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Mo., 27.11.2017

Vorpremiere des traditionsreichen Jahresrückblicks von »Storno« begeistert 500 Zuschauer in Nieheim »Whatsapp-Gruppe ist das soziale Lagerfeuer«

Jamaika-Gespräch in Nieheim: Katrin Göring-Eckardt (Jochen Rüther) sieht, wie Kanzlerin Merkel (Harald Funke) Christian Lindner (Thomas Philipzen) anfleht, zu koalieren.

Jamaika-Gespräch in Nieheim: Katrin Göring-Eckardt (Jochen Rüther) sieht, wie Kanzlerin Merkel (Harald Funke) Christian Lindner (Thomas Philipzen) anfleht, zu koalieren. Foto: Greta Wiedemeier

Von Greta Wiedemeier

Nieheim (WB). »Selten hatte ein Jahr Storno nötiger als 2017«, heißt es von den drei Akteuren Harald Funke, Thomas Philipzen und Jochen Rüther. Dass das stimmt, wurde bei der ausverkauften Veranstaltung »Die Abrechnung« am Samstag mit viel Humor, reichlich Musikalität und der gewissen Prise Zynismus bewiesen.

Die Vorpremiere in Nieheim hat Tradition: Vor zwölf Jahren war das Trio zum ersten Mal in der Stadthalle, und für viele Zuschauer ist der Besuch von Storno seit dem ein fester Termin im Jahresplan. »Ich weiß jetzt schon, dass alle begeistert sein werden, die Gruppe ist jedes Jahr toll«, meinte ein Fan. Der Erfolg spricht für sich: Bis März sind alle Veranstaltungen, so auch im Januar in Beverungen, ausverkauft; danach gibt es nur noch einzelne Tickets.

Und so blieb erwartungsgemäß auch bei den 500 Zuschauern in der Nieheimer Stadthalle kein Auge trocken. »Wir waren mit dem Programm schon fertig – und dann kam Jamaika…«, beschwerte sich Philipzen. Selbst brandaktuelle Themen wie das spektakuläre Fußball-Derby zwischen Dortmund und Schalke am Samstag oder der Abbruch der Jamaika-Sondierungen blieben nicht unkommentiert.

Thematisiert wurden auch der Trend zum »Hardcore-Veganismus«, die Dieselaffäre und die Technisierung der Menschheit oder wie Storno es ausdrückte: »Das soziale Lagerfeuer ist heute die Whatsapp-Gruppe«. Auch viele weitere politische Themen fanden ihren Platz im Programm. All die »besserverdienenden Impfgegner, die mit ihrem fetten SUV zum nächsten Supermarkt fahren, um lactosefreien Joghurt zu kaufen« wurden ebenso auf die Schippe genommen wie Kanzlerin Merkel, »Katrin Boring-Eckardt« und Christian Lindner, »die Heidi Klum der deutschen Politik«.

Regionalität traf den Humor des Publikums

Jeder der drei Kabarettisten hat sein eigenes Spezialgebiet. Harald Funke bezeichnete sich selbst als »Konzentrat, aber bloß nicht als klein!« Thomas Philipzen, der sich als musikalisches Multitalent herausstellte, outete sich als Köln-Fan und bekam dafür im Laufe des Abends immer wieder Sticheleien von seinen Kollegen zu spüren. Jochen Rüther, der »Optimismusbeauftragte«, erklärte dem Publikum das Geheimnis einer glücklichen Ehe: nämlich »bedingungslose Unterwerfung«.

Die Regionalität des Trios ließ sich immer wieder erahnen und traf den Humor des Publikums. Es wurde von Storno befürchtet, dass durch das Parteiprogramm der AfD – laut dem »alle nicht therapierbaren Alkoholiker« im Gefängnis landen sollen – bald das Schützenfest Pömbsen in die JVA Verl verlegt werden müsse und der Karneval in Nieheim gleich ganz ausfalle. »Solche Sprüche sind einfach genial, die bringen einen Gag nach dem Anderen«, begeisterte sich eine Nieheimerin.

Die ganze Stadthalle sang gemeinsam ein Lagerfeuerlied

Und auch die musikalischen Beiträge fanden Anklang. So gab es zum Beispiel ein Lied über die Identitätsfrage der Deutschen, das mit der Feststellung endete, dass man sich nicht von »13 Prozent Gauländern« sagen lassen wolle, was die eigene Identität sei. Zum Abschluss hielt Storno die Tradition der vergangenen Jahre aufrecht: Die ganze Stadthalle sang gemeinsam ein Lagerfeuerlied, in diesem Fall eine umgedichtete Version von »Halleluja«. Der tosende Beifall ließ nicht lange auf sich warten.

Sinn der Vorpremiere ist eigentlich, die Veranstaltung noch einmal auf die besten Gags in 90 Minuten herunter zu kürzen – das dürfte sich in diesem Jahr als sehr schwierig erweisen, denn amüsiert war das Publikum über zwei Stunden lang – durchgehend und sicher auch nachhaltig.

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