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Di., 10.10.2017

BI Höxter plant weitere Demonstration – Unverständnis in Fraktionen Unfallchirurgie-Streit: Spieß sagt Auftritt im Rat ab

In Höxter schlagen die Emotionen in der Debatte um den Weggang der Unfallchirurgie vom St. Ansgar nach Brakel hoch. 200 Demonstranten sind trotz Dauerregens vergangenen Freitag in die Marktstraße gekommen. Eine zweite Demo ist in diesem Oktober geplant.

In Höxter schlagen die Emotionen in der Debatte um den Weggang der Unfallchirurgie vom St. Ansgar nach Brakel hoch. 200 Demonstranten sind trotz Dauerregens vergangenen Freitag in die Marktstraße gekommen. Eine zweite Demo ist in diesem Oktober geplant. Foto: Sabine Robrecht

Von Michael Robrecht

Höxter (WB). Die Initiative »Unfallchirurgie sofort zurück nach Höxter« will den Druck auf die Katholische Hospitalvereinigung Weser-Egge (KHWE) erhöhen und plant eine zweite noch größere Demonstration. Für Kopfschütteln sorgte Dienstagabend die Absage des KHWE-Chefs Reinhard Spieß, im Rat Höxter zum Krankenhausstandort Höxter Rede und Antwort zu stehen.

Geplant war, dass Spieß in der Ratssitzung in Höxter am Donnerstag, 12. Oktober, im nichtöffentlichen Teil den Ratsmitgliedern zur Zukunft und Entwicklung des St.-Ansgar-Krankenhauses vorträgt und Fragen beantwortet. Die Ratsfraktionen CDU, SPD und BfH kündigten am Dienstagmittag an, dass der von Bürgermeister Alexander Fischer (SPD) mit Spieß verabredete Auftritt, per Geschäftsordnungsantrag in den öffentlichen Teil vorlegt werden sollte. Hintergrund für die Intervention war die aufgeheizte Stimmung um den umstrittenen Umzug der Unfallchirurgie und die neue Relevanz des Themas in Höxter.

Die Pläne der Ratsparteien sickerten am Dienstagnachmittag zur KHWE-Geschäftsleitung durch. Und die reagierte sofort, zog die Notbremse. Gegen Abend sagte Reinhard Spieß sein Erscheinen in der Ratssitzung in Höxter per Pressemitteilung ab: »Wir sind nicht bereit, in aufgeladener Atmosphäre das Thema zu diskutieren.« Die angedachte Behandlung des Themas im Rat Höxter sei deshalb verworfen worden. In einem Telefonat mit Bürgermeister Alexander Fischer sei vereinbart worden, »dass ein geeigneter Rahmen für den notwendigen Austausch mit dem Rat gefunden werden soll«.

Stefan Berens (CDU)

CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Berens zeigte sich gegenüber dem WESTFALEN-BLATT sprachlos, dass Spieß nicht mehr in den Rat kommen wolle. Das sei bedauerlich. Die Fraktion wünsche eine öffentliche Diskussion über die Konsequenzen des Umzugs vom 1. Februar. Per Geschäftsordnungsantrag wollten die CDU und andere Parteien die Öffentlichkeit am Donnerstag herstellen und ließen das Ansinnen über den Bürgermeister Spieß heute frühzeitig übermitteln. Man sei sogar bereit gewesen, den Antrag zurückzuziehen, wenn Spieß die Öffentlichkeit scheue und nur im nichtöffentlichen Teil dabei sein wolle. Es müsse den Bürgern klargemacht werden, dass Rat und Verwaltung nur geringe Aktien an der Umzugsentscheidung hätten und auch keinen Hebel, die Dinge zu revidieren. Wichtig sei, dass die KHWE-Leitung für mehr Transparenz sorge und Argumente für ihre Entscheidungen liefere.

