Di., 12.06.2018

Gut besuchtes zweites Sommerkonzert im Kaisersaal von Schloss Corvey Wunderbare junge Stimmen

Sarah Aristidou, Sopranistin aus Frankreich, begeisterte in Corvey mit hohen Tönen aus tiefster Seele.

Sarah Aristidou, Sopranistin aus Frankreich, begeisterte in Corvey mit hohen Tönen aus tiefster Seele. Foto: Laura Dunkel

Von Dagmar Korth

Höxter/Corvey (WB). Das zweite Konzert der neuen Corveyer Sommerkonzerte ist in jeder Hinsicht als ein echtes Highlight vom Publikum wahrgenommen worden. Wunderbare junge Stimmen, ein hervorragender Pianist und ein angenehmer Moderator. Das Konzert war gut besucht.

Die Oper ist seit 400 Jahren die komplexeste und emotionalste Kunstform, die wir kennen; und eines zeichnet sie vor allem aus: entweder man liebt sie und ist ihr ein Leben lang verfallen oder man kann der Beschwörung der großen Gefühle nichts abgewinnen.

Unübliche Stücke und bekannte Arien

Das Programm des Sommerkonzertes im Kaisersaal von Schloss Corvey war klug gewählt. Dem Opernfan sicher durchweg vertraute Arien wurden vorgetragen, aber es waren vorwiegend nicht die sonst üblichen besonders publikumswirksamen Stücke. Vier junge Gesangssolisten, alle samt Stipendiaten der Liz-Mohn-Kultur- und Musikstiftung, hatten im sehr gut besuchten Kaisersaal Gelegenheit, ihre gesanglichen und gestalterischen Fähigkeiten zu präsentieren. Ein nicht zu unterschätzender Schwierigkeitsgrad für die Sänger ist es, in einem Konzert mit einzelnen Arien von oft sehr unterschiedlichen Komponisten den Charakter der einzelnen Opernfigur einzufangen und das Publikum, quasi aus dem Stehgreif, mit zu nehmen in eine dramatische oder melancholische Situation. Dieses Kunststück ist allen vier Solisten mit Bravour gelungen.

Solistinnen überzeugen das Publikum

Mit wunderbaren Koloraturen überzeugte Sarah Aristidou, Sopran mit der Glöckchenarie »Ou va la jeune indoue«, der Arie der Lakme aus der Oper »Lakme« von Leo Delibes, ebenso in der Arie der Gilda »Caro nome« aus »Rigoletto« von G. Verdi, in der sie anrührend das erste Verliebtsein eines jungen Mädchens schildert. Sarah Aristidous wunderschöne kraftvolle Stimme überzeugte: eine Sängerin von Format mit leuchtenden Sopranhöhen und mit so inniger wie intensiver Kantilene. In Mozarts »Cosi fan tutte« leitet das überirdisch schöne Duett Dorabella/Guglielmo »Il core vi dono« einen großen Treuebruch ein. Da führte Sarah Aristidou tadellos die von Mozart beschriebene »geläufige Gurgel« vor. Bei der zweiten Solistin des Abends, der Mezzosopranistin Corinna Scheurle, durfte man neben einen schönen Timbre vor allem die Balance von Tempo, Farbe und Dynamik bewundern. Scheurle verfügt über eine große füllige Mitte, wird aber auch in den Höhen nie spitz oder schrill. Unter anderem brillierte sie mit der Arie der Rosina »Una voce poco fa« aus »Il Barbiere di Siviglia« von G. Rossini – kapriziös und geschmeidig in Registerwechsel und Koloraturen.

Spitzentöne schießen wie Leuchtraketen in den Opernhimmel

Linard Vrielink ist ein junger Tenor aus den Niederlanden der sehr anrührend die Arie des Nadir aus »Les Pecheurs de Perles« von Georges Bizet sang. Leicht und strahlend, elegant und kultiviert. Das Fach des leichten, hellen, virtuosen Belcantotenors wird nicht von vielen Sängern bedient. Bei Linard Vrielink schossen Spitzentöne wie Leuchtraketen in den Opernhimmel – gleißend und federleicht. Mit der berühmten Arie des Escamillo aus »Carmen« sang sich der Bariton Adam Kutny direkt in die Herzen des Publikums. Sieht man ihn doch direkt vor sich den stolzen Torero, dem die Frauen zu Füßen liegen. Ein nobler Bariton, mit einem schönen Timbre, kraftvoll mit Raffinement in Phrasierung und Artikulation.

Nicht zu vergessen ist der Pianist Markus Zugehör. Er bereitete die musikalische Basis am Klavier, und das tat er sehr einfühlsam und behutsam. Er ließ den Sängern Raum, aber er gab ihnen auch sensibel ein sicheres Fundament. Durch das Programm führte Prof. Martin Christian Vogel, Rektor der Hochschule für Musik in Detmold, der in kurzen Gesprächen versuchte, den Sängern einen kleinen persönlichen Blick in die Zukunft zu entlocken. Das Publikum im Kaisersaal war von dieser Operngala begeistert. Stehend dankte es den Sängern, die sicher alle am Anfang einer vielversprechenden Zukunft stehen.

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