Fr., 02.10.2015

Abriss, neuer Nutzer oder noch einmal Asylbewerber? Weberhaus steht ab Januar 2016 leer

Die Frage steht im Raum: Was wird aus dem bald leer stehenden Weberhaus in Nieheim? Das Kolpingbildungswerk würde den Gebäudekomplex gerne verkaufen, sagt Geschäftsführer Wolfgang Gelhard.  Eine erneute Unterbringung von Flüchtlingen lehnen die Paderborner nicht ab.

Die Frage steht im Raum: Was wird aus dem bald leer stehenden Weberhaus in Nieheim? Das Kolpingbildungswerk würde den Gebäudekomplex gerne verkaufen, sagt Geschäftsführer Wolfgang Gelhard. Eine erneute Unterbringung von Flüchtlingen lehnen die Paderborner nicht ab. Foto: Michael Robrecht

Von Michael Robrecht

Nieheim (WB). Die Zukunft des Weberhauses in Nieheim ist völlig ungewiss. Die ehemalige Kolping-Bildungsstätte wird ab Anfang 2016 komplett leer stehen. Droht der Abriss? Oder werden dort  wegen des weiter anhaltenden  Flüchtlingsstroms doch noch einmal Asylbewerber untergebracht?

Viele Nieheimer fragen sich seit Monaten,  was mit der 1962 gegründeten und früher bundesweit  bekannten großen Einrichtung zukünftig geschehen soll. Zurzeit ist das  Bettenhaus noch vom Gesundheitsanbieter »Physio Vital Nieheim« belegt, der wegen der laufenden Großbaumaßnahme im St.-Nikolaus-Hospital aus dem Seniorenheim ausgezogen ist.  Im Dezember endet die  Übergangsunterbringung im Weberhaus-Bettengebäude, weil die neu errichteten   Räumlichkeiten Zur Warte 16 nahe des Schulzentrums von »Physio Vital« bezogen werden können. Ab 1. Januar 2016 habe er keine neuen Mieter und auch  keine Anfragen für eine Folgenutzung für das Weberhaus, sagte gestern Wolfgang Gelhard, Geschäftsführer der Kolping-Bildungswerk Paderborn gGmbH, auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage.

Bisher keine Gespräche

In Nieheim denken inzwischen nicht wenige Bürger darüber nach, warum das Weberhaus, das schon zwei Mal mit  bis zu 200 Flüchtlingen belegt worden war, nicht wieder Heim für Asylbewerber werden könne und warum die Stadt Häuser kauft, umbaut oder – wie berichtet – Mieterinnen  in städtischen Sozialwohnungen kündigt. »Mit uns hat die Stadtverwaltung Nieheim über eine erneute Flüchtlingsunterbringung nicht gesprochen. Auch das Land NRW  hat  uns nicht mehr auf der Rechnung, weil die zurzeit  lieber  1000-Personen-Notunterkünfte betreiben möchten«, erläuterte Wolfgang Gelhard. Grundsätzlich sei Kolping für neue Lösungen immer gesprächsbereit.

Der  Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerkes Paderborn  berichtete, dass man das Weberhaus  zum Verkauf anbiete, sich aber niemand für die Immobilie interessiere. Es könne  nicht so weiter gehen, dass man 100 000 Euro Kosten zum baulichen Erhalt des Hauses jedes Jahr schultern müsse. Kolping überlege sich schon, was sich in Nieheim rechne: Was bringen  ein Abriss der Bildungsstätte –  das historische Weber-Wohnhaus natürlich ausgenommen –  und der Verkauf des Geländes als Bauland? Gibt es neue Ideen für den Gebäudekomplex? Altenwohnungen? Etwas für Jugendliche? Mögliche Investoren hätten immer davon gesprochen, dass eine Investition so hoch sei, dass man auch neu bauen könne.

Wolfgang Gelhard will verkaufen, wenn die Konditionen stimmen. Das Thema müsse dauerhaft gelöst werden. Kolping sieht das Weberhaus als Flüchtlingsherberge erst dann wieder im Spiel, wenn beispielsweise die Bezirksregierung Detmold Asylbewerber im Auftrag des Landes schnell unterbringen  müsse –  was durchaus    im Gespräch sei. Dann würden weitere Unterkünfte zügig benötigt.

Internationale Schule

Die Zeit der Belegung mit Flüchtlingen sei in Nieheim  gut gelaufen. Kolping hätte das gerne fortgesetzt. Da jedoch eine Befristung versprochen worden sei, sei dies kein Thema gewesen und Kolping  habe als Betreiber das Driburger Clemensheim übernommen.

Das Bildungswerk hat sich auch mit der Idee von Kopten-Bischof Damian beschäftigt, im Weberhaus eine Internationale Schule zu eröffnen. Kolping als anerkannter Bildungsträger könne solch eine Schule, so Wolfgang Gelhard,  sogar selbst betreiben; aber die Frage sei doch, ob soetwas an der Stelle im kleinen  Nieheim Sinn mache. Die Migranten, die die Schule besuchen könnten, müssten mit Bussen aus der  Region zusammengeholt werden. Das sei teuer und aufwendig und führe auch nicht zu einer besseren Integration in den Unterbringungs- und Wohnorten, wenn man ganztägig unterwegs sei.

Geschäftsführer Gelhard ist nicht wohl bei dem Gedanken, dass ab Januar die Tür im Weberhaus zu sei. Gebe es keine Interessenten, dann stehe am Ende  doch der Abriss des Weberhauses.

Das Weberhaus

1962 wurde das Weberhaus als Kolping-Bildungsstätte eingeweiht. Seinen Namen verdankt es dem Arzt und Politiker Friedrich-Wilhelm Weber (1813-1894), der dort von 1887 bis zu seinem Tod wohnte. Weber war auch als Schriftsteller sehr aktiv; große Bekanntheit erlangte sein 1878 veröffentlichtes Epos »Dreizehnlinden«, was viele Schülergenerationen lesen mussten.  Nachdem in den 1950er Jahren schon einmal  der Abriss des alten Hauses diskutiert wurde, übernahm der Kolping-Diözesanverband das Gebäude und richtete für viele Jahre die Bildungsstätte ein.

»Vor dem Hintergrund, dass sich die Bildungslandschaft in den vergangenen Jahren massiv verändert hat, gab es  keine Alternative zur Schließung«, begründet Wolfgang Gelhard, Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerkes Paderborn, das Ende der Einrichtung  Danach kam noch die zweimalige Nutzung als Flüchtlings-Notunterkunft des Landes NRW.

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