Mi., 14.02.2018

Vorstand des Fischereivereins errichtet Storchennest auf dem Dachfrist der alten Schmiede in Lüchtringen Sommerresidenz mit Blick auf Corvey

Jetzt fehlen nur noch die weißen Farbkleckse, ansonsten ist das Nest fertig: Burkhard Schwiete (von links), Karl-Heinz Nolte, Rolf Brockmann und Friedel Höke haben ganze Arbeit geleistet. Auf dem Dach des Vereinsheims wird das Nest weithin sichtbar sein.

Jetzt fehlen nur noch die weißen Farbkleckse, ansonsten ist das Nest fertig: Burkhard Schwiete (von links), Karl-Heinz Nolte, Rolf Brockmann und Friedel Höke haben ganze Arbeit geleistet. Auf dem Dach des Vereinsheims wird das Nest weithin sichtbar sein.

Von Sabine Robrecht

Höxter (WB). Boffzen, Lütmarsen, Ovenhausen: Wie an einer Perlenschnur reihen sich in der Region Nisthilfen für Störche auf. Ein neues Glied in dieser Kette ist Lüchtringen: Meister Adebar kann auf dem Dach der Schmiede direkt an der Weser eine Wohnung in 1A-Lage beziehen. Der Vorstand des Fischereinevereins macht’s möglich.

Dort oben bekommt Meister Adebar sein Nest: Auf dem Dach der alten Schmiede ist alles vorbereitet. Rolf Brockmann (von links), Burkhard Schwiete, Karl-Heinz Nolte und Friedel Höke freuen sich auf die ersten Nestbewohner. Foto: Sabine Robrecht

Alle Augen schauen demnächst hinauf zum neuen Horst: Aus dem Dorf und auch vom Radweg auf der anderen Weserseite aus werden die Menschen mit großer Erwartungsfreude im Auge behalten, ob ein Storch nach Lüchtringen zieht – in jenes liebevoll und fachgerecht gemachte Nest, dessen Aussicht hinaus auf das Welterbe Corvey schon Grund genug sein müsste, die »Sommerresidenz« zu beziehen. Die vier Vorstandsmitglieder des Fischereivereins malen es sich in den schönsten Farben aus, wie es ist, wenn Storch und Störchin im Liebeswerben klappern, während sie auf der Terrasse des Vereinsheims den Blick auf die Weser genießen.

Angler sind auch Vogelfreunde

Auf jeden Fall werden sie immer mehr auch zu Vogelfreunden, stellen Friedel Höke, Karl-Heinz Nolte, Rolf Brockmann und Burkhard Schwiete im Rückblick auf die Nestbau-Zeit fest. Neben Meister Adebar laden sie auch Rauchschwalben ins Weserdorf ein. Rolf Brockmann hat Nisthilfen für sie gebaut und bringt die halbrunden Nester aus Holzbeton hoch oben am Deckenbalken der Deele in der vereinseigenen Hälfte der alten Hausstelle Lange Straße 1 an. Die Schmiede grenzt unmittelbar an, so dass sich Störche und Schwalben demnächst als Nachbarn und »Untermieter« des Vereins »Gute Nacht« sagen können.

Beitrag zum Erhalt der Grundschule

Zunächst kommt aber am Samstag, 17. Februar, um 10 Uhr ein Kran, der das Storchennest aufs Dach hievt. »Wir würden uns freuen, wenn die Lüchtringer sich das Spektakel anschauen«, sagt Friedel Höke. Die vereinseigene Schmiede sei früher immer ein besonderer Mittelpunkt im Dorfleben gewesen. Als solchen wollen die Vorstandsmitglieder den Standort jetzt mit Hilfe der Störche wiederbeleben. Und: Da die stolzen Vögel auch für den Nachwuchs zuständig sind, »leisten wir mit dem Nestbau vielleicht einen Beitrag zum Erhalt der Grundschule«, schmunzelt Friedel Höke. »Glück sollen Störche auch bringen«, ergänzt er. »Wenn das so ist, können sich unser Verein und das Dorf glücklich schätzen.«

Nestbauer blicken optimistisch ins Frühjahr

Bei aller Begeisterung ist den Aktiven aber auch klar, dass ein Sofort-Bezug nicht selbstverständlich ist. Es kann Jahre dauern, bis ein Horst angenommen wird. Und selbst wenn’s schnell geht – wie 2017 in Ovenhausen – kann es passieren, dass der Nachwuchs es nicht schafft. Dann ist ein Nest schneller wieder leer als der Sommer zu Ende geht. Boffzen und Ovenhausen hatten 2017 am Ende beide kein Glück.

Weder dort, noch jetzt in Lüchtringen blicken die Nestbauer jedoch pessimistisch nach vorne. Ganz im Gegenteil. Neues Frühjahr, neues Glück – in Lüchtringen erstes Glück. Auf dem Dachfirst der Schmiede sind die vorbereitenden Arbeiten abgeschlossen. Das gewaltige Nest mit 1,50 Metern Durchmesser steht samt stabilem Metallgestell bereit. Friedel Höke und seine Mitstreiter danken der Firma Reitz mit ihrem Geschäftsführer Elmar Gierse, deren Unterstützung sich auf mehrere tausend Euro beläuft. »Ohne diese Hilfe hätten wir das Projekt nicht realisieren können.«

Nahrungsangebot ist ausreichend

Hubert Drüke, Meister bei Reitz, hat unter Mithilfe der Lüchtringer das Gestell angefertigt und neben seiner Fachkenntnis viel Herzblut eingebracht. »Vom NABU haben wir Unterlagen für den Bau bekommen.« Den NABU Höxter und Holzminden hatten die Lüchtringer auch einbezogen, als sie 2017 die Idee hatten, ein Storchennest zu bauen. Die Naturschützer ordnen den Standort als günstig ein und sehen im Corveyer Land und den vielen Teichen in Holzminden ein ausreichendes Nahrungsangebot. »Durch die gute Population im Raum Minden fehlen Nistplätze für Jungstörche.«

Weserbergland auf dem Weg zur Storchenregion

Von Boffzen über Lüchtringen bis Ovenhausen gibt’s Auswahl. Das Weserbergland als zweiter Storchenkreis neben Petershagen: Der Einsatz vieler Vogelfreunde entlang der Perlenschnur erhöht die Chancen. »Wir als Angler wollen einen Beitrag leisten. Angeln und Naturschutz gehören zusammen und haben auch Zukunft.« Die Begeisterung der Menschen für die Störche in Boffzen und Ovenhausen beflügelt zusätzlich. So werden sicherlich viele Gäste zum Expertenforum des Fischereivereins am Freitag, 16. März, 19.30 Uhr in die Schmiede kommen. Zu dem Gesprächspartnern gehört der ehrenamtliche Storchenbeauftragte des NABU, Ewald Frisch.

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