Mi., 13.06.2018

Marienmünsters Stadtarchiv ist wieder in den Keller des Rathauses gezogen Zeitzeugen in modernen Schränken

Sie sind stolz auf das neue Marienmünsteraner Stadtarchiv im Keller des Rathauses in Vörden (von links): Matthias Peitsch (Bauamt), Ordnungsamtsleiter Elmar Meyer und Josef Suermann, allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters.

Sie sind stolz auf das neue Marienmünsteraner Stadtarchiv im Keller des Rathauses in Vörden (von links): Matthias Peitsch (Bauamt), Ordnungsamtsleiter Elmar Meyer und Josef Suermann, allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters. Foto: Dennis Pape

Von Dennis Pape

Vörden (WB). Das Archiv der Stadt Marienmünster hat eine neue Heimat gefunden – und irgendwie ist es dann doch eine Rückkehr. Im Keller des Rathauses in Vörden ist ein topmodernes Archiv gebaut worden, das zeitgeschichtliche »Schätze« aus den einzelnen Ortschaften beheimatet.

»Das Stadtarchiv war bereits 20 Jahre im Keller des Rathauses, jedoch war die Umgebung damals zu feucht. Deshalb ist es zunächst in das alte Gebäude der Grundschule gezogen, das nun bekanntlich bald abgerissen wird«, sagt Josef Suermann, allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters. Er hat selbst am vergangenen Samstag beim erneuten Umzug in den Rathauskeller mitgeholfen. Auch die weiteren Beteiligten haben bewiesen, dass Marienmünsteraner anpacken können: »Zusammen mit Ordnungsamtsleiter Elmar Meyer, Ludger Spiegelberg sowie einigen Flüchtlingen und weiteren Helfern haben wir insgesamt 500 Kisten mit 1800 Akten sowie weitere 600 Kisten und 250 Bücher für das Zwischenarchiv zurück ins Rathaus gebracht«, so Suermann. »Die Flüchtlinge dürfen im Ramadan tagsüber nicht trinken, sind aber dennoch sehr engagiert gewesen«, lobt Meyer.

Hohe Anforderungen

Das Zwischenarchiv soll in Zukunft noch aus- oder eben einsortiert werden, das eigentliche Archiv lagert ab sofort in einer modernen Umgebung, die garantieren soll, dass die zum Teil wertvollen Dokumente erhalten bleiben – denn das Landesarchiv habe laut Matthias Peitsch vom Bauamt hohe Anforderungen an das Lagerumfeld im Keller gestellt: »Insgesamt haben wir deshalb etwa 28.000 Euro in das neue Archiv investiert.« Besonders platzsparend sind zum Beispiel die neuen Rollschränke, die mit 7400 Euro gefördert worden sind. Die Fenster sind ausgetauscht worden, außerdem wurde eine neue LED-Beleuchtung installiert. »Die Luftfeuchtigkeit darf in den Archivräumen nicht höher als 50 Prozent sein, deshalb gibt es für den Fall der Fälle Entlüfter. Außerdem haben wir für potenzielle Wasserschäden einen Sensor angebracht, der sofort warnt«, führt Peitsch aus.

Gerichtsakten von 1700

Diese Sicherheitsvorkehrungen seien nach Angaben der Verantwortlichen durchaus angebracht, denn im Archiv befinden sich viele zeitgeschichtlich wertvolle Dokumente. »Die ältesten sind beispielsweise Gerichtsakten aus Löwendorf – sie sind um 1700 datiert. Zu finden sind auch Schriftstücke zu Entnazifizierungsverfahren oder Chroniken der Ortschaften, die auf Geheiß von Napoleon 1807 angefertigt werden mussten«, sagt Suermann. Diese Ortschroniken sind damals zumeist von Pastoren oder Lehrern verfasst worden und mittlerweile zu einem großen Teil auch aus den alten Schriftarten übersetzt. Die alten Schriftstücke zeugen auch immer wieder von Begebenheiten, die heute unvorstellbar wären. Suermann: »Ein Lehrer hat beispielsweise ein Waisenkind einmal so lange geschlagen, bis es auf die Knie gegangen ist und ihm die Füße geküsst hat.«

Genügend Platz für weitere Dokumente

Ein Plan der Schule in Altenbergen zeigt außerdem beispielsweise auf, dass 1928 dort 76 Kinder auf 53 Quadratmetern unterrichtet worden sind. Ebenfalls bemerkenswert und besonders selten ist eine Karteisammlung: »Nach dem Krieg mussten alle Häuser Flüchtlinge aufnehmen. Deshalb wurde nicht nur die Anzahl der Bewohner in der jeweiligen Kartei festgehalten, sondern auch die Nutzung jedes einzelnen Raumes – das wäre mit dem heutigen Datenschutz doch eher schwierig«, sagt Suermann mit einem Augenzwinkern. Er verweist auch darauf, dass das Stadtarchiv angesichts der neuen Lagerung in den Rollschränken genügend Platz für weitere Dokumente aus den Ortschaften bereithalte. Ohnehin ist Marienmünster vorbildlich, was die Bewahrung von Dokumenten angeht: Sie hat 2016 als erste Stadt in NRW für 10.000 Euro alle Dokumente entsäuert, um sie für zukünftige Generationen zu erhalten – denn Geschichte hat einen immensen Wert.

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