Sa., 14.04.2018

Höxteraner Bürgerinitiative erhält Post von der Landesregierung – BI sammelt Patienten-Fallbeispiele 45 Firmen wollen Unfallchirurgie zurück

Von Michael Robrecht

Höxter/Brakel (WB). Seit der Demo im Oktober 2017 und dem Schlagabtausch im Kreistag ist die öffentliche Auseinandersetzung um die Verlegung der Unfallchirurgie vom St.-Ansgar-Krankenhaus in Höxter an das St. Vincenz-Hospital in Brakel verstummt.

Ad acta gelegt wurde das strittige Thema für die Bürgerinitiative jedoch noch lange nicht. Aus Düsseldorf kam ein Ministerbrief. Patienten legten der BI Beschwerden vor. Und: 45 Firmen schließen sich der Forderung der BI auf Rückkehr der Unfallärzte an.

»Wir kämpfen weiter, und ab diesem Frühjahr auch wieder verstärkt öffentlich«, formulieren die BI-Sprecher Ansgar Risse und Ludger Haferkemper, dass man sich mit der aktuelle Situation auf keinen Fall abfinden und klein beigeben werde. Ziel der Initiative und ihrer Unterstützer aus Höxter sei es, das St. Ansgar »wieder voll funktionsfähig« zu machen und die Abstimmung der Patienten mit Füßen in Richtung Krankenhaus Holzminden zu stoppen.

Über 10.000 Unterstützer

Die BI »Unfallchirurgie sofort zurück nach Höxter« habe jetzt Petitionen und Unterschriften von 45 heimischen Unternehmen, darunter auch einige sehr große, vorliegen, die die sofortige Rückkehr der Unfallchirurgie nach Höxter forderten. Die Firmen würden für viele der 5000 Mitarbeiter und sicher auch für deren Familien sprechen. Zusammen mit den mehr als 5000 Namen der Unterschriftensammlungen habe man die 10.000er Unterstützer-Grenze locker übersprungen, weißt Ansgar Risse darauf hin, dass das ein relevanter Protest und eine ernst zu nehmende Zahl Kritiker sei.

Aufmerksam registriert hat die Bürgerinitiative auch, dass sich Reinhard Spieß, Geschäftsführer der Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge bisher – anders als angekündigt – immer noch nicht mit Rat und Stadtverwaltung oder dem Bürgermeister zum Gespräch getroffen habe – was die Verwaltung bestätigte. Auch habe es kein Gesprächsangebot der KHWE an die BI gegeben.

Demo 2017 Foto: Robrecht

Die Initiative beklagt, dass mit der Verlegung der Unfallchirurgie ein hervorragend funktionierendes System am St. Ansgar zerschlagen worden sei und die Höxteraner sowie die Patienten aus dem Weserbergland und besonders Senioren etliche Nachteile durch den neuen Standort Brakel in Kauf nehmen müssten (wir berichteten). Ansgar Risse und Ludger Haferkemper sind an weiteren Fällen interessiert, wie die Behandlung von unfallchirurgischen Patienten im ersten Jahr der Umstellung gelaufen sei. Es habe schon viele Briefe, Mails und persönliche Gespräche gegeben.

Risse wies auch darauf hin, dass Höxter einst als Schwerpunktkrankenhaus für ein Einzugsgebiet von 140.000 Menschen für den Oberweser-Raum errichtet worden sei – weniger als Krankenhaus für den Gesamtkreis Höxter. Und: Eine Konzentration der Krankenhauskapazitäten habe kürzlich die AOK gefordert: Kliniken mit mehr als 500 Betten würden Regel. Mit Blick darauf könne man Höxter nicht schwächen.

Hoffnung auf Umdenken

Die Bürgerinitiative bedauert, dass die Hospitalvereinigung auf keine ihrer Kritikpunkte eingehe. »Wir setzen nun darauf, dass sich mittelfristig etwas tut, und dass die Geschäftsführung umdenkt«, meinen Risse und Haferkemper. Möglicherweise tue sich mit dem neuen Chefarzt etwas. Eine veränderte Gesamtlinie sei aber wohl erst mit einem neuen Geschäftsführer realisierbar – wenn Reinhard Spieß in den Ruhestand gehe, hoffen die BI-Sprecher. Vielleicht gebe es auch bald die Einsicht, dass Höxter die Zulassung der Berufsgenossenschaft für Unfallchirurgie schnell wieder bekommen müsse; das sei auch ein klares Anliegen der vielen Firmen, die den BI-Protest unterstützten, weil sie ihre Mitarbeiter nicht nach Brakel schicken möchten.

Die Bürgerinitiative »Unfallchirurgie sofort zurück nach Höxter« hat vor einigen Tagen eine Antwort aus dem NRW-Ministerium für Arbeit, Gesundheits und Soziales im Namen von Minister Karl-Josef Laumann erhalten, dem die Lage und der Kritik aus Höxter an der Verlagerung der Unfallchirurgie und der Zusammenführung mit der Brakeler Orthopädie detailliert in einem Schreiben Ende Januar vorgetragen worden war. Viel Unterstützung erhielt die BI aus Düsseldorf nicht. Der Vorwurf, dass am Standort Brakel keine ausreichende unfallchirurgische Versorgung erfolgen könne, da dort weitere Fachdisziplinen wie Gefäß- und Viszeralchirurgie sowie Labor, Röntgen und Intensivstation fehlten, entspreche nicht den Tatsachen, so Düsseldorf.

Brakel habe alle notwendigen Ausstattungsmerkmale. Das Ministerium erklärte ferner, dass weder bei der Bezirksregierung noch beim Gesundheitsamt des Kreises konkrete Beschwerden aus der Bevölkerung vorliegen würden, dass Verletzte in Höxter abgewiesen worden seien und in der Ambulanz in Brakel lange Wartezeiten in Kauf nehmen mussten oder dort gar abgewiesen worden seien.

Die Unsicherheiten seien eher entstanden, da jetzt Fahrtzeiten nach Brakel in Kauf genommen werden mussten, weil die unfallchirurgische Notfallambulanz in Höxter weggefallen sei. »Den Wunsch, weiterhin eine Unfallchirurgie vor Ort in Höxter zu haben, kann das Ministerium nachvollziehen. Die Verlagerung nach Brakel führe aber zu keiner Verschlechterung der Versorgungsstruktur der Bevölkerung in Höxter, schreibt das Ministerium.

Blömker neuer Chefarzt

Frank Blömker (53), Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie, ist seit dem 1. April neuer Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie am Standort Brakel. Mit den Ärzten der Unfallchirurgie und weiteren Fachärzten, die ihm aus Bad Pyrmont gefolgt sind, sieht er die Klinik in Brakel gut aufgestellt. Neben dem neuen Chefarzt arbeiten am Standort Brakel zwölf Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie sieben Weiterbildungsassistenten in den Kliniken für Unfallchirurgie und Orthopädie, so die KHWE.

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