Fr., 13.07.2018

Verantwortliche ermuntern zur Teilnahme an der Abstimmung zur Einführung einer Landes-Pflegekammer Berufsstand will Interessenvertretung

Elke Schmidt (von links), Andreas Fuhrmann und Andrea Störmer wollen eine Pflegekammer

Elke Schmidt (von links), Andreas Fuhrmann und Andrea Störmer wollen eine Pflegekammer Foto: Frank Spiegel

Von Frank Spiegel

Brakel (WB). Die Ärzte haben sie, die Apotheker ebenfalls – nur für die Pflegenden als größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen fehlt eine demokratisch gewählt Institution, die die Rahmenbedingungen professioneller Pflege mitgestaltet: eine Pflegekammer.

Andreas Fuhrmann, geschäftsführender Vorstand des Vereins »Jung und Alt«, Andrea Störmer, Pflegedirektorin am Helios-Klinikum in Warburg und Elke Schmidt, Pflegedirektorin der Katholischen Hospitalvereinigung Egge-Weser (KHWE) ermuntern ihre Berufskolleginnen und -kollegen in der Pflege dazu, an einer von der Landesregierung initiierten Abstimmung teilzunehmen. Bei dieser geht es um die Einführung einer Pflegekammer.

Befragung der Fachkräfte

Die hat sich die NRW-Landesregierung auf die Fahnen geschrieben. »Es ist eine Befragung der examinierten Fachkräfte im Bereich Altenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sowie Gesundheits- und Krankenpflege geplant, an der nicht alle der knapp 200.000 im Land Beschäftigten teilnehmen, aber ein repräsentativer Teil«, erläuterte Andreas Fuhrmann gestern in Brakel. Wer aus dem Kreis Höxter dabei sein wird, könne man nicht sagen. Gleichwohl möchten er und seine beiden Kolleginnen für die Einführung einer Pflegekammer werben. Alle drei haben bereits Informationsveranstaltungen zu dem Thema organisiert. Bis zum Oktober soll die Befragung erfolgt sein.

»In Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein gibt es die Pflegekammern auf Landesebene schon, die Gründung einer Pflegekammer auf Bundesebene ist in Vorbereitung«, führte Andrea Störmer aus. »Es ist gut, dass hier endlich einmal etwas in Bewegung kommt«, sagte sie.

Information und Beratung

»Eine Pflegekammer bündelt die Interessen aller Berufe in der Pflege«, erläuterte Andreas Fuhrmann. Hier gehe es unter anderem um die Information und Beratung der Mitglieder, die Regulierung der Fort- und Weiterbildung und die Entwicklung einer Berufsordnung.

»Und nicht zuletzt wird so auch eine sachgerechte und professionelle Pflege der Bürgerinnen und Bürger des Landes sichergestellt«, ergänzte Andrea Störmer.

In der anstehenden Abstimmung müssen die Angeschriebenen zunächst entscheiden, ob sie eine Interessenvertretung ihres Berufsstandes wünschen. Wenn »Ja« angekreuzt wird, haben sie die Wahl zwischen der Pflegekammer und dem so genannten »bayerischen Modell«.

Bayerisches Modell

Letzteres halten die Fachleute aus der Praxis für deutlich weniger geeignet. »In einer Pflegekammer sind alle Pflegefachpersonen organisiert, im bayerischem Modell nur Interessengruppen. Finanziert wird dieses zudem von der Landesregierung, es ist somit abhängig von Entscheidungen der Politik«, warb Elke Schmidt für die Pflegekammer.

In dieser würde jeder Pflegende verpflichtend Mitglied, verbunden mit einem entsprechenden Mitgliedsbeitrag. »Dafür ist die Kammer aber auch unabhängig. Und so werden die Entscheidungen der Kammer durch die Berufsgruppe legitimiert«, nannte Andreas Fuhrmann die Vorteile. Der Mitgliedbeitrag relativiere sich schnell, wenn die Kammer positive Effekte auch auf den Geldbeutel habe.

Strukturen und Prozesse

Dabei stellen die drei Fachkräfte eindeutig klar, dass eine Kammer niemals Konkurrenz zum Beispiel zu Gewerkschaften sein wolle. Elke Schmidt: »Eine Kammer schaut auf Strukturen und Prozesse, die handelt zum Beispiel keine Löhne aus.« Es handele sich um eine zusätzliche Interessenvertretung.

»Der Pflege wird eine Stimme verliehen, die gehört wird und gehört werden muss«, erklärte Elke Schmidt. Dass diese Stimme von Nöten ist, hat Andreas Fuhrmann in Gesprächen mit Politikern immer wieder festgestellt: »Dort hört man immer wieder: ›Wir wissen doch nicht, mit wem wir reden sollen.‹ Das würde sich dann ändern.«

Erst jüngst habe er sich mit Berufskollegen aus Rheinland-Pfalz unterhalten, wo diese Kammer hervorragend angenommen werde als Gesprächspartner der Politik.

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