Di., 21.11.2017

Flechthecke: Heimatverein Nieheim hat Bewerbung bei Ministerium eingereicht Grüner Zaun soll Weltkulturerbe werden

Regelmäßig binden Nieheimer Heimatfreunde Flechtheckenabschnitte ein und leisten so einen wichtigen Beitrag zum Landschaftsbild und zur Landschaftspflege: (von links) Ulrich Pieper, Josef Köhne, Johannes Köhne, Wilfried Erbsland.

Regelmäßig binden Nieheimer Heimatfreunde Flechtheckenabschnitte ein und leisten so einen wichtigen Beitrag zum Landschaftsbild und zur Landschaftspflege: (von links) Ulrich Pieper, Josef Köhne, Johannes Köhne, Wilfried Erbsland. Foto: Heinz Wilfert

Nieheim (WB/nf). Der erste Schritt für die Anerkennung der Nieheimer Flechthecke als immaterielles Kulturerbe ist getan. Der Heimatverein hat die offizielle Bewerbung beim Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen eingereicht und mit zahlreichen Ausführungen unterlegt. Auch die Bedeutung für den Tourismus wurde gewürdigt.

Bei der Bewerbung wurde der Heimatverein Nieheim von vielen Akteuren innerhalb und außerhalb des Kulturlandes Kreis Höxter unterstützt. In ganz besonderer Weise haben dabei Agnes Sternschulte vom Freilichtmuseum Detmold und Maria Harnack von der Universität Paderborn geholfen.

»Wir alle, und ich ganz besonders, würden uns sehr freuen, wenn es mit Ihrer Unterstützung gelingen würde, dass die Flechthecke in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wird«, schreibt dazu Ulrich Pieper als Stadtheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins Nieheim, der für den 4. Dezember um 19.30 Uhr im Sackmuseum ein Treffen aller an den Flechthecken Interessierter ankündigt. Alle, die das Flechten erlernen möchten, die Hecken in ihrem Besitz haben oder in irgendeiner Weise sich zum Erhalt der Flechthecken einbringen wollen, sind zu diesem Treffen eingeladen.

Aushängeschild der Nieheimer Landschaft

Die Flechthecken sind ein Aushängeschild der Nieheimer Landschaft und lebende Zäune der Kulturlandschaft. Weil die Menschen früher kaum eigenen Wald besaßen, waren sie ein wichtiger Holzlieferant. Den Nieheimer Heimatfreunden ist es ein Herzensanliegen, die Hecken intensiv zu pflegen und die Technik an die nächste Generation weiterzugeben. Dazu sind sogar schon ausländische Gäste angereist, um die Technik des Schneidens und Knotens zu lernen.

Die Flechthecke hat sich in diesem Raum seit Mitte des 17. Jahrhunderts in einer dreistufigen Form erhalten, die für die Viehhaltung von Bedeutung war. Nachweisbar bis 1650 ist sie in ihrer Art auf dem europäischen Kontinent einmalig.

Ökologischer Wert für die Tierwelt

Die Arbeit des Einbindens ist sehr aufwändig, stellt aber einen wichtigen Teil der Landschaftspflege dar und diente der Weidenpflege. Das Einbinden ist lebendige Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Früher wurden aus dem ausgeschnittenen Holz der Flechthecken viele Erzeugnisse hergestellt – wie Erbsenbraken, Wanderstöcke, Kehrbesen oder Bestenstiele. Nüsse wurden geerntet und Öl daraus gemacht – sie waren ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Als praktischer Nutzen entstand Laubheu für das Vieh. Für die Landwirte hieß es deshalb damals: »Ohne den grünen Zaun können wir nicht leben.«

Heute haben die Hecken großen ökologischen Wert für die Tierwelt. Vögel haben einen Lebensraum, Igel, Hasen, Siebenschläfer oder die Haselmaus und Rebhühner finden neben der Deckung, den Brut- und Nistplätzen auch Nahrung. Selbst auf die Menschen habe die Heckenlandschaft Wirkung ausgeübt, so Pieper. »Um die Vielfalt dieses immateriellen Kulturerbes und ihr kreatives wie inspirierendes Potenzial für die Gesellschaft zu entfalten, braucht sie Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Anerkennung«, ist Pieper von seiner »Mission Flechthecke und Kulturerbe« überzeugt.

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