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Fr., 28.07.2017

Alkoholkonsum bei Jugendlichen: St.-Ansgar-Krankenhaus und Caritas kooperieren Beraten ohne erhobenen Zeigefinger

Nach Partys, wie am 1. Mai am Godelheimer See in Höxter, haben Krankenhäuser oft mit betrunkenen Jugendlichen zu tun.

Nach Partys, wie am 1. Mai am Godelheimer See in Höxter, haben Krankenhäuser oft mit betrunkenen Jugendlichen zu tun. Foto: M. Robrecht

Höxter (WB/iwas). Rund 50 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren sind im vergangenen Jahr mit Verdacht auf eine Alkoholvergiftung in Krankenhäuser im Kreis Höxter eingeliefert worden. Um die Betroffenen vor einer möglichen Wiederholungstat zu schützen, bieten das St.-Ansgar- Krankenhaus Höxter und die Caritas Beratungsstelle Eltern, Kinder und Jugendliche aus Brakel jetzt Fachberatungen an.

Dabei werden Mitarbeiter im Krankenhaus, direkt nach der Ausnüchterungs-Phase, den ersten Beratungskontakt anbieten. »Ziel ist es, den Betroffenen die Chance zu geben, das Erlebte zu reflektieren und offene Fragen zu klären«, erläutert Angela Sickes, Suchtprophylaxefachkraft des Caritasverbandes. Der Schwerpunkt soll vor allem auf die Zeit nach sogenannten »Stichtagen« wie Karneval, Fronleichnam, Christi Himmelfahrt und dem 1. Mai-Feiertag gelegt werden. »Wir wollen nicht mit erhobenem Zeigefinger zu den Kindern und Jugendlichen sprechen. Sondern wir möchten mit ihnen und den Eltern über dieses Thema reden, um sie zu sensibilisieren und künftig auch zu schützen«, sagt Naznine Soundarjee, Leiterin der Beratungsstelle in Brakel. Vor allem für ihre Entwicklung sei es wichtig, einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol zu erlernen – dabei sei das gesamte Familiensystem gefragt.

Einer der Befürworter dieses Projekts ist Firooz Ahmadi, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin im St.-Ansgar-Krankenhaus Höxter. Er ist einer von ihnen, der regelmäßig mit diesen Kindern und Jugendlichen, die aus verschiedenen sozialen Schichten stammen, in Kontakt kommt. »Viele von ihnen werden in einem sehr schlechten Zustand eingeliefert. Zur intensiven Beratung ist die Unterstützung und die Fachkompetenz des Caritas Beratungszentrums eine sehr gute Ergänzung zu unserem Beitrag«, sagt er.

Weil die Mitarbeiter des Beratungszentrums nicht täglich vor Ort sein können, wurden als Hilfsmittel Infokarten entwickelt, die Betroffene über das freiwillige Angebot informieren. Die Kosten dafür übernimmt der Kreis Höxter. »Betroffene sollten nach einem Krankenhausaufenthalt wegen einer Alkoholvergiftung nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Gerade Eltern können in einem Gespräch wertvolle Tipps für das Gespräch mit ihrem Kind erhalten«, ist sich auch der Fachbereitsleiter Familie, Jugend und Soziales des Kreises Höxter, Gerhard Handermann, sicher.

Entwickelt wurde diese Maßnahme innerhalb des Projektes »GigA – Gemeinsam initiativ gegen Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen im Kreis Höxter«. Seit 2011 ermöglicht diese Steuerungsgruppe verschiedene Aktionen zur Prävention des Alkoholmissbrauchs und zum Jugendschutz im Kreis Höxter. Weitere Infos zu dem Projekt gibt es unter www.gemeinsaminitiativ.de.

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