eigentlich heißt er Rosenberg. Fragt man aber einen Gehrdener, dann ist es der Katharinenberg, auf dem die Kapelle seit 350 Jahren ihren Platz hat. Auf dem Weg hoch sind rechterhand die Stationen des Kreuzweges zu sehen, die von Dorfbewohnern nach dem Ersten Weltkrieg errichtet worden sind. Links reicht der Blick übers Ösetal bis nach Dringenberg.

Nicht nur die Aussicht

Doch es ist nicht nur die Aussicht, die den Ort hoch oben über den Dächern Gehrdens besonders macht, findet Pastor Detlef Stock. »Es ist ein besonderer Ort«, sagt er – und ein Ort, »an dem Ökumene gelebt wird«.

Dass – wie in den 70ern – Gläubige beider Konfessionen die Kapelle als Gotteshaus nutzen, war 1668 nicht beabsichtigt. Damals haben sich die Gehrdener die Katharinenkapelle als »Ersatz-Dorfkirche« gebaut, so die Expertise der Ochsenfarth-Gesellschaft aus Paderborn. »Nach dem Dreißigjährigen Krieg musste die Klosterkirche total restauriert werden, Altäre und Inventarium aus der alten Kirche ausgelagert oder veräußert werden«, schreiben die Restaurateure in einem Brief vom September 1997 an das Amt für Denkmalpflege in Münster. So sei erklärbar, warum beispielsweise der Renaissance-Altar darin älter ist als die Kapelle selbst.

Hinter dem Altar, über einem dreiteiligen Aufbau, ist auf einem Rudolphibild die Namensgeberin der Kapelle zu sehen: Katharina von Alexandrien, kniend vor dem Jesuskind im Schoße Marias.

Warum die als Märtyrerin heiliggesprochene Jungfrau so häufig in Gehrden auftaucht, schrieb Herbert Dohmann in einem seiner Kurzporträts über Gehrden. »Wenn wir uns den Vermählungsakt zwischen Christus und Katharina ansehen, erkennen wir den Grund für die häufige Begegnung mit ihr: Auch die Nonnen fühlten sich im Klosterdorf als Bräute Christi.«

Vorbereitung der Kreuztracht

Dass sich aber nicht nur die Nonen, sondern alle Gläubigen der Umgebung mit der Kapelle und deren Geschichte identifizieren konnten, zeigte sich in den 1970er Jahren. Weil Siddessen zur evangelischen Kirchengemeinde Peckelsheim gehört, fanden im Sommer vierwöchig evangelische Gottesdienste statt. Auf katholischer Seite wird die Kapelle nur noch für die Vorbereitung der Kreuztracht und zur Patronatsprozession genutzt.

Beide Gemeinden wollen 350 Jahre Katharinenkapelle mit einem ökumenischen Gottesdienst am Freitag, 29. Juni, feiern. Beginn ist um 18 Uhr an der Kapelle, ein Fahrdienst ist am Katharinenheim eingerichtet.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5858678?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2851041%2F