Fr., 13.07.2018

Schüler des ersten Jahrgangs besucht »seine« Friedrich-Wilhelm-Weber-Realschule Von München aus zur Abschiedsfeier

Von Jürgen Köster

Bad Driburg (WB). Sichtlich gerührt nimmt Ralf Beermann (58) aus den Händen der Schulleiterin Ute Jostes den gelben Erinnerungsbecher an »seine erste richtige Schule« entgegen. Als Überraschungsgast der Abschiedsfeier an der Friedrich-Wilhelm-Weber-Realschule ist er aus München angereist – mit dem Motorrad.

»Zum Zehnjährigen bin ich noch einmal hierhergekommen. Danach hat es irgendwie nie mehr geklappt. Aber jetzt zum Finale in der Geschichte der Schule, da war es mir Bedürfnis und Ehre zugleich«, erzählt der Münchener dem WESTFALEN-BLATT.

Tränen in den Augen

Die Tasse mit dem Schriftzug der Schule hält er fest in der Hand, und letzte Tränen sind immer noch in seinen Augenwinkeln zu entdecken. Nach der Grundschule sei die Realschule für ihn von besonderer Bedeutung in seinem Leben gewesen. »Sie war für mich damals sogar so etwas wie Familienersatz«, deutet er an, wie prägend die Zeit an der Friedrich-Wilhelm-Weber-Realschule für ihn gewesen sein muss.

Informationen über »seine alte Schule« hat er zuletzt immer über deren Homepage bekommen, die noch immer von der inzwischen pensionierten Lehrerin Elisabeth Affani gepflegt wird. Auch dafür dankte ihr die kommissarische Schulleiterin Ute Jostes, wie sie es ebenfalls bei den Kolleginnen und Kollegen tat, die zuletzt viel Engagement an den Tag gelegt hätten, um bis zum letzten Tag das auch über den Unterricht hinausgehende Angebot und die Kooperationen der Schule aufrecht zu erhalten.

Bis zum letzten Tag engagiert

Dies stellte Therese Dallmeier, bei der Bezirksregierung Detmold für Realschulen zuständige Dezernentin, heraus. Dem Kollegium sei in den letzten Jahren vieles zugemutet worden. Vor allem hätten zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer viel mit dem Auto fahren müssen, weil sie an zwei Schulen unterrichteten. Sie dankte für die Geduld der Pädagogen in einer solchen Situation, wie es an zwölf Realschulen im Regierungsbezirk der Fall sei, die nun ausliefen.

Sie wünschte den Lehrkräften, dass sie viele Erlebnisse und Erfahrungen mitnähmen und in ihre neuen Schulen hineintrügen. »Die Realschule hatte immer ihre Stärken – in der pädagogischen Orientierung, in der Leistungs-, Realitäts- und der Werteorientierung. Die Wirtschaft hat Schüler der Realschule immer gern genommen«, stellte die Schulaufsichtsbeamtin fest.

Die Friedrich-Wilhelm-Weber-Schule sei hoch anerkannt gewesen und habe stets einen hervorragenden Beitrag zum sehr guten Schulangebot der Stadt Bad Driburg geleistet, befand Bürgermeister Burkhard Deppe.

Er nahm Bezug auf das Motto der Abschiedsfeier »Wenn Menschen auseinandergehen, so sagen sie auf Wideresehen«. »Wir verabschieden uns heute ja vor allem von Menschen und weniger von dem Gebäude oder der rechtlichen Institution Schule«, meinte Deppe. Da kämen natürlich viele Emotionen zum Tragen. »Wer erinnert sich nicht an seine Schulzeit, vielleicht den wichtigsten Entwicklungszeitraum eines Menschen?«, gab der Bürgermeister zu bedenken.

Ein zweites Zuhause geworden

Für viele Menschen sei sie zum Lebensmittelpunkt geworden, unter anderem für die Pädagogen, die zum Teil über Jahrzehnte an der Schule gewesen seien. Sie sei für viele zum zweiten Zuhause geworden. Es sei schwierig gewesen, die Schule aufzubauen, die mit dem Schuljahr 1970/71 eröffnet worden war, »aber auch das letzte Jahr in der Geschichte der Schule, war sicher ein sehr anspruchsvolles.«

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