Mi., 16.05.2018

Erste Verhandlung über die genehmigungsrechtlichen Folgen durch die Welterbe-Unterschutzstellung von Corvey Streit um Schießstanderweiterung: Gericht schickt Beschluss Ende Mai zu

Jörg Suermann (rechts) und Rüdiger Multhaupt vom Schützenverein von 1883 am Schützenhaus mit Schießstand in Corvey.

Jörg Suermann (rechts) und Rüdiger Multhaupt vom Schützenverein von 1883 am Schützenhaus mit Schießstand in Corvey. Foto: Michael Robrecht

Höxter/Minden (WB/rob). Darf der Schützenverein Höxter seinen Schießstand am Schützenhaus in Corvey um 50 Meter verlängern oder geht das wegen der Unterschutzstellung des Areals durch die Welterbeanerkennung Corveys nicht? Das Verwaltungsgericht Minden hat den Fall in einer einstündigen Verhandlung am Dienstag erörtert und kündigte einen Beschluss für die nächsten Wochen an.

Die Stadtvertreter trugen ihre strenge Haltung vor, dass es laut Gesetz keinen Eingriffe in den geschützten Boden geben dürfe. Der Schießsportverein wollte sein Bauvorhaben nicht aufgeben und verklagte die Stadt, die in ihrem Bebauungsplan keine Erweiterung zuließ. Eine Kompromisslinie ist laut Schützenvereinsvorsitzendem Jörg Suermann weiter nicht sichtbar. Er berichtete aber von einem Gesprächsfaden zur Stadt: Bringt die Gartenschauplanung für den Archäologiepark neue Ideen für das Schützenhaus? Was machen die Schützen, wenn Minden eine Erweiterung ablehnt? Die Schützen haben einen Wegzug nie abgelehnt – wenn sie ordentlich entschädigt werden.

Der Hintergrund des Streits um das Corveyer Schützenhaus

Die Verwaltung habe durch die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans die Verhinderung jeglicher baulicher Veränderungen auf dem Vereinsgelände betrieben und verhindere so eine Schießstanderweiterung auf eine 100-Meter-Bahn, beklagt der Schützenverein von 1883 (nicht mit der Schützengilde zu verwechseln). Hintergrund für die Empörung des Vorstandes des SV 1883 war eine negative Antwort auf den erneut vorgelegten Antrag des Vereins, die bestehende 50-Meter-Schießanlage um 50 Meter zu verlängern und so einen 100-Meter-Kleinkaliber-Schießstand zu bekommen (wir berichteten). Also zog man 2017 vor das Verwaltungsgericht, dessen 1. Kammer jetzt verhandelte und Ende Mai ihren Beschluss den Kontrahenten zusenden will. Vertreter des Schützenvereins war Rechtsanwalt Bernd Thöne. Der Schießstand gilt laut Gericht nicht als baulich privilegiertes Vorhaben.

So könnte die Schießstanderweiterung in Corvey aussehen. Foto: WB

Jörg Suermann, Vorsitzender des Schützenvereins berichtete 2017, dass die 120 000 Euro teure geplant Erweiterungsanlage von den Archäologen des Landschaftsverbandes wegen der Welterbe-Archäologiepark-Ziele und wegen der dort denkbaren Bodendenkmäler der 1265 untergegangenen Stadt Corvey strikt abgelehnt worden sei. Auch die Gespräche mit Höxters Bauaufsicht seien lange vielversprechend verlaufen; der Bürgermeister habe Unterstützung für den Verein signalisiert. Doch dann sei plötzlich der Ablehnungsbescheid ins Haus geflattert, hieß es 2017.

Der Schützenverein wies darauf hin, dass man vertraglich die Verpflichtung eingehen wolle, den Erweiterungsschießstand auf eigene Kosten wieder zu demontieren, sollte das Welterbe-Archäologieparkkonzept verwirklicht werden.

Christian Sauer und Jörg Suermann sehen in einem Verbot jeglicher baulicher Veränderung eine Existenzgefährdung für den Schützenverein (200 Mitglieder). Das habe eine enteignende Wirkung.

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