Fr., 10.08.2018

Mateusz Nickel lernt Maurer – Betriebe suchen händeringend Azubis Sein Werk hat Bestand

Von Marius Thöne

Höxter(WB). Die Sonne brennt an diesem Vormittag. Mateusz Nickel hat sich einen Sonnenschirm aufgespannt. Mit einem Spezialwerkzeug drückt er Mörtel in die Fugen der alten Brenkhäuser Klostermauer.

Nickel ist 23 Jahre alt und lernt Maurer. Er ist bereits im dritten Lehrjahr. »Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht, Maurer ist mein absoluter Traumjob, eben genau meins«, erzählt der Höxteraner begeistert. Soetwas sagen aber immer weniger junge Leute. Nach Angaben der Gewerkschaft IG Bau sind zum Ausbildungsstart bei Baufirmen im Kreis Höxter derzeit noch 71 freie Stellen zu besetzen. Die Bauunternehmen suchen händeringend Personal.

»Die Bewerbungen sind in den vergangenen Jahren deutlich weniger geworden«, kann auch der Höxteraner Bauunternehmer Eckehard Hemesoth bestätigen. Er ist Mateusz Nickels Chef und ist froh, einen solch vorbildlichen Lehrling gefunden zu haben. »Ich habe es auch schon erlebt, dass Auszubildende ihre Lehre angetreten haben und nach ein paar Monaten einfach nicht mehr gekommen sind«, berichtet er.

Der Maurer

Wer Maurer werden will, sollte körperlich fit, teamfähig, gut im Rechnen sein und einen Hauptschulabschluss haben. Die Ausbildungsvergütung ist so hoch wie in kaum einem anderen Ausbildungsberuf. Im ersten Lehrjahr gibt es nach Angaben der Kreishandwerkerschaft 845 Euro, im zweiten 1078 Euro und im dritten 1364 Euro. Nach der Ausbildung liegt der Stundenlohn laut Tarifvertrag bei rund 17 Euro. Obwohl das Ausbildungsjahr schon begonnen hat, haben Kurzentschlossene noch Chancen. Holger Benninghoff empfiehlt, sich bei Unternehmen direkt nach Plätzen zu erkundigen.

Ausbildungsbotschafter

Mateusz Nickel würde das im Traum nicht einfallen. Im Gegenteil: Er ist sogar Ausbildungsbotschafter für die Kreishandwerkerschaft, geht in Schulen und versucht Schüler von einem Job auf dem Bau zu überzeugen. »Viele wollen sich heute aber nicht mehr schmutzig machen«, nennt Nickel einen Grund, der aus seiner Sicht für zurückgehende Bewerberzahlen spricht. Dabei sei durch moderne Maschinen wie Kräne die körperliche Arbeit in den vergangenen Jahren viel leichter geworden. »Keiner muss mehr einen Speißvogel aufs Gerüst schleppen«, bringt es Holger Benninghoff, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, auf den Punkt. Trotzdem müssten Maurer natürlich auch heute kräftig anpacken können, und das bei jedem Wetter, sagt Benninghoff. Er beklagt, wie viele Handwerksmeister auch, einen »Akademisierungswahn«. Eltern glaubten, dass aus ihren Kindern nur noch mit Abitur etwas werden könne. Dabei böten gerade Handwerksberufe gute Aufstiegschancen.

Auch Mateusz Nickel kann sich vorstellen, sich nach seiner Lehre zum Meister oder Polier weiter zu qualifizieren. Er schätzt den Abwechslungsreichtum an seinem Beruf. »Außerdem sieht man jeden Abend, was man geschafft hat«, erzählt der 23-Jährige, dessen Familie aus Polen stammt und dessen Onkel als Maurer in Italien arbeitet. Schon als Kind war er vom Bau und Baumaschinen fasziniert. »Ich konnte stundenlang zusehen«.

Wenn er nicht in seinem Ausbildungsbetrieb arbeitet, besucht er die Berufsschule in Brakel, 13 Mauererlehrlinge gehen in seine Klasse. Vor 15 Jahren wären es mindestens doppelt so viele gewesen, ist sich Bauunternehmer Hemesoth sicher. Die überbetriebliche Ausbildung findet im Bildungszentrum der Bauinnung in Istrup statt.

Neue Serie

In einer Serie stellt das WESTFALEN-BLATT in den kommenden Wochen Berufe vor, in denen Auszubildende Mangelware sind. Wir wollen wissen, warum sie sich trotzdem für eine Karriere als Bäcker, Fleischer oder Dachdecker entschieden haben. Den Anfang macht Maurerlehrling Mateusz Nickel.

Mehr Schulabgänger begeistern

Mateusz Nickel würde sich freuen, wenn sich wieder mehr Schulabgänger für den Maurerberuf interessieren würden. Dass ihm die Arbeit einmal ausgehen wird, glaubt er nicht. »Irgendjemand muss ja ausführen, was sich die Ingenieure und Architekten ausgedacht haben«, sagt er und wendet sich wieder seiner Kelle und seinem Mörtel zu. »Wer weiß, vielleicht komme ich in 50 Jahren mit meinen Enkeln hier vorbei und erzähle ihnen dann, wie ich als junger Lehrling diese alte Mauer neu ausgefugt habe.

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