Do., 14.06.2018

Michael Jöbges beringt vier Storchenküken in Ovenhausen bei Höxter in luftiger Höhe Mit dem Ring hinaus ins Leben

Vier Storchenküken wachsen auf dem stillgelegten Schornstein in 26 Metern Höhe heran. Als Michael Jöbges ihnen die Ringe anlegt, lässt Mutter oder Vater Storch das Nest nicht aus den Augen. Die Kleinen fallen, wenn Gefahr droht, in eine Akinese (Bewegungslosigkeit). Das ist auch beim Beringen der Fall. Dann kuschelten sich die Küken aneinander und freuen sich auf das Futter, das Mama und Papa gleich mitbringen

Vier Storchenküken wachsen auf dem stillgelegten Schornstein in 26 Metern Höhe heran. Als Michael Jöbges ihnen die Ringe anlegt, lässt Mutter oder Vater Storch das Nest nicht aus den Augen. Die Kleinen fallen, wenn Gefahr droht, in eine Akinese (Bewegungslosigkeit). Das ist auch beim Beringen der Fall. Dann kuschelten sich die Küken aneinander und freuen sich auf das Futter, das Mama und Papa gleich mitbringen Foto: Sabine Robrecht

Von Sabine Robrecht

Höxter-Ovenhausen (WB). Ganz Ovenhausen ist begeistert: Die vier Storchenküken auf dem stillgelegten Schornstein der Firma Maderas Holztechnik gedeihen in 26 Metern Höhe prächtig. Seit Mittwochabend tragen sie Ringe.

Um das Quartett mit diesen »Personalausweisen« auszustatten, ist Michael Jöbges, Vorstandsmitglied der Stiftung Störche NRW, aus Recklinghausen gekommen. Auch wenn er schon etwa 2000 Störche beringt hat, ist es ihm jedes Mal eine Freude. Dem Rheinländer liegt es nämlich am Herzen, die Erholung der Westpopulation des Weißstorchs in NRW weiter zu fördern.

In Ovenhausen trifft er auf Mitstreiter, deren Anzahl wächst. Dem Freundeskreis Grubestörche, der die Nisthilfe auf dem Schlot Ende Juli 2016 angelegt hat, ist in den zwei Jahren von zehn auf 25 Mitglieder angewachsen. Sie alle waren hocherfreut, als das Storchenpärchen Antje und Ovo nach dem missglückten ersten Brutversuch im vergangenen Jahr zurückgekehrt ist. 2017 überlebten drei Nestlinge eine Schlechtwetterperiode nicht.

Mit vier Küken hatte Freundeskreis nicht gerechnet

Jetzt sehen die vier Küken gut aus, fällt das Expertenurteil von Michael Jöbges ermutigend aus. Als er sich mit Hilfe eines Krans der benachbarten Zimmerei Andreas Robrecht dem Horst näherte, um die etwa viereinhalb Wochen jungen Nestlinge zu beringen, war einer der Eltern gerade auf Futtersuche. Das andere Elternteil umkreiste besorgt das Nest, ließ die Kleinen nicht aus den Augen und beobachtete schließlich von einer benachbarten Baumkrone aus das Geschehen. Dass ein so junges Paar wie Ovo und Antje gleich vier Junge bekomme, sei top, sagt Michael Jöbges. »Damit hätten wir auch nicht gerechnet«, strahlt Dr. Norbert Tenkhoff, Sprecher des Freundeskreises Grubestörche. »Wir sind sehr stolz.«

Hubert Drüke entwirft Tafel

Mitstreiter Hubert Drüke teilt die Freude. Er konnte die im vergangenen Jahr selbst entworfene Storchentafel nun fertigen. Der zugehörige Meister Adebar aus Stahl wartet darauf, die Tafel im Schnabel zu halten.

Kindergartenkinder taufen Störche

Für die Beschriftung fehlen allerdings noch wichtige Details: die Namen der Jungen. Die dürfen sich die Mädchen und Jungen des Kindergartens ausdenken. Der Freundeskreis ist schon ganz gespannt, auf welche Namen die Kleinen die Jungstörche taufen. Ende des Monats weiß Ovenhausen mehr. Dann kann die Storchentafel am Radweg ihren Platz einnehmen. Der schwere Findling steht bereit.

Antje und Ovo sind auch beringt

Derweil hat Familie Storch von ihrem Logenplatz aus genau im Blick, was ihre Fans am Boden so machen. Durch die Ringe lassen sich die Jungstörche demnächst jederzeit identifizieren. Ihr Lebensweg wird anhand von Rückmeldungen nachvollziehbar – so wie es bei den Eltern Ovo und Antje auch der Fall ist.

Gesprächsthema Nummer eins

Die muntere Storchenfamilie ist in Ovenhausen Gesprächsthema Nummer eins. Andreas Robrecht, Chef der gleichnamigen Zimmerei, muss nur aus dem Fenster schauen, um zu sehen, was die Störche machen. »Es ist viel Bewegung im Nest«, beobachtet er. Inzwischen fliegen auch schon mal beide Eltern zur Futtersuche raus.« Die Kleinen gehen dann und wann auf der Nestkante spazieren.

Ungebetene Gäste

Ungebetenen Besuch haben Ovo und Antje nicht nur vom Rotmilan, sondern auch von Artgenossen bekommen: »Ein 22 Jahre alter Storch, der in Begleitung eines unberingten weiteren Altstorchs war, wurde vor etwa zwei Wochen sehr aggressiv. Beide nahmen stundenlang auf dem Sendemast Platz«, sagt Norbert Tenkhoff. 22 Jahre sind für Störche ein stolzes Alter. Im Durchschnitt wird Meister Adebar, so Ewald Frisch, ehrenamtlicher Weißstorchbeauftragter für den Kreis Höxter, nämlich nur sieben bis acht Jahre alt. Der »Senior« wollte es in Ovenhausen noch einmal wissen.

Gegen weitere Eindringlinge, die Nilgänse, hat der Freundeskreis Grubestörche Abhilfe geschaffen: »Wir haben am anderen Ende des Dorfes auf eine Kopfweide eine Nisthilfe gesetzt. Da sind sie auch reingegangen.«

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