Fr., 12.01.2018

Vorstand Pfarrerin Birgit Möhrke-Schreiner nimmt Abschied – Unfall durchkreuzt Pläne Das Gesicht des Petristifts

Abschied und Neuanfang im evangelischen St.-Petri-Stift in Höxter: (von links) Stiftungsratsvorsitzender Clemens Brinkmann, der neue Vorstand Dirk Timmermann, seine Vorgängerin Pfarrerin Birgit Möhrke-Schreiner, ihr Ehemann Reinhard Schreiner (Pfarrer im Ruhestand), Jörg Köhler (Vorsitzender der Gesamt-Mitarbeitervertretung), Stephan Kurze (er hat Leitungsaufgaben des Vorstandes nach dem Unfall von Birgit Möhrke-Schreiner übergangsweise wahrgenommen) und Pfarrer Gunnar Wirth.

Abschied und Neuanfang im evangelischen St.-Petri-Stift in Höxter: (von links) Stiftungsratsvorsitzender Clemens Brinkmann, der neue Vorstand Dirk Timmermann, seine Vorgängerin Pfarrerin Birgit Möhrke-Schreiner, ihr Ehemann Reinhard Schreiner (Pfarrer im Ruhestand), Jörg Köhler (Vorsitzender der Gesamt-Mitarbeitervertretung), Stephan Kurze (er hat Leitungsaufgaben des Vorstandes nach dem Unfall von Birgit Möhrke-Schreiner übergangsweise wahrgenommen) und Pfarrer Gunnar Wirth. Foto: Sabine Robrecht

Von Sabine Robrecht

Höxter (WB). Abschied und Neubeginn haben in der Marienkirche dicht beieinander gelegen: Pfarrerin Birgit Möhrke-Schreiner (59) übergab den Staffelstab des St.-Petri-Stifts an Dirk Timmermann. Der 39-Jährige übernimmt ihre Führungsaufgaben als hauptamtlicher Vorstand.

Vorgängerin Birgit Möhrke-Schreiner hatte sich alles ganz anders vorgestellt. Zum 30. September 2017 wollte sie vom Petristift Abschied nehmen und sich beruflich noch einmal neu ausrichten, eventuell wieder in der Seelsorge. So war der Plan. Ein schwerer Verkehrsunfall im März 2017 machte den Neustart aber erst einmal zunichte. Bis heute leidet sie an den gesundheitlichen Folgen und weiß nicht, ob und wann sie wieder dienstfähig sein wird. »Aber die Hoffnung stirbt zuletzt«, lässt die 59-Jährige den Mut nicht sinken. »Gott wird mir den Weg zeigen.«

Immer eine Herzensangelegenheit

Wohin dieser Weg auch führen mag – »die Zukunft des Stiftes wird mir immer eine Herzensangelegenheit bleiben«, signalisierte die scheidende Chefin nach dem bewegenden Abschiedsgottesdienst, zu dessen Gästen auch Superintendent Volker Neuhoff gehörte. Die Menschen lagen ihr in all den Jahren immer am Herzen. Deshalb war es auch ihr Wunsch, dass der Chor des zum Petristift gehörenden Ludwig-Schloemann-Hauses ihren Abschied mitgestaltet. »Ihr glaubt nicht, wie ich mich auf Euch gefreut habe«, rief Birgit Möhrke-Schreiner den Sängern und ihrem Chorleiter Franz Darley zu, »weil das, was Euch zusammenhält, für mich prägend war in meiner Zeit im Petristift«.

26 Jahre die Geschicke des Stifts gelenkt

Diese Zeit währte 26 Jahre. Damals noch Pfarrerin an St. Kiliani (die Pfarrstelle teilte sie sich mit Ehemann Reinhard Schreiner), übernahm sie 1991 im Stift Verantwortung. An das Datum ihrer ersten Sitzung als Vorsitzende des ehrenamtlichen Vorstandes, den 21. Juni 1991, erinnert sie sich als wäre es gestern gewesen – allerdings aus einem ganz anderen Grund: »Damals kam unsere Tochter Maike zu uns.« Drei Wochen später verstärkte Sohn Ramon die Familie. »Und ich hatte im Petri-stift den Fuß in der Tür.« Beruflich und familiär »war damit bei uns die Zukunft komplett«.

Bewegte Zeiten

Ab 1998 war Möhrke-Schreiner dann hauptamtliche Geschäftsführerin und nach der Satzungsänderung ab 2002 hauptamtlicher Vorstand des Petristifts. In ihre Jahre fielen Umbrüche und Veränderungen. »Als sie kam, standen noch Kühe im Petrihof«, erinnerte Pfarrer Gunnar Wirth, der den Abschiedsgottesdienst würdig gestaltete, an die Anfänge. »Neue Einrichtungen wurden eröffnet, andere geschlossen oder in neue Hände übergeben.« Der Geistliche verwies natürlich ebenso wie Stiftungsratsvorsitzender Clemens Brinkmann auf die größte Herausforderung, den Umbau und die durchgreifende Umgestaltung des Konrad-Beckhaus-Heims. Investitionssumme: zehn Millionen Euro. Vize-Bürgermeister Günther Ludwig nannte das Seniorenheim in seinem Grußwort treffend das »Flaggschiff des Petristifts«.

Birgit Möhrke-Schreiner hat Leitbild entworfen

Ein ähnliches Bild hatte Clemens Brinkmann zuvor in Würdigung von Birgit-Möhrke-Schreiner gebraucht: Sie sei das »Gesicht des Petristifts«. Die Pfarrerin habe getreu dem diakonischen Gedanken und dem von ihr selbst entworfenen Leitbild gehandelt. Übernommen habe sie ihre verantwortungsvollen Aufgaben für das Petristift in bewegender Zeit. »Damals knirschte es im Getriebe«. Möhrke-Schreiner habe Brücken gebaut, Missverständnisse ausgeräumt und mit ihrer Empathie und ihrem Fingerspitzengefühl die Wogen geglättet.

Sie selbst hob in ihrer engagierten Bilanz-Ansprache hervor, dass in ihrem Denken und Handeln immer der Mensch im Mittelpunkt gestanden habe und nicht seine Wirtschaftlichkeit. »An vielen Stellen war meine Tätigkeit ein Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und diakonischem Anspruch.« Das größte Kapital »waren und sind die Mitarbeiter.« Vor ihnen allen – den Haupt- und Ehrenamtlichen – ziehe sie ihren Hut, so die scheidende Chefin.

Herzlichkeit und Achtsamkeit gewürdigt

Das tun Weggefährten vor ihr. Jutta Vormberg, Vorstand der Diakonie Paderborn-Höxter, und Gerhard Lambracht von einer der Beratungsstellen würdigten ihre Herzlichkeit und ihre Zugewandtheit zu den Menschen. Jörg Köhler (Gesamt-Mitarbeitervertretung Petristift) dankte für ihre Achtsamkeit gegenüber den Mitarbeitern. Pfarrer Dieter Maletz hob die Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinde und Petristift hervor. Und Gemeindereferentin Marie-Luise Bittger vom katholischen Pastoralverbund Corvey lobte den ökumenischen Schulterschluss.

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