Hermann Loges (BFH)

Hermann Loges (Fraktionschef Bürger für Höxter/BfH) erklärte, dass auch seine Fraktion einen öffentlichen Auftritt von Reinhard Spieß begrüßt hätte. Das sei bei der Relevanz des Themas und dem Stand der Diskussion in Höxter von öffentlichem Interesse. Es gehe nicht darum, jedes Krankenhausinterna auf den Tisch zu legen, sondern die Umzugsentscheidung im Rat zu erklären. Nach der Verlagerung der Unfallchirurgie stelle man Ärztetourismus und viele Defizite beim Zusammenspiel der Fachdisziplinen fest.

Werner Böhler (SPD)

Auch SPD-Fraktionsvorsitzender Werner Böhler sprach sich für eine öffentliche Diskussion mit Reinhard Spieß aus. Er unterstütze die Forderung nach Öffentlichkeit ganz klar. Es müsse deutlich werden, dass die Umzugsentscheidung Sache der Hospitalvereinigung und nicht von Rat und Stadtverwaltung gewesen sei. Man könne doch Punkte, die nichtöffentlichen Charakter hätten, in der Sitzung abkoppeln und dann im nichtöffentlichen Teil mit Reinhard Spieß weiter besprechen.

Ansgar Risse (BI)

Ansgar Risse (Sprecher der Bürgerinitiative »Unfallchirurgie sofort zurück nach Höxter«) verlangte eine öffentliche Debatte im Stadtrat mit KHWE-Chef Spieß. »Der Geschäftsführer kann nicht, wie seit Monaten, über die Kritik und die Proteste einfach hinweggehen«, sagte Risse. Die Bürger und Patienten hätten den Auftritt von Spieß im öffentlichen Teil der Ratssitzung begrüßt und wären gerne dabei gewesen. Risse kündigte zudem an, dass man in Kürze den Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker persönlich über die »so nicht weiter hinnehmbare Entwicklung in Höxter« informieren werde.

Geschäftsführer Reinhard Spieß

Mit zunehmender Sorge betrachtet die Katholische Hospitalvereinigung Weser-Egge (KHWE), »dass sich die Diskussion um das Thema Unfallchirurgie in Höxter von den Fakten gelöst hat«. In den öffentlich zugänglichen Videos von der Veranstaltung am Freitag in der Höxteraner Innenstadt würden von Teilnehmern unwahre Aussagen über die Hintergründe der Zusammenführung von Orthopädie und Unfallchirurgie und die Ausstattung des Krankenhausstandorts in Brakel in den Raum gestellt, beklagt die KHWE. »Uns ist es wichtig, dass wir in der Diskussion sachlich bleiben und nicht mit Falschmeldungen hantiert wird, die nur geeignet sind, die Bevölkerung zu verunsichern. Eine Diskreditierung unserer Mitarbeitenden werden wir nicht zulassen«, erklärte gestern KHWE-Geschäftsführer Reinhard Spieß.

KHWE-Geschäftsführer Reinhard Spieß. Foto: WB

Das Spezialisierungskonzept der vier Krankenhausstandorte habe sich gegen viele Widerstände als tragfähig herausgestellt, sagte Spieß. Auf diesem Weg gelte es nun weiterzumachen. Für die Unfallchirurgie am Standort Brakel sei ein weiterer Meilenstein erreicht worden: »Ein neuer Chefarzt hat seinen Arbeitsvertrag unterschrieben. Wir arbeiten mit aller Konsequenz am weiteren Aufbau des orthopädisch-unfallchirurgischen Zentrums in Brakel«, stellte Reinhard Spieß fest.

Umfassende Berichterstattung zum Streit um die Verlegung der Unfallchirurgie in der WESTFALEN-BLATT-Ausgabe am Mittwoch, 11. Oktober

 

Kommentare

Lieber Bewohner der Kreistadt Höxter,

auch wenn es Ihnen nicht gefällt, so gibt es noch weitere Städte im Kreis Höxter.
Auch diese Mitbürger hätten gerne kurze Wege zu einer ärztlichen Versorgung (z.B. Unfallchirurgie).
Brakel liegt nun mal besser und Höxter ist wahrlich nicht der Mittelpunkt der Erde.
Meiner Ansicht nach ist die geplante Spezialisierung und Standortplanung richtig.

1 Kommentare

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