Sa., 16.12.2017

Niederländische Fachfirma rettet die Corveyer Barockorgel – erste Zwischenbilanz »Königin« liegt auf der Intensivstation

Pfeife für Pfeife und Zentimeter für Zentimeter arbeiten die Fachleute einer niederländischen Firma die Corveyer Orgel auf. Ende 2018 könnte alles fertig sein.   

Pfeife für Pfeife und Zentimeter für Zentimeter arbeiten die Fachleute einer niederländischen Firma die Corveyer Orgel auf. Ende 2018 könnte alles fertig sein.    Foto: Harald Iding

Von Harald Iding

Höxter (WB). Sie ist vor einem Jahr in alle Einzelteile zerlegt, sicher verstaut und in die Niederlande transportiert worden: die barocke Corveyer Springladenorgel. Wie sieht die Zukunft des Juwels des Westwerkes aus und wann erklingt die »Königin der Instrumente« wieder im Weltkulturerbe? Die Beteiligten haben im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT eine erste Bilanz gezogen.

Der Dekanatskirchenmusiker und Orgelbeauftragte in der Erzdiözese Paderborn sowie Leiter des Orgelmuseums Borgentreich, Jörg Kraemer, suchte kürzlich mit weiteren Experten den Fachbetrieb in Zaandam (nördlich von Amsterdam) auf. »Dort ging es zunächst schwerpunktmäßig um die historischen Windladen, die aus Eichenholz sind. Wir haben uns darauf geeinigt, wieder Eiche zu verwenden.

Das Holz soll aber mit Kreide gewissermaßen geschützt werden. Es geht darum, den Säureaustritt zu begrenzen.« Was das Pfeifenmaterial anbetrifft, will man für die neu zu bauenden Pfeifen wahrscheinlich eine Bleilegierung verwenden – mit zwei Prozent Zinn. Es soll so nah wie möglich an die historischen Vorbilder kommen. Aber durch den Anteil von Zinn könne der gefürchtete »Bleifraß« verhindert werden.

Große Leidenschaft

Jörg Kraemer begleitet mit großer Leidenschaft das Projekt: »Die Restau­rierung einer so alten wie wertvollen Orgel ist nicht alltäglich. Zudem wird bekanntlich eine große Summe auch an öffentlichen Mitteln eingesetzt. Man bemüht sich nach Kräften, dass das Geld vernünftig eingesetzt wird.«

Kraemer gehöre zur fachlichen »Kernbesetzung« der Orgelkommission, die jetzt zum niederländischen Unternehmen gereist ist. »Zwei Sachverständige vom Denkmalamt und ich als Vertreter des Bistums waren dabei.«

Enge Zusammenarbeit

Die beauftragte Firma sei verteilt auf zwei Betriebsstätten. Dort kümmern sich mehr als 20 Mitarbeiter um die schwierigen Fälle. »Sie habe eine reiche Erfahrung, was solche Restaurierungen anbetrifft«, weiß Kraemer. Der Chef kümmere sich sogar selbst mit um die perfekte Umsetzung. Und wie schätzt der Orgelfachmann aus Borgentreich den weiteren Verlauf der Wiederherstellung der Orgel ein? »Da habe ich ein sehr gutes Gefühl, auch was die Fertigstellung bis Ende 2018 anbetrifft.« Auch die enge Zusammenarbeit mit den Kollegen vom Landschaftsverband würde absolut reibungslos verlaufen.

Förderverein »Chorus« hat viel geleistet

Mindestens 1,1 Millionen Euro verschlingt das Mammutprojekt und es gibt einen langen Maßnahmenkatalog. Dazu gehören die Beseitigung der Klang- und Baufehler früherer Restaurierungen; die Erneuerung und Restaurierung historischer Bauteile sowie »klimatische Erhaltungsmaßnahmen« zur nachhaltigen Sicherung. Im Oktober 2016 ist die komplette Orgel abgebaut sowie fachgerecht (nach Registern und Größen sortiert) nach Zaandam gebracht worden.

Der Vorsitzende des Fördervereins »Chorus« (Abkürzung für »Corveyer Hilfswerk Orgel-Rettung und -Sicherung«), Heinz-Hermann Doninger, betonte jetzt im Beisein von Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek und Architekt Albert Henne: »Wir stehen als Förderverein, der 2009 gegründet worden ist, voll hinter der Maßnahme. ›Chorus‹ ist ausschließlich für den Erhalt der Orgel ins Leben gerufen worden. Ich trenne das klar von den anderen Aktivitäten im Zusammenhang mit Westwerk und Weltkulturerbe.«

Sponsoren aus der ganzen Region

Zahlreiche Sponsoren wie Firmen und Gruppen aus dem gesamten Kreis Höxter sowie dem Nachbarkreis Holzminden hätten mit ihren Spenden erst diese umfängliche Restaurierung ermöglicht. »Als ich Ende 2012 hier anfing, waren es 80.000 Euro an Spenden. Danach ging es rasant in die Höhe. Ich konnte mein berufliches Netzwerk gut einbringen. Daraus sind bis heute als Vereinsleistung 330.000 Euro geworden.« Das Land, der Bund und weitere Förderer seien an der Gesamtinvestition beteiligt. Man sei immer noch für jede Spende dankbar, so Doninger.

Einweihung im Frühjahr 2019

Die bisherige Optik der historischen Pfeifen soll erhalten bleiben, stellt Pfarrdechant Krismanek fest. Nach der Restaurierung will man in der Winterpause Ende 2018 die neue »alte« Orgel inthronisieren. Im Frühjahr 2019 könnte die Einweihung erfolgen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5362949?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516020%2F