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Mo., 09.10.2017

Exerzieren in Höxter: Traditionsdarsteller erwecken Kaisers Zeiten zum Leben Mit Pickelhaube und Monokel

Kaisers Zeiten: Christoph Otten (links) mit Konrad Schumacher, Lorenz Kaun, Sebastian Rühmann, Michael Kämer, Udo Strijewski, Christopher Sonder, Peter Krupp, Frank Alperstedt, Gerd Schulze, Uwe Schött, Christoph Berndt, Jörg Springhardt, Dietmar Gloede, Fenris Kaczorek, Götz Graf und Elke Labenski.

Kaisers Zeiten: Christoph Otten (links) mit Konrad Schumacher, Lorenz Kaun, Sebastian Rühmann, Michael Kämer, Udo Strijewski, Christopher Sonder, Peter Krupp, Frank Alperstedt, Gerd Schulze, Uwe Schött, Christoph Berndt, Jörg Springhardt, Dietmar Gloede, Fenris Kaczorek, Götz Graf und Elke Labenski.

Von Michael Robrecht

Höxter (WB). Pickelhauben, Wilhelm II-Schnurrbärte, Säbel, Marschgeräusche, zackige Befehle und blitzblanke Uniformen aus der Kaiserzeit: In Höxters General-Weber-Kaserne sind keine Szenen mit Komparsen des ABC-Abwehrbataillons 7 für einen Kinofilm gedreht worden. Vielmehr haben sich drei Dutzend Traditionsdarsteller in Höxter getroffen, um ein nicht alltägliches Hobby zu pflegen.

Warum führen Männer mittleren Alters und auch ein paar ältere Jahrgänge historische Uniformen spazieren und lassen sich beim Formaldienst wie zur Preußenzeit freiwillig drillen? »Wir sind keine Militaristen, sondern militärisch und allgemeinhistorisch interessierte Bürger, die sich speziell mit der Zeit bis zum Ende des 1. Weltkriegs 1914 bis 1918 befassen«, sagen Michael Krämer (Nieheim), Uwe Schött (Warburg), Christoph Otten (Höxter), Fenris Kaczorek (Amelunxen) und Werner Zühlke (Höxter). Zusammen mit Kameraden aus Berlin, Hamburg, Magdeburg, Mönchengladbach, Stendal, Sachsen und Hessen stellen sie Situationen und Ausbildungen der Kaiserzeit nach – und haben ihren Spaß dabei.

Wenn Major Otten, der einen Offizier der vor mehr als 100 Jahren in Höxter stationierten 55er Infanterie darstellt, den Hamburger Konrad Schumacher mit strengem Vorgesetzten-Blick wegen eines Missgeschicks tadelt, dann blitzt kurz der Geist jener Zeit auf, der im Film »Der Untertan« oder in »Bismarck« so treffend dargestellt wird. Hier beim Treffen, organisiert vom neuen »Traditionsverband VII. Armeekorps Münster zu Höxter«, ist immer eine Mischung aus absoluter Ernsthaftigkeit und historischer Genauigkeit in der Inszenierung und einem Augenzwinkern dabei, wenn ein Pickelhaubenträger wie der Berliner Hauptmann Gerd Schulze mit seinem Monokel Kommandos wie »Alles auf, Marsch, Marsch« brüllt. So müssen sie gewesen sein, die Kommisköppe mit Spitzbart, unter denen so viele Jahrgänge gedient haben. Unteroffizier Schumacher trägt keinen Schaden davon, wenn er den Befehlston hört: »Das gehört hier dazu«, grinst der Lehrer aus Hamburg.

Die Gäste werden von Christoph Otten in Uniform dann noch in einer militär-historischen Stadtführung durch Höxters Garnisonsgeschichte geführt, die um 1860 begann. Frühere Preußenkasernen, Denkmäler und Straßennamen waren Thema. Und auch eine Dame wurde in der Männerriege »geduldet«: Elke Labenski aus Berlin stellt überzeugend eine auf den Schlachtfeldern eingesetzte Rot-Kreuz-Schwester dar.

Man werde zu Stadtjubiläen, Feiern, Hoffesten wie in Rheder oder Kasernenveranstaltungen eingeladen, berichten die Traditionsdarsteller, die festgestellt haben, dass das Interesse an der Geschichte, und auch der Militärgeschichte, wieder unverkrampfter gesehen wird und auf größeres Interesse stößt als noch vor einigen Jahren.

Jubiläen und Kontakt

Das Jahr 2017 ist auch Sicht der Uniformfreunde prädestiniert für ein Gedenk- und Aktionstreffen wie in der Kaserne Höxter: 100 Jahre 1. Weltkrieg, 100 Jahre Schlacht bei Verdun, 150 Jahre Düppeler Schanzen und Königgrätz, gut 60 Jahre Bundeswehr in Höxter und Erinnerung an Höxters lange Garnisongeschichte: Für die erste größere Veranstaltung des neuen Traditionsverein in Höxter sei das Wochenend-Treffen in der Kaserne ein schöner Erfolg gewesen. Die Gäste dankten der Leitung des ABC-Abwehrbataillons 7 in Höxter für Offenheit und Gastfreundschaft.

www.husarenmuseum.de

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