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Do., 09.03.2017

Autor sucht seltene Militär-Fotos: Buchprojekt angelaufen 150 Jahre Garnison-Geschichte wird aufgearbeitet

Wehrmachtssoldaten präsentieren das Gewehr: Wachablösung in der General-Weber-Kaserne in Höxter Ende der 1930er Jahre.

Wehrmachtssoldaten präsentieren das Gewehr: Wachablösung in der General-Weber-Kaserne in Höxter Ende der 1930er Jahre. Foto: WB-Archiv

Von Michael Robrecht

Höxter (WB). An diese Mammutaufgabe hat sich noch niemand herangetraut: Der Höxteraner Autor Ernst Würzburger hat mit der Aufarbeitung der Geschichte der Garnisonstadt Höxter begonnen. Er bittet die Bürger und ehemalige Soldaten um Mithilfe.

2018 »liegt« das ABC-Abwehrbataillon 7 genau 25 Jahre in Höxter. Die Bundeswehr besteht inzwischen sechs Jahrzehnte, und Höxter war mit Grenadieren und Pionieren (ab 1960) von Anfang an Standort der neuen deutschen Streitkräfte. In Höxter ist die Militärgeschichte durch den Abriss der früheren Kasernenbauten an der Lütmarser Straße stark in den Fokus geraten. Durch die vielen Auslandseinsätze und die Umbauten der General-Weber-Kaserne für zweistellige Millionenbeträge ist Höxters ABC-Abwehrtruppe in der Öffentlichkeit präsent.

Das Interesse der Höxteraner an ihrer Militärgeschichte und die Jahrestage sind sicher Gründe, das Buchprojekt jetzt anzugehen, aber Ernst Würzburger will mit dem Werk auch einen weißen Fleck in Höxter schließen. So wie er über Zwangsarbeiter, Kriegsverbrecherprozesse und die Nazi- und Kriegszeit bereits viel beachtete Bücher publiziert hat, will er nun die Militärtradition der Stadt darstellen. Schwerpunkt des Projektes ist die Zeit bis zur Bundeswehrgründung. Bisher gab es lediglich Historikertexte und Broschüren der Kaserneneinheiten.

Im Mai 1860 traf das 2. Bataillon des 6. Westfälischen Infanterie-Regiments Nr. 55 in Höxter ein. Einquartiert wurden die über 400 Soldaten in Bürger- und Massenquartieren. Die Wache, die Bataillonsküche und die Arrestzellen befanden sich im Souterrain des Rathauses. Autor Würzburger: »Zunehmende Konflikte bei der Unterbringung der Soldaten führten wohl dazu, dass im Juli 1877 das Bataillon zum Sommermanöver ausrückte und nicht mehr zurückkehrte.« Im Rahmen einer Heeresreform und der Zusicherung der Stadt Höxter, Soldaten künftig in neu zu errichtenden »Einquartierungshäusern« unterzubringen, erhielt Höxter im April 1881 ein Füsilierbataillon, das bis zur Fertigstellung der ersten drei Kasernengebäude (Albaxer Straße, Lütmarser Straße und Stummrigestraße) im Herbst 1881 provisorisch in den alten Quartieren untergebracht wurde. Im Frühjahr 1882 stand ein viertes Gebäude (Ecke Albaxer Straße/Rohrweg) zur Verfügung. Erst 1907 kam ein fünftes Haus (Lütmarser Straße) hinzu und 1910 folgte das Stabsgebäude (Brenkhäuser Straße 1).

Neben den Kasernengebäuden musste die Stadt weitere »Garinsonsanstalten« zur Verfügung stellen, darunter ein Exerzierhaus (am Wall an Nikolaischule), eine Reitbahn und einen Pulverschuppen (Krämerstraße), eine Bekleidungskammer und ein Arresthaus (Neue Straße), Exerzierplätze (Berliner Platz und rechte Weserseite), eine Hindernisbahn am Wall (Luisenplatz), eine Militärbadeanstalt (Weser) und Schießplätze am Brunsberg-Fuß und im Brückfeld.

Erst 1936 erhielt Höxter mit dem Neubau einer Pionierkaserne an der Brenkhäuser Straße erstmals eine geschlossene militärische Anlage, die den heutigen Vorstellungen von Kaserne entspricht.

Während das Stadtarchiv Höxter über einen erstaunlich umfangreichen Aktenbestand über »Militärangelegenheiten« verfügt, gibt es zur Thematik nur wenige Abbildungen. Der Autor hofft, »dass sich zur Illustration noch Abbildungen und Fotografien in Privatbesitz finden lassen, auf denen militärische Anlagen oder Aufmärsche zu sehen sind.«

Die Exerzierhalle am Wall, die von Höxteranern auch für zahlreiche Feste genutzt werden konnte, existierte bis 1955. Die beiden Kasernen an der Albaxer Straße wurden in den 70er- und 80er Jahre abgerissen und die beiden Kasernengebäude an der Lütmarser Straße erst 2016 (wir berichteten). Aber auch Dokumente von ehemaligen Soldaten und aus Nachlässen, die im Zusammenhang mit der über 150-jährigen Garnisonsgeschichte der Stadt stehen, wären von Interesse. Ernst Würzburger ist unter 05271/692 39 86 (10 bis 18 Uhr) oder per Email wburger42@gmx.de erreichbar. Auch das WESTFALEN-BLATT nimmt Material entgegen: Telefon 05271/972852 (Michael Robrecht). Hier liegt der Schwerpunkt für geplante Foto-Veröffentlichungen auf den Zeiten der Bundeswehr.

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