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Do., 19.02.2015

Thomas Heinemann und Sebastian Sauer stellen Betrieb in Ottbergen neu auf Orgelbau Sauer meldet Insolvenz an

Die Paderborner Domorgel ist mit 151 Registern die drittgrößte Kirchenorgel Deutschlands. Die dreiteilige Orgelanlage wurde in der heutigen Form im Jahre 1981 durch die Firma Siegfried Sauer, Höxter-Ottbergen, erbaut und 2004-05 erweitert.

Die Paderborner Domorgel ist mit 151 Registern die drittgrößte Kirchenorgel Deutschlands. Die dreiteilige Orgelanlage wurde in der heutigen Form im Jahre 1981 durch die Firma Siegfried Sauer, Höxter-Ottbergen, erbaut und 2004-05 erweitert. Foto: WB

Von Michael Robrecht

Höxter-Ottbergen (WB). Das europaweit bekannte Orgelbauunternehmen Sauer »Westfälischer Orgelbau« in Ottbergen hat Insolvenz angemeldet. 15 Mitarbeiter sind betroffen. Es gibt aber eine Nachfolgelösung.

Siegfried Sauer hat die Hoffnung, dass sein Sohn Sebastian Sauer (36) und Mitarbeiter Thomas Heinemann (48) mit ihrer neuen Firma »Sauer & Heinemann« ab 1. April einen Neustart schaffen und die 165 Jahre alte Firmentradition fortsetzen.

Neben Sauer gibt es im Kreis Höxter als zweite Orgelbauerwerkstatt nur noch Firma Simon in Muddenhagen.

Zur vorläufigen Insolvenzverwalterin ist Rechtsanwältin Sandra Bitter aus Paderborn bestellt worden, die die Geschäfte jetzt ordnet und mit Banken und Geschäftspartnern Gespräche führt. Siegfried Sauer nennt mehrere Gründe, warum das Orgelbaugeschäft immer weniger rentabel geworden ist: Auftraggeber zahlten nicht pünktlich oder verzögerten die Zahlungen, es gebe kaum noch Orgelneubauten, die Kirchen würden eisern sparen und man müsse sich inzwischen europaweit um Aufträge bemühen.

Der Preisdruck in der Branche, besonders bei den wenigen Neubauten, sei enorm geworden; so komme es dann schnell zu wirtschaftlichen Problemen, meinte Geschäftsführer Sauer. Grundsätzlich sei im Kreis Höxter mit seiner reichen Kirchen- und Klösterlandschaft einiges zu tun, dennoch habe das alles aber nicht gereicht, um das Unternehmen am Lintrott in Ottbergen vor der Pleite zu bewahren.

Thomas Heinemann und Sebastian Sauer hatten schon vor zwei Jahren einen eigenen Orgelbaubetrieb neben der Altfirma gegründet. Diese Firma soll jetzt, soweit es geht, viele der 15 Fachleute wie Intoneure, Tischler, Orgelbauer und musisch geschulte Experten übernehmen. Thomas Heinemann ist optimistisch, dass der Orgelbau in Ottbergen eine Zukunft hat. Es gebe eine gute Mannschaft, man habe viele Stammkunden und feste Auftraggeber für Restaurierungen, das Orgelstimmen und die Wartung. Der Auftragsbestand sei grundsätzlich gut, sagt Heinemann.

Die Tradition des Unternehmens Westfälischer Orgelbau S. Sauer Ottbergen reicht zurück bis 1805. Damals ließ sich der preußische Soldat Georg Josias Eggert aus Klein Oschersleben bei Magdeburg in Paderborn nieder, wo er im heutigen Adam-und-Eva-Haus eine Tischlerei betrieb und sich auch mit dem Orgelbau beschäftigte. Kinderlosigkeit war der Grund, warum Familie Eggert den Betrieb 1902 an den Kölner Orgelbauer Anton Feith übertrug, der dem Unternehmen bis zu seinem Tod 1929 vorstand. Nach Größe und Kapazität machte er es zu einem der bedeutendsten im damaligen Deutschland. Höhepunkt war die 1926 errichtete Große Orgel im Dom zu Paderborn. In der Ära Feith waren seit 1902 800 Orgeln entstanden. Ihr Ruf ist legendär.

Neuer Inhaber wurde mit Jahresbeginn 1973 Siegfried Sauer. Dieser hatte nach seiner Ausbildung in Deutschland und in der Schweiz bereits die Firma Stegerhoff /Steinheim übernommen und zuletzt in Ottbergen eine neue Werkstatt errichtet, in die auch die Paderborner Fertigungsstätte verlegt wurde. Im Laufe der folgenden Jahre expandierte das Unternehmen zu einem der führenden Orgelbaubetriebe in der Bundesrepublik. 300 teils große Instrumente – wie die neue Paderborner Domorgel, St. Sophien Hamburg sowie die Konzertorgel in der Stadthalle in Wuppertal sind Sauer-Orgeln. Sauer arbeitet auch an der Kathedralorgel in Allenstein/Ostpreußen sowie an vielen Kirchenorgeln im Kreis Höxter.

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