Do., 08.03.2018

Landfrauen veranstalten Podiumsdiskussion mit Politikerinnen »Weil wir mitgestalten können«

Teilen ihre Erfahrungen als Frauen in der Politik (von links): Grünenpolitikerin Monika Düker, Elisabeth Klennert von der CDU, Moderatorin Katharina von Ruschkowski und Mechthild Cramme, ehemaliges SPD-Mitglied im Kreistag.

Teilen ihre Erfahrungen als Frauen in der Politik (von links): Grünenpolitikerin Monika Düker, Elisabeth Klennert von der CDU, Moderatorin Katharina von Ruschkowski und Mechthild Cramme, ehemaliges SPD-Mitglied im Kreistag. Foto: Marlene Groffmann

Von Sarah Schünemann

Höxter (WB). Seit 100 Jahren haben Frauen das Recht zu wählen. Seitdem haben viele Frauen die Politik mitgestaltet. Trotzdem gibt es noch reichlich Arbeit – das hat die Podiumsdiskussion »Was Frauen in der Politik alles erleb(t)en« während der aktuellen Frauenaktionswoche in Höxter gezeigt.

»Kein Männergemotze«

»Der heutige Abend soll kein Männergemotze werden«, beginnt Moderatorin Katharina von Ruschkowski die Runde und behält damit Recht. Über Probleme von Frauen in der Politik und nötige Veränderungen wurde sachlich diskutiert. Beispielsweise würden Männer oft die Spielregeln bestimmen, betonte Monika Düker, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag NRW. »Das beginnt bei der Rhetorik. Männer, die ihre Stimme erheben, gelten als stark. Bei Frauen hingegen wird allein auf Kompetenz und Argumentation geachtet«, meinte sie.

Die frühere stellvertretende Landrätin (als erste Frau in der Position), Mechthild Cramme, erlebte anfangs sogar Ausgrenzung. »Wenn ich zu Terminen kam, schlossen die Männer ihren Gesprächskreis. Ich musste bewusst dazwischen gehen, um wahrgenommen zu werden«, sagte sie – und ging deshalb zu jedem Termin. Als stellvertretende Bürgermeisterin in Steinheim machte Elisabeth Klennert ähnliche Erfahrungen. »Ich habe mich bewusst unter den Männern in ihren schwarzen Anzügen farbenfroh gekleidet«, so die CDU-Politikerin. Die politische Karriere einer Frau, so Düker, sei aber nicht schwerer sondern einfach anders.

Logik gegen Symbolik

Die Vorteile für die politische Landschaft in Deutschland sahen die Diskutanten ähnlich. »Wir brechen die übliche Argumentationsschiene auf«, sagte Klennert. Und die gebürtige Albaxerin Monika Düker stimmte ihr zu. Sie habe oft erlebt, dass Männer reflexartig argumentieren und Symbolpolitik machen, um Stärke zu zeigen. Frauen hingehen würden eine sachliche und logische Argumentation vorziehen. »Als Vorsitzende des Innenausschusses im Landtag musste ich einen Streit unter Politikern beenden. ›Meine Herren, können sie sich bitte zusammenreißen.‹ – dieser etwas ironische Satz tat seinen Zweck. Aus Anstand fingen sie nicht an, mich in den Streit einzubinden«, berichtete Düker. »Durch die weibliche Moderation kommen Entscheidungen zustande, die vorher nicht möglich gewesen wären«, weiß auch Klennert aus der Arbeit im Finanzausschuss ihrer Stadt.

»Kein feministischer Freundeskreis«

Wichtig seien für Frauen in der Politik Netzwerke. Ob dies reine Frauennetzwerke oder gemischte Kreise sind, sei von der Situation abhängig. Außerdem, so Cramme, bräuchten sie einen langen Atem, ein dickes Fell und Optimismus. »Es gibt keine politische Biografie ohne Niederlagen. Frauen müssen lernen, damit umzugehen. Wir neigen zu Selbstzweifeln«, erklärte Landtagsmitglied Düker. Auch der Umgang mit der weiblichen Konkurrenz sei wichtig. »Wir sind kein feministischer Freundeskreis, aber wir müssen Bündnisse eingehen«, stellte sie fest.

Für die Männer gab es gleich auch Ratschläge. »Wir brauchen positive Unterstützung«, erklärte Cramme. Meist werde gesagt, es gebe keine Interessentinnen, aber oft fehle nur der Wille, auf diese zuzugehen. »Ich habe meinem Mann viel zugemutet«, erinnerte sich Klennert. Für Frauen seien familienfreundliche Strukturen ebenso wichtig wie familiärer Rückhalt: Sitzungen müssen später anfangen oder der Mann muss abends die Kinderbetreuung übernehmen. Das macht es für junge Frauen schwer, politisch aktiv zu sein. »Die Gruppe der jungen Frauen mit Familie ist in der Politik kaum vertreten. Um ein Spiegelbild der Gesellschaft zu sein, fehlen sie aber«, merkte die Grünenpolitikerin an.

Erste Höxteraner Bürgermeisterin dabei

Was die Politik so wunderbar macht? »Weil wir mitgestalten können«, antwortete Klennert. »Es kann viel daraus wachsen und die Erfolge kann man sehen.« Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen war für Düker stets ausschlaggebend. Am Ende meldete sich die damals erste Höxteraner Bürgermeisterin Dorothee Baumgarten zu Wort: »Die Männer dürfen nicht verallgemeinert werden. Ich habe viel männliche Unterstützung erfahren.«

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