Di., 08.05.2018

»Spanische Flagge« erreicht an der Steilwand der B83 ihre nördlichste Verbreitungsgrenze Kleiner Falter mit großer Wirkung

Der B83-Schmetterling: Die »Spanische Flagge« (Euplagia quadripunctaria) gehört zur Familie der Bärenspinner.

Der B83-Schmetterling: Die »Spanische Flagge« (Euplagia quadripunctaria) gehört zur Familie der Bärenspinner. Foto: privat

Höxter/Holzminden (WB/ako). Die »Spanische Flagge« macht Schlagzeilen – und das etwa 1.600 Kilometer von der Iberische Halbinsel entfernt. Der Nachtfalter, der auch am Tag aktiv ist, lebt am Prallhang der Weser an der B83 und verhindert – wie berichtet – herkömmliche Sicherungsmethoden wie Stahlnetze, Schutzzäune und Felsanker.

Die wären nötig, um die B 83 unter der Steilböschung im Abschnitt »Steinmühle« vor herabstürzenden Felsbrocken zu schützen. Eine sieben Jahre dauerende Sperrung ist vom Tisch, jetzt werden Alternativen erarbeitet – darüber wurde berichtet. Schon am Freitag, 18. Mai, wird aber die Bundesstraße 83 – mindestens bis zum Jahresende – voll gesperrt.

Falter heißt auch »Russischer Bär«

Einer Leserin ließ die »Spanische Flagge« keine Ruhe. Sie studierte ihre Schmetterlingsführer, Fachbücher – und wurde einfach nicht fündig. Wir haben daher nachgefragt – bei den Experten vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Und ja, bei dem an der B83 lebenden Falter handelt es sich um die »Spanische Flagge«. Aber: Der Schmetterling wird auch »Russischer Bär« genannt. Und gerade in älteren Lexika taucht ausschließlich dieser Name auf. »Die Spanische Flagge gehört zur Gruppe der Bärenfalter, weil die Raupen stark behaart sind«, erklärt Carsten Lippe vom NLWKN. Die deutschen Namen seien oft unzuverlässig, weil sie regional unterschiedlich sein können oder sich mit der Zeit verändern. »Spanische Flagge« und »Russischer Bär« sind also ein und der selbe Schmetterling. Sein lateinischer Name ist »euplagia quadripunctaria«.

»Spanische Flagge« ist nicht selten

Die »Spanische Flagge« ist nicht selten. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel über Mitteleuropa, im Westen bis Südengland, sowie die gemäßigte Zone bis nach Russland. Im Norden reicht sie bis zum Baltikum, im Süden durch den Mittelmeerraum bis Vorderasien. Der Schwerpunkt der Vorkommen liegt im Mittelmeergebiet. Aber: Im südlichen Niedersachsen erreicht die Art ihre nördliche Verbreitungsgrenze. »Das ist das Besondere an dem Falter und deshalb ist er prioritär in der FFH-Liste eingetragen; und zwar unter dem Namen ›Spanische Flagge‹«, erklärt Carsten Lippert.

Mehrjährige Sperrung verhindert

Ein Gutachten zur Analyse der Gefährdungslage für den betreffenden Abschnitt der B83 ist laut Landesbetrieb Straßenbau Niedersachsen bereits im Jahr 2011 erstellt worden. Ergebnis war, dass zur dauerhaften Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit grundlegende Sicherungsarbeiten an der bis zu 70 Meter hohen Felsböschung erforderlich sind. Eine Umsetzung konnte aber aufgrund des vorhandenen europäischen Naturschutzgebietes (FFH) nicht erfolgen. Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies hat versichert, eine mehrjährige Vollsperrung zu verhindern. »Grund für die Sperrung, und das ist klar, ist nicht das Naturschutzrecht, sondern die erforderliche kurzfristige Sicherung der Felswand«, sagte er nach dem Treffen mit Vertretern der Kreise Höxter und Holzminden.

Kommentare

Klimaerwärmung in Zukunft

"Im südlichen Niedersachsen erreicht die Art ihre nördliche Verbreitungsgrenze. »Das ist das Besondere an dem Falter"

Da wollte anscheinend jemand eine möglichst lange Liste haben, sowas kommt davon wenn man Grüne gewähren lässt. Die Grünen sollten sich aber mal Gedanken machen wegen der Umweltverschmutzung durch Abgase und Lärm für weiträumige Umleitungen.Verschwendung von Ressourcen, Stress für die Bürger und hohe Kosten für das alles, auf der anderen Seite fehlt dann Geld, zum Beispiel um Wildbrücken zu bauen.

Aber diese Leute sehen ja eh nur den großen Topf wo man reingreifen kann. Problem ist auch solche Fehlentwicklungen wieder zu beheben. Es steht ja nicht in Stein gemeißelt mit diesem FFH Gebiet, aber sowas aufzuheben dauert dann wahrscheinlich 10 Jahre oder länger.

1 Kommentare

